Nachgefragt: Wer ist eigentlich Zahide Sarikas?

Im Gespräch mit Landtagskandidaten im Wahlkreis Konstanz

Konstanz. Wählen oder nicht wählen und wenn ja, wen wählen? Diese Frage stellt sich den Wahlberechtigten in Baden-Württemberg am 27. März bei der Landtagswahl. Parteibindungen sind bei Wahlentscheidungen immer weniger wichtig. Während ein Teil der Wahlberechtigten eher strategisch wählt oder sich spontan für eine Partei entscheidet, spielt bei anderen die Persönlichkeit des Kandidaten eine große Rolle.

See-Online: Stellen Sie sich doch bitte einmal kurz vor: Verraten Sie uns Ihr Alter, wo Sie geboren sind, Ihren Beruf und wo und wie Sie leben.

Zahide Sarikas: Ich bin 46 Jahre alt, geboren in Elbistan in Ostanatolien in der Türkei, ich habe ein Ausbildung zur Erzieherin gemacht, als Übersetzerin und in unserem Döner-Restaurant gearbeitet.Zusammen mit meinem Mann und meinem Sohn wohne ich in einer Mietwohnung in Konstanz-Staad.

See-Online: Weshalb haben Sie sich entschieden, ausgerechnet in Ihre und in keine andere Partei einzutreten?

Zahide Sarikas: Ich kam mit 14 Jahren von der Türkei nach Deutschland. Mein Vater war damals Mitglied der SPD. Er nahm mich in Duisburg mit zu den Jusos. Zwei Freunde, die damals auch in Deutschland lebten, haben mich stark beeinflusst. Einer wurde später Kulturminister in der Türkei.

See-Online: Was würden Sie tun, wenn Sie einen Tag lang Ministerpräsidentin wären?

Zahide Sarikas: Ich würde das Bildungssystem ändern und längeres, gemeinsames Lernen einführen. Ich würde sofort das dreigliederige Schulsystem abschaffen. Die nächsten Punkte wären die Einführung eines Mindestlohns und Migranten drängen, die deutsche Sprache zu lernen.

See-Online: Partei- und Regierungsprogramme könnten wir im Internet lesen. Wir möchten Sie deshalb lieber persönlich ein bisschen näher kennenlernen. Sind Sie mit ein paar persönliche Fragen einverstanden?

Zahide Sarikas: Ja.

See-Online: Würden Sie der Aussage zustimmen, dass Politik Kommunikation ist? Macht es Ihnen Spaß, unter Menschen zu sein?

Zahide Sarikas: Ja und ja. Ich war schon immer gern unter Menschen. Schon in der Gastronomie ist es so. Ohne Menschen bist Du null. Soziales Leben ist so wichtig wie Wasser und Brot. Wer nicht kommuniziert, weiß nicht, wie andere Menschen leben und welche Sorgen sie haben.

See-Online: Sind Sie gern draußen an der frischen Luft?

Zahide Sarikas: Ich mag lange Spaziergänge bei uns in Staad am See. Manchmal nehme ich mir ein Buch mit oder höre Musik auf meinem iPhone.

See-Online: Stellen Sie sich vor, es ist Sonntag. Sie können nicht einkaufen. Was darf in Ihrem Kühlschrank an einem Sonntag auf gar keinen Fall fehlen?

Zahide Sarikas: Erdbeer-Rhabarber-Marmelade.

See-Online: Wo haben Sie Ihre besten Ideen? Vielleicht unter der Dusche?

Zahide Sarikas: An unterschiedlichen Orten. Auf der Wohnzimmercouch, wenn die Sonne schön herein scheint oder bei einem Spaziergang. Ich glaube, das Wetter muss schön sein. Bei sonnigem Wetter habe ich die besten Ideen.

See-Online: Wie wichtig sind Ihnen Freunde? Wir meinen nicht politische Freunde, sondern Menschen, die Ihnen wirklich nahe stehen.

Zahide Sarikas: Freunde sind mir sehr wichtig. Darunter sind auch Menschen, mit denen ich politisch nichts zu tun habe. Freunde außerhalb der Politik sind wichtig. Ich pflege Freundschaften und habe auch alte Freunde in Duisburg. Mit Freunden kann ich über alles reden. Da gibt es Vertrauen, blindes Vertrauen. Freunde geben ein gutes, sicheres Gefühl. Sie sind sehr viel wert.

See-Online: Wie wichtig ist emotionale Intelligenz und die Fähigkeit zu Empathie? Oder sind Sie ein reiner Verstandsmensch, dem Emotionen nicht so wichtig sind?

Zahide Sarikas: Ich entscheide viel mit dem Verstand. Verstand ist unabhängig von Intelligenz oder Bildung. Emotionale Intelligenz spielt eine große Rolle. Menschen ohne emotionale Intelligenz kann ich mir nicht vorstellen. Man darf auch Emotionen zeigen – warum sollten Männer zum Beispiel nicht weinen?

See-Online: Viele Menschen haben ein Lieblingszitat oder einen Lieblingsspruch wie „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen…“ . Haben Sie auch so einen Satz?

Zahide Sarikas: Mir fällt ein Gedicht von Nazim Hikmet ein. Es heißt „Leben wie ein Baum, einzeln und und frei“. Ein wichtiger Satz lautet: „Brüderlich wie im Wald zusammen leben.“

See-Online: Besitzen Sie ein Smartphone?

Zahide Sarikas: Ja, mein iPhone. Ich habe es mir gekauft, als ich vor drei Jahren mit dem Fitness-Training angefangen habe.Das war mit zu langweilig. Ich habe immer meine Lieblingsmusik dabei.

See-Online: Lesen Sie Nachrichten lieber online oder in gedruckten Zeitungen?

Zahide Sarikas: Ich brauche etwas in der Hand, den „Spiegel“ oder die „Süddeutsche Zeitung“ am Wochenende. Am liebsten lese ich auf der Couch, während der Woche lese ich aber online.

See-Online: Nutzen Sie in Ihrer Freizeit Twitter oder Facebook oder finden Sie für sich persönlich soziale Netzwerke und Mikroblogging nicht ganz so wichtig?

Zahide Sarikas: Bis vergangenes Jahr war ich noch nicht in Facebook. Meine Verwandtschaft ist quer durch Europa verteilt. Über Facebook habe ich wieder neu Kontakt zu vielen, zu einer Tante von mir in England zum Beispiel, und auch alte Schulfreunde habe ich wieder gefunden. Neulich habe ich Bilder von unserem Dorf entdeckt, die eine Cousine von mir eingestellt hatte.

See-Online: Wissen Sie welche Rolle Facebook in Tunesien spielte, Stichwort „Revolution im Internet“?

Zahide Sarikas: Eine große Rolle. Früher mussten die Menschen erst einmal Vereine gründen. Sich zu organisieren, war sehr schwer. Was heute passiert, ist Wahnsinn. Facebook ist eine Bereicherung und wichtig.

See-Online: Auch im Fall von „Stuttgart 21“ spielte sich viel im Internet ab. Nachrichten verbreiten sich über Twitter fast in Echtzeit. Haben Sie im Internet schon einmal fluegel.tv geschaut?

Zahide Sarikas: Ja, habe ich schon geschaut. Es ist wichtig, weil Leute sehen können, was geschieht. Am 30. September war ich selbst in Stuttgart. Mit solchen Bildern gibt es keine Zensur. Sie schaffen Transparenz.

See-Online: Apropos schauen: Gehen Sie lieber ins Kino oder schieben Sie eine DVD ein? Welchen Film sollten wir uns unbedingt einmal anschauen?

Zahide Sarikas: Mit Freunden gehe ich gern ins Kino, alleine aber nicht, ich brauch‘ immer jemanden, der mitkommt. Auf DVD schaue ich Filme, die ich im Kino verpasst habe, sehr gern mit einer Freundin zusammen, gemütlich zu Hause auf der Couch an. Wir trinken dann einen Tee. Mit meinem Mann oder Sohn schaue ich eher nicht. Sie sehen andere Filme. Mein Lieblingsfilm ist „Gandhi“. Mich hat die Ruhe beeindruckt, mit der er eine gewaltfreie Revolution ins Rollen bringt.

See-Online: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welchen Headliner, welche Band oder welchen internationalen Künstler, würden Sie gern einmal im Bodensee-Stadion live spielen hören?

Zahide Sarikas: Placido Domingo. Ich habe ihn in Köln schon einmal live erlebt.

See-Online: Jetzt doch noch zwei politische Fragen. Was halten Sie von Volksentscheiden?

Zahide Sarikas: Volksentscheide sind wichtig. Es können nicht ein paar Leute da oben entscheiden. Das haben Stuttgart 21 und das Konzert- und Kongresshaus in Konstanz gezeigt. Man kann das Volk nicht ignorieren. Die Menschen möchten mitreden, das ist Demokratie.

See-Online: Was haben Sie aus den Ereignissen in Zusammenhang mit Stuttgart 21 gelernt?

Zahide Sarikas: Was ich gerade schon gesagt habe, dass man die Menschen nicht ignorieren darf. Wie unser Land mit den Demonstranten umgegangen ist, das war erschreckend. Wie so etwas mitten in Deutschland und im 21. Jahrhundert passieren konnte, ist mir unbegreiflich. Es waren so viele Schüler da.

See-Online: Letzte Frage: Warum sollten wir ausgerechnet Sie wählen?

Zahide Sarikas: Weil die SPD ein gutes Programm hat. Es geht um Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Zukunft. Wir brauchen Bildung für die kommende Zeit.

Mehr über die Politik der SPD gibt es unter http://www.zahide-sarikas.de/

Das Gespräch führte Waltraud Kässer an einem frühlingshaften Montagnachmittag im „Il Boccone“ in Konstanz.

Ein Kommentar to “Nachgefragt: Wer ist eigentlich Zahide Sarikas?”

  1. Lothar Herzog
    18. Februar 2011 at 13:21 #

    Wie stellt sich die Kanditatin zu eventuellen Bündnissen zwischen
    Grün – Rot – Dunkelrot ( Kommunisten wollte ich nicht schreiben)?

    Alle Wähler sollten sich auf der Internetplattform informieren:
    http://www.solidarische-moderne.de
    Hier finden Sie Informationen zu einem eventuellen ( hoffentlich
    nicht ) Bündnis der Chaoten.

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.