Nachgefragt: Wer ist eigentlich Ute Hauth?

Im Gespräch mit Landtagskandidaten im Wahlkreis Konstanz

Konstanz. Wählen oder nicht wählen und wenn ja, wen wählen? Diese Frage stellt sich den Wahlberechtigten in Baden-Württemberg am 27. März bei der Landtagswahl. Parteibindungen sind bei Wahlentscheidungen immer weniger wichtig. Während ein Teil der Wahlberechtigten eher strategisch wählt oder sich spontan für eine Partei entscheidet, spielt bei anderen die Persönlichkeit des Kandidaten eine große Rolle.

See-Online: Stellen Sie sich doch bitte einmal kurz vor: Verraten Sie uns Ihr Alter, wo Sie geboren sind, Ihren Beruf und wo und wie Sie leben.

Ute Hauth: 46 Jahre, ich bin Diplom-Informatikerin (FH), selbstständige Webautorin und wohne in einer Eigentumswohnung in Petershausen, die Stadt kann ich zu Fuß erreichen.

See-Online: Weshalb haben Sie sich entschieden, ausgerechnet in Ihre und in keine andere Partei einzutreten?

Ute Hauth: Ich liebe meinen Beruf und würde ihn in fünf oder zehn Jahren gern auch noch machen. Seit 2009 beunruhigen mich die fehlende Medienkompetenz bei Politikern und die Zensur im Internet. Ich glaube, es braucht eine eigene Partei, damit die Probleme ernst genommen werden. Es ist wie mit den Grünen und der Umweltpolitik. Ohne die Grünen gebe es sie nicht.

See-Online: Was würden Sie tun, wenn Sie einen Tag lang Ministerpräsidentin wären?

Ute Hauth: Die Studiengebühren abschaffen und eine Art gläsernen Landtag einführen.

See-Online: Partei- und Regierungsprogramme könnten wir im Internet lesen. Wir möchten Sie deshalb lieber persönlich ein bisschen näher kennenlernen. Sind Sie mit ein paar persönliche Fragen einverstanden?

Ute Hauth: Fragen darf man mich alles.

See-Online: Würden Sie der Aussage zustimmen, dass Politik Kommunikation ist? Macht es Ihnen Spaß, unter Menschen zu sein?

Ute Hauth: Ja und ja. Das Hauptproblem der Politik derzeit ist, dass zu wenig kommuniziert wird. Sonst hätten wir nicht so viele Menschen, die nicht wählen. Mit Kommunikation meine ich keine 0-8-15 Pressemitteilungen.

See-Online: Sind Sie gern draußen an der frischen Luft?

Ute Hauth: Wenn es möglich ist, arbeite ich lieber draußen als drinnen. Da ich selbständig bin, kann ich das häufig verwirklichen und mein Laptop mit auf den Balkon nehmen.

See-Online: Stellen Sie sich vor, es ist Sonntag. Sie können nicht einkaufen. Was darf in Ihrem Kühlschrank an einem Sonntag auf gar keinen Fall fehlen?

Ute Hauth: Milch für den Kaffee. Den Inhalt unseres Kühlschranks kenne ich nur selten.

See-Online: Wo haben Sie Ihre besten Ideen? Vielleicht unter der Dusche?

Ute Hauth: Nachts alleine am See.

See-Online: Wie wichtig sind Ihnen Freunde? Wir meinen nicht politische Freunde, sondern Menschen, die Ihnen wirklich nahe stehen.

Ute Hauth: Meine Freunde sind wichtiger als politische Kontakte. Auf meine Freunde kann ich mich verlassen – und sie sich umgekehrt auf mich. Wenn es Freunden gut geht, brauchen sie sich nicht so sehr.

See-Online: Wie wichtig ist emotionale Intelligenz und die Fähigkeit zu Empathie? Oder sind Sie ein reiner Verstandsmensch, dem Emotionen nicht so wichtig sind?

Ute Hauth: Die Fähigkeit zu Empathie ist notwendig. Wenn wir nur verstandsmäßige Entscheidungen fällen würden, würden wir uns von sozialen Themen entfernen. Der Hartz IV-Satz wäre dann noch niedriger. Nur Empathie macht es möglich, zu begreifen, was Entscheidungen für andere Menschen bedeuten.

See-Online: Viele Menschen haben ein Lieblingszitat oder einen Lieblingsspruch wie „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen…“ . Haben Sie auch so einen Satz?

Ute Hauth: Leben ist das, was passiert, während Du dabei bist, andere Pläne zu machen. Der Satz wird John Lennon zugeschrieben.

See-Online: Besitzen Sie ein Smartphone?

Ute Hauth: Ja, weil Kommunikation per Mail, Twitter und Identica für mich wichtiger ist als telefonieren.

See-Online: Lesen Sie Nachrichten lieber online oder in gedruckten Zeitungen?

Ute Hauth: Dass ich die letzte gedruckte Zeitung regelmäßig gelesen habe, ist 20 Jahre her. Online zu lesen, ist für mich der Normalfall. Manchmal schaue ich das Heute Journal oder die Tagesthemen.

See-Online: Nutzen Sie in Ihrer Freizeit Twitter oder Facebook oder finden Sie für sich persönlich soziale Netzwerke und Mikroblogging nicht ganz so wichtig?

Ute Hauth: Ich nutze seit ein paar Jahren alles mögliche. In den 90er Jahren habe ich mit Usenet und Maillinglisten angefangen. Themenbezogener Austausch bei Twitter, Identica und Facebook ist mir wichtig. Bei Twitter habe ich mehr als 9000 Tweets verschickt. Mehr muss ich, glaube ich, nicht sagen.

See-Online: Wissen Sie welche Rolle Facebook in Tunesien spielte, Stichwort „Revolution im Internet“?

Ute Hauth: Ich weiß nicht, ob Facebook am wichtigsten war. In Ägypten hat Google schnell reagiert und tweeten war übers Telefon möglich. Es lässt sich nicht mehr verhindern, dass Menschen über alle Kanäle kommunizieren. Alles wird nach außen getragen.In Krisensituationen lässt sich nichts mehr unter den Tisch kehren.

See-Online: Auch im Fall von „Stuttgart 21“ spielte sich viel im Internet ab. Nachrichten verbreiten sich über Twitter fast in Echtzeit. Haben Sie im Internet schon einmal fluegel.tv geschaut?

Ute Hauth: Klar. Bei der der Schülerdemonstration am 30. September verbreiteten sich die Nachrichten über Twitter schon um 12 Uhr mittags. Die Standardportale reagierten noch nicht. Es dauerte bis 14 Uhr, bis im SWR ein erstes Radiointerview zu hören war. fluegel.tv hatte die wertvollsten Informationen. Nachts habe ich weiter geschaut. Ich wollte wissen, ob die Situation weiter eskaliert.

See-Online: Apropos schauen: Gehen Sie lieber ins Kino oder schieben Sie eine DVD ein? Welchen Film sollten wir uns unbedingt einmal anschauen?

Ute Hauth: Beides nicht gern, weil ich kein Filmfreak bin. Eher schaue ich gemütlich eine DVD. Manche Filme wie „Herr der Ringe“ sollte man aber im Kino sehen. Ein Film, den es lohnt, sich anzuschauen, ist „Aimée und Jaguar“.

See-Online: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welchen Headliner, welche Band oder welchen internationalen Künstler, würden Sie gern einmal im Bodensee-Stadion live spielen hören?

Ute Hauth: Gotthard. Leider geht das nicht mehr.

See-Online: Jetzt doch noch zwei politische Fragen. Was halten Sie von Volksentscheiden?

Ute Hauth: Die Piraten sind die einzige Partei, die sich in ihrem Grundsatz- und Wahlprogramm für Bürgerentscheide einsetzt.

See-Online: Was haben Sie aus den Ereignissen in Zusammenhang mit Stuttgart 21 gelernt?

Ute Hauth: Dass es dringend ist, die Bevölkerung frühzeitig einzubeziehen und es nicht soweit kommen zu lassen, dass so massive Proteste von beiden Seiten, von Gegnern und Befürwortern, nötig sind.

See-Online: Letzte Frage: Warum sollten wir ausgerechnet Sie wählen?

Ute Hauth: Weil die Piratenpartei als einzige für wirkliche Mitbestimmung steht. Basisdemokratie gibt es nur bei uns.

Mehr über die Politik der Piratenpartei gibt’s unter http://ute-hauth.de/

Das Gespräch mit Ute Hauth führte Waltraud Kässer an einem vorfrühlingshaften Dienstag im Februar in Petershausen, Zigarettenpausen für nicht rauchende Fragestellerin auf dem sonnigen Balkon eingeschlossen.

5 Kommentare to “Nachgefragt: Wer ist eigentlich Ute Hauth?”

  1. selber_denker
    19. Februar 2011 at 10:43 #

    Nochmal zur Wiederholung: Volksentscheide sind etwas grundsätzlich anderes als Bürgerentscheide…

  2. wak
    19. Februar 2011 at 10:58 #

    Ein Volksentscheid (auch: Plebiszit) ist ein Instrument der direkten Demokratie in Deutschland. Er ermöglicht es den wahlberechtigten Bürgern, über eine Vorlage (z. B. ein Gesetz) unmittelbar abzustimmen. In aller Regel sind Volksentscheide in Deutschland verbindlich, es gibt jedoch einige wenige Ausnahmefälle hierzu. Volksentscheide gibt es in Deutschland in allen gesetzgebenden Gebietskörperschaften (also Bundesländer und Bund) allerdings in teils sehr unterschiedlicher Ausgestaltung. http://de.wikipedia.org/wiki/Volksentscheid
    Ein Bürgerentscheid ist ein Instrument der direkten Demokratie auf kommunaler Ebene. Mit ihm können die Bürger in einer kommunalen Gebietskörperschaft (z. B. Gemeinde, Landkreis, Bezirk etc.) über Fragen des eigenen Wirkungskreises entscheiden. Alle wahlberechtigten Bürger einer Kommune können in einem Bürgerentscheid nach den Grundsätzen der freien, gleichen und geheimen Wahl über eine zur Abstimmung gestellte Sachfrage entscheiden. Der Bürgerentscheid steht dem Beschluss der gewählten Kommunalvertretung gleich. Dem Bürgerentscheid entspricht auf Landes- oder Bundesebene der Volksentscheid. http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerentscheid Wo ist das Problem?

  3. Bruno Neidhart
    20. Februar 2011 at 16:17 #

    Ob die Piraten „als einzige (Partei) für wirkliche Mitbestimmung“ stehen, müsste noch näher geklärt werden. Lassen wir es mal so stehen und wünschen Frau Hauth persönlich politisches Glück! Richtig ist dagegen wohl die Unterscheidung von „Volks- und Bürgerentscheiden“ durch „wak“. Wobei noch eingefügt werden könnte, dass diese politischen Möglichkeiten, die auch andere Länder kennen, unterschiedlich geregelt sind oder sein können: So sind etwa – meines Wissens – „Volksentscheide“ in Deutschland dann nicht möglich, wenn bereits der eingegebene Text gegen das Grundgesetz/die Verfassung verstossen sollte. Insofern wäre nach vielen Rechtswissenschaftlern z.B. eine Volksabstimmung mit anschliessend verfassungsverbindlichem Charakter, wenn es z.B. um „Minarette“ gehen sollte, in Deutschland nicht möglich, da das Architektonische – im Gegensatz zu „eidgenössischen (mehrheitlich rechten!) Vorstellungen“ – kein zu diskutierender Gegenstand innerhalb der Religionsfreiheit sein kann (wohl auch menschenrechtlich nicht!), allenfalls im Baurecht seine – profane – Berücksichtigung/Vorschriften findet. So ist also Deutschland der Schweiz in Sachen Religionsfreiheit ein ganzes Stück voraus. Das ist ja auch schon mal was. Vielleicht haben etliche Schweizer, wenn sie dem Mediamarkt entgegen fahren, ab und zu sogar ein schlechtes Gewissen!

  4. Lothar Herzog
    20. Februar 2011 at 19:32 #

    Zum Thema Religionsfreiheit empfehle ich dem Herrn Neidhart
    mal die Lektüre der Zeitschrift „Sezession“.
    Hier schreibt Prof. K.A. Schachtschneider ( Staatsrechtler ) auch
    zum Thema „Religionsfreiheit“.
    Buch dazu: Grenzen der Religionsfreiheit am Beispiel des Islam.

  5. Ute Hauth (Kandidatin Piratenpartei)
    21. Februar 2011 at 17:34 #

    @Bruno Neidhart Dankeschön für die guten Wünsche. Aus meiner Sicht steht die Piratenpartei tatsächlich als einzige für klare Mitbestimmung. Aber gern können wir darüber intensiver diskutieren.

    Ja, Volksentscheide sind in Deutschland – glücklicherweise – nur möglich, wenn ihre Inhalte nicht im Konflikt mit dem Grundgesetz stehen. Deshalb könnte es bei uns kein Minarettverbot per Volksentscheid geben. Denn Artikel 4 Absatz 1 und 2 regeln:

    „(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“
    „(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“

    Die Piratenpartei bekennt sich explizit dazu die Grundrechte, die durch das Grundgesetz geschützt werden zu bewahren. Das schließt jedwede Diskussion der rechtskonservativen Sichtweise von Lothar Herzog aus.

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