Naturschützer fordern neues Tempolimit auf dem Seerhein

Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU) nicht mit Ausnahmegenehmigung einverstanden

Konstanz/Schaffhausen (wak) Die Arbeitsgruppe Bodenseeufer ist mit der Stellungnahme der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein nicht zufrieden. Die Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU) hatte behauptet, dass Fahrgastschiffe zwischen Ermatingen und Konstanz viel zu schnell fahren. Dadurch würden Schäden am Ufer verursacht.

Naturschützer legen nach

Mittlerweile räumten die Schweizer Tempoüberschreitungen ein. Jetzt kontern die Naturschützer aber erneut. Untersuchungen am Limnologischen Institut der Universität Konstanz hätten gezeigt, dass der Wellenenergieeintrag durch die Schifffahrt im Vergleich zu Windwellen erheblich sei. Die Uferschützer fordern ein neues Tempolimit auf der Strecke zwischen Ermatingen und Konstanz. Das sollte dann auch für die Freizeitschifffahrt gelten. Auch die Schiffe der Wassersportler werden für die Erosion am Ufer mit verantwortlich gemacht.

Stellungnahme der AGBU im Wortlaut

Wörtlich heißt es in der Stellungnahme der Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU): „Wir sind erfreut, dass die URh unsere Messergebnisse zum Anlass nimmt, den Fahrplan zu ändern, so dass in der nächsten Saison die Einhaltung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit möglich ist. Andererseits finden wir es nicht in Ordnung, wenn für den Rest der Saison 2010 eine Ausnahmegenehmigung erteilt wird, denn die URh hat die Fehlberechnung der Fahrtzeiten selbst zu verantworten. Schließlich dient die Schiffslinie nicht dem Pendler- oder Berufsverkehr sondern dem Urlaubsgast und dem Naturerlebnis am Bodensee, – und da sollte man sich nicht hetzen lassen. Es bleibt die Frage, wie die anderen Schifffahrtsbetriebe, die zumindest gelegentlich den Seerhein durchfahren, reagieren werden.

Neben der URh ist sicher auch die Freizeitschifffahrt für die Ufererosion mitverantwortlich, irgendeine Schuldzuweisung nach der einen oder anderen Richtung ist aber nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht möglich. Daher sollte die Wasserschutzpolizei bzw. die Seepolizei stärker als bisher auf die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit achten. Geduldete ,Toleranzbreiten‘, die eine Überschreitung bis zu 5 km/h ermöglichen, werden der Problemlage nicht gerecht.

Unser Anliegen war es, die fortwährende Ufererosion im Seerhein ins Bewusstsein der Verantwortlichen zu rücken. Die festgestellten Geschwindigkeitsüberschreitungen sind daher nur ein Nebenergebnis. Wir glauben, dass die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten, z. B. in der Talfahrt von 20 km/h für Fahrgastschiffe, deutlich zu hoch angesetzt sind. Im Vorfeld der seinerzeitigen Festlegung dieses Werts in der Bodenseeschifffahrtsordnung gab es keinerlei Wellen-, Strömungs- bzw. Sedimentuntersuchungen am Seerhein, die diesen Wert rechtfertigen. Hier sollte endlich für Klarheit gesorgt werden, um Schäden an der Uferbank, Beeinträchtigungen der empfindlichen Flora und Fauna im Naturschutzgebiet ,Wollmatinger Ried‘ und nicht zuletzt auch hohe Kosten für Erosionssicherungsmaßnahmen zu vermeiden. Schließlich haben die Untersuchungen am Limnologischen Institut der Universität Konstanz gezeigt, dass der Wellenenergieeintrag durch die Schifffahrt im Vergleich zu Windwellen erheblich ist.“

Foto: AGBU/Erosionsschäden m Wollmatinger Ried

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