„Nein zu KKH“ wirbt in Pink

Bürgerinitiative gegen Konstanzer Konzerthaus zeigt sich im Netz

Konstanz (wak) Seit Papst Benedikt XVI. Priester aufgerufen hat, moderne Kommunikationsmöglichkeiten wie das Internet stärker zu nutzen, ist klar, dass das Internet in der Mitte der Gesellschaft und auch bei Älteren und Konservativen angekommen ist. Kein Wunder, dass Befürworter und Gegner des Konzert- und Kongresshauses in Konstanz im Vorfeld des Bürgerentscheids am 21. März auch im Internet um Stimmen kämpfen. Möglicherweise erreichen sie so sogar mehr Stimmberechtigte als über ausgetretene Pfade wie die Tageszeitung. Immerhin 70 Prozent der Bundesbürger nutzen laut Statistischem Bundesamt das Internet. Die Bürgerinitiative „Nein zu Klein-Venedig“ kommt im Netz seit wenigen Tagen ganz in Pink daher. Ein buntes Grüppchen, darunter Mitglieder aus verschiedenen Parteien und Gruppen haben sich zur Initiative „Nein zu Klein-Venedig“ zusammengeschlossen (See-Online.info berichtete). Nur die SPD zickt: Sie hat die Pinkfarbenen aufgefordert, den Link zur Seite der Konstanzer SPD wieder zu entfernen.

SPD Konstanz schert aus

Die Bürgerinitiative ist der Aufforderung nachgekommen, obwohl SPD-Stadtrat Jürgen Ruff zu den Initiatoren von „Nein zu Klein-Venedig“ gehört und sich mehrere SPD-Mitglieder in der Gruppe engagieren. Klar ist aber auch: An der Haltung der SPD, die sich im Gemeinderat wie die Linke und anders als die Freie Grüne Liste geschlossen gegen ein Konzert- und Kongresshaus auf Klein Venedig ausgesprochen hat, hat sich nichts geändert. Auf der Homepage der Konstanzer SPD heißt es denn auch weiterhin: „Am 21. März werden sie über die Frage abstimmen: ,Sie sind für den Bau des Konzert- und Kongresshauses auf Klein-Venedig?‘ Die SPD hat maßgeblich dazu beitragen, dass diese grundsätzliche Frage für die Konstanzer Stadtentwicklung dem Votum der Wähler unterstellt wird.“ Die Konstanzer SPD ist also weiter gegen ein Konzert- und Kongresshaus auf Klein Venedig, nur eben ein bisschen anders dagegen als die anderen. Offenbar will sie nicht mit Parteien wie den Linken, der Piratenpartei oder der SPD Dettingen Seite an Seite gegen das Konzerthaus marschieren.

Gegner mit ansprechender Hompage

Die Farbe Pink, für die sich die Initiative „Nein zu Klein-Venedig“ entschieden hat, wirkt frisch und die Seite ist klar strukturiert. Oben prangt groß das Logo der Initiative „Nein zu Klein-Venedig“. In pinkfarbenen Lettern (man könnte auch sagen in Magenta) ist da groß „Nein“ zu lesen. Quer – wie ein schwarzer Balken – zieht sich der Schriftzug „zu Klein-Venedig“ durchs „Nein“. Auf der Startseite finden sich (was sonst?) Argumente gegen das Konzerthaus – illustriert mit dem Foto einer grünen Wiese mit Bäumen (die nur gar nicht aussieht wie der Hunde-Freilaufplatz auf Klein Venedig). Termine, ein Hinweis auf Twitter sowie Links zu Parteien und Initiativen sind am rechten Rand übersichtlich angeordnet. Anklicken können Besucher folgende Begriffe: Startseite, Gründe dagegen, Offener Brief, Offene Worte, Irrtümer, Mythen, Legenden, Wofür wir stehen, Spenden und mitmachen!, Wir sind viele, Links – Logos – Banner, Impressum und Kontakt. Links gibt es zu Freier Grünen Liste, SPD Dettingen, Linker Liste, ATTAC Konstanz, Piratenpartei Kreisverband Konstanz und Frank und Freie.

Bürgerinitiative nennt Namen

Unter „Wir sind viele“ ist zu lesen: Die Bürgerinitiative ,Nein zu Klein-Venedig‘ wird von den unterschiedlichsten sozialen und politischen Initiativen und kulturellen Einrichtungen sowie von unzähligen Persönlichkeiten aller politischen Parteien, Lager und Strömungen getragen.“ Aufgelistet sind auch die Namen der „Erst-Initiatoren“ der Bürgerinitiative „Nein zu Klein-Venedig“: Angelika Bernecker, Patrick Brauns, Angela Büsing, Johannes Fuchs, Karin Göttlich, Rudy Haenel, Rainer Hamp, Peter Müller-Neff, Alfred Reichle, Holger Reile, Andreas Rogg, Jürgen Ruff, Günther Schäfer, Herbert Schaudt, Manfred Sernatinger, Bernd Sonneck und Gabriele Weber.

Twitter kontra Meinungsführerschaft der Tageszeitung

Anders als noch beim Bürgerentscheid 2003 dürfte der Wahlkampf im Internet, die Mobilisierung über den Kurznachrichtendienst Twitter und Facebook, wo Interessierte der Gruppe „Nein Klein-Venedig“ beitreten können, dieses Mal für den Ausgang des Bürgerentscheids am 21. März mit entscheidend sein. Die Meinungsführerschaft liegt nicht mehr allein bei der Tageszeitung.

So nutzen User das Internet

Der Anteil der Internetnutzer in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf 67,1 Prozent (2008: 65,8 Prozent) angestiegen. 43,5 Millionen der bundesdeutschen Erwachsenen sind online – 0,8 Millionen mehr als im Vorjahr. Die größten Wachstumspotenziale werden auch weiterhin von der älteren Generation ausgehen: 96,1 Prozent der 14- bis 29-Jährigen nutzen regelmäßig das Internet, unter den 30- bis 49-Jährigen sind es 84,2 Prozent und bei den Über-50-Jährigen liegt der Anteil der Internetnutzer mittlerweile bei 40,7 Prozent. Das hat eine ARD/ZDF-Onlinestudie 2009 gezeigt. Bei der privaten Internetnutzung steht bei rund der Hälfte der Befragten das Versenden von E-Mails ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Besonders die Deutschen, Portugiesen Briten und Spanier nutzen das Internet überdurchschnittlich gern für elektronische Post. An zweiter Stelle der internationalen Hitliste steht mit vergleichbaren Beliebtheitswerten der Abruf von Informationen über Suchmaschinen und Nachschlagewerken. Auf Rang drei rangiert mit einigem Abstand (39 Prozent) die Nachrichtenrecherche. Dies ist das Ergebnis der internationalen Studie „Internetnutzung“, die GfK Custom Research und der GfK Verein im Auftrag von The Wall Street Journal Europe in 16 europäischen Ländern und in den USA gemacht haben.

Gegner setzen auf neue Wege der Kommunikation

Ob es der Initiative „Nein zu Klein-Venedig“ übers Internet – über die Homepage, Twitter und Facebook – gelingt auch eine neue größere Zielgruppe anzusprechen, sie zu mobilisieren und zur Stimmabgabe beim Bürgerentscheid zu motivieren, dürften Ausgang und Beteiligung am Bürgerentscheid zeigen. Offenbar setzen die Gegner stärker noch als die Befürworter auf die neuen Medien. Nicht auszuschließen ist es, dass sich das Ergebnis des Bürgerentscheids erdrutschartig verändern könnte, wäre auch eine Abstimmung via Internet erlaubt. Doch das ist erst einmal noch Zukunftsmusik. Dass es eines Tages – vielleicht beim nächsten und dritten Bürgerentscheid über ein Konzert- und Kongresshaus – soweit sein könnte, ist aber nicht ausgeschlossen. Die Stadt Friedrichshafen probiert Online-Voting in wenigen Wochen bei der Jugendratswahl aus. Alle Wahlbeteiligten erhalten einen TAN und können übers Internet wählen.

Links:

http://www.nein-zu-klein-venedig.de/

http://www.konstanz.de/rathaus/medienportal/mitteilungen/01117/index.html?lang=de

2 Kommentare to “„Nein zu KKH“ wirbt in Pink”

  1. janwelsch
    16. Februar 2010 at 22:25 #

    SPD zickt nicht

    Vielmehr hält sich die Konstanzer SPD – im Gegensatz zu anderen Parteien – an ihr Wahlprogramm. Würde sich die Konstanzer SPD an der Initiative beteiligen, würde sie sich unglaubwürdig machen, denn wer im Wahlprogramm den Standort nicht grundsätzlich ablehnt, kann sich keiner Bürgerinitiative anschließen, die den Standort Klein Venedig kategorisch ablehnt.

    Schade, dass hier politische Standfestigkeit und Aufrichtigkeit als Zickerei abgetan wird; einen gewichtigeren Beitrag zur Politikverdrossenheit kann man wohl kaum leisten.

    Ferner entscheiden nicht einzelne Stadträte oder wenige Mitglieder darüber, ob sich die SPD an einer Initiative beteiligt oder nicht – die SPD ist eine urdemokratische Partei und für eine solche gehört es sich, dass alle Mitglieder an der Entscheidungsfinung beteiligt werden, nicht nur die, die am lautesten schreien. Ganz davon abgesehen, war Dr. Jürgen Ruff nach eigenem Bekunden nicht Initiator von „Nein zu Klein Venedig“, er war lediglich als interessierter Bürger beim ersten Treffen dabei.

    Die Behauptung, die SPD wolle nicht mit anderen Parteien gemeinsam gegen das geplante KKH werben, ist absurd und entbehrt jeder Grundlage.

    Im Übrigen wäre es auch wünschenswert, wenn Parteien, bevor sie als Unterstützer auf eine Kampagnen-Seite gesetzt werden, auch gefragt werden, ob sie diese überhaupt unterstützen. Ansonsten muss man jederzeit damit rechnen, dass betreffende Parteien darum bitten, wieder von der Seite als Unterstützer entfernt zu werden. Der Fehler lag hier wohl kaum bei der Konstanzer SPD.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Jan Welsch

  2. Fenedig
    17. Februar 2010 at 11:01 #

    Zu einem „dritten Bürgerentscheid“ wird es wohl kaum kommen: Die Felle schwimmen am 21.03. fühlbar weit den Rhein hinunter, sollte es dem zusammengewürfelten, vielfarbigen, besonders zwischen tiefrot und starkgrün pendelnden modischen „Pink“ gelingen, das gut vorbereitete städtische Vorhaben zu torpedieren, welches u.a. den Bau eines zeitgemässen Konzerthauses für Konstanz vorsieht. Die derzeitigen „konzertanten Möglichkeiten“ für ein Gemeinwesen mit eigener Philharmonie, mit vielen interessanten Chören und anderen relevanten Institutionen der Stadt und darüber hinaus, auch international gedacht, die alle schliesslich ein solches Haus bevölkern würden, sind auf eine Art begrenzt, dass ein weiterer Diskurs darüber sicher keine anderen Erkenntnisse erbringen sollte. Die Spatzen zwitschern ein „Ungenügend“ schon arg lange vom Münsterdach! Wer sich dennoch gegen eine Verbesserung der Konzertkultur stemmt, gegen eine kulturelle Stärkung der Stadt, verbindet mit seinem Votum hoffentlich keine „Absichten“, welche mit der eigentlichen Fragestellung letztlich wenig oder gar nichts zu tun hätten. Ein solches politisch ausgeweitete Feld – u.a. mit persönlichen Befindlichkeiten durchsetzt- wäre bei anderer Gelegenheit ehrlicher zu beackern – mit oder ohne TAN.

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