Neue Schulform am Bildungshimmel über Konstanz

Gebhardschule soll zur Gemeinschaftsschule werden – CDU will noch ein bisschen am Alten festhalten

Konstanz. Während tausende Konstanzer Haupt- und Realschüler und Gymnasiasten in die großen Ferien starten, reißt der Bildungshimmel über Konstanz auf. Neue Schulformen könnten die Bildungslandschaft verändern.

Neue Schulen braucht die Stadt

Nach vorn prescht die Konstanzer Gebhardschule. Sie möchte Gemeinschaftsschule werden, an der Konstanzer Schüler ab der fünften Klasse länger gemeinsam lernen. Das längere gemeinsame Lernen ist eine Idee der grün-roten Landesregierung. Die Gemeinschaftsschule ist Gegenmodell zum von der CDU favorisierten dreigliederigen Schulsystem. Der CDU ist das gemeinsame Lernen noch nicht geheuer. Wenigstens Gymnasiasten möchten die Konstanzer Christdemokraten nicht in einer Gemeinschaftsschule sehen.

Konstanz will erste Gemeinschaftsschule

Die Konstanzer Schullandschaft soll vielfältiger werden, sagen fast alle anderen politischen Gruppierungen im Konstanzer Gemeinderat: In einem gemeinsamen Antrag sprechen sich die Gemeinderatsfraktionen der SPD, der Freien Grünen Liste, der FDP und der Freien Wähler dafür aus, die Gebhardschule zu einer Gemeinschaftsschule weiter zu entwickeln. Auch die Linke Liste und Stadtrat Jürgen Wiedemann unterstützen die Initiative.

Eltern und Lehrer sind dafür

„Gemeinschaftsschulen entwickeln eine neue Lehr- und Lernkultur auf der Basis der individuellen Förderung jedes einzelnen Kindes,“ zitieren die Antragsteller aus der Koalitionsvereinbarung der Landesregierung. Die Konstanzer Gebhardschule sei wie nur wenige Schulen in der Region geradezu prädestiniert für diese Schulform, sind die Antragsteller überzeugt. Das Team um Schulleiterin Elke Großkreutz habe über zehn Jahre Erfahrung beim gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern gesammelt. Daher gebe es in der Schule eine ausgeprägte Kultur der individuellen Förderung aller Kinder. Gute Voraussetzungen also, denn auch Eltern und Lehrer tragen das Konzept mit.

Bildungsdebatte in Konstanz

Der Gemeinschaftsantrag unterscheide sich stark von Vorschlägen, die die Konstanzer CDU-Fraktion gemacht habe. Diese wolle zwar eine engere Kooperation der Gebhardschule mit der Theodor-Heuss-Realschule, doch längeres gemeinsames Lernen erfordert ein pädagogisches Konzept, das über eine räumliche Kooperation hinausgeht, erläutern die Antragsteller. Gemeinsam lernen sollen die Schüler bis zur zehnten Klasse. Anschließend müssten diejenigen, die Abitur machen möchten, in eine gymnasiale Oberstufe wechseln. Jetzt wird erst einmal diskutiert. Die Schule muss ein pädagogisches Konzept entwickeln und der Schulträger, also die Stadt, stellt dann erst einen Antrag in Stuttgart.

Ein Kommentar to “Neue Schulform am Bildungshimmel über Konstanz”

  1. yolk
    28. Juli 2011 at 23:29 #

    Ich habe durchaus einige Vorbehalte bei dem Konzept „Gesamtschule“, aber Frau Großkreutz ist in meinen Augen eine sehr anpackende und engagierte Schulleiterin, die die Sache sicherlich sehr vernüntig + kompetent angehen und durchziehen wird. Ganz prinzipiell graut mir vor dem schon so oft geschehenen „Spontan-Reformieren“, welches meistens darin besteht, blind irgendwelche Schlagworte relativ inhaltsleer umzusetzen, ohne sich zuvor großartig Gedanken über Inhalte, Konsequenzen und Umsetzungsmöglicheiten zu machen (-> so wurde das Bildungssystem in den letzten Jahren schon zunehmend abgewirtschaftet + sogar noch inhaltsleerer, als es zuvor schon war).
    Ich weiß noch nicht, wie ich das ganze beurteilen soll: ich halte wirklch sehr viel von Frau Großkreuz und habe wenig Bedenken, daß „ihre“ Schule eine durchaus engagierte und den Einzelnen in vielerlei Hinsicht sehr fördende Einrichtung werden könnte (auch den „guten“ Schüler). Wie das mit der Vorreiterrolle aussieht… (es geht ja in gewisser Weise auch um den „Durchbruch“ des Gesamtschulsystems im Süden)… im besten Fall wird das ganze dann an anderen Orten ähnlich-gut umgesetzt, im schlechtestenfalls aber eben nicht, und dann hat man erst mal den Salat. Ich glaube, bei so einer Schulform sind Erfolg und noch viel mehr von den jeweils beteiligten Lehrerpersönlichkeiten abhängig als an den anderen Schularten – und in selbige habe ich ehrlich gesagt wenig vertrauen. Ich wünsche jedenfalls Frau Großkreutz viel Erfolg und bin gespannt.

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