Neue Sperrzone bei Seewasserentnahme im Bodensee bei Sipplingen

Späte Konsequenz aus Gift-Anschlag auf Trinkwasser-Entnahmestelle – Baden weiterhin im Uferbereich erlaubt

Bodenseekreis. Die Sperrzone im Überlinger See ist größer geworden. Zum Schutz der Seewasserentnahmeanlagen des Zweckverbands Bodensee-Wasserversorgung (BWV) haben das Landesministerium für Verkehr und Infrastruktur sowie das Landratsamt Bodenseekreis eine Verordnung erlassen. Die neue Regelung sieht einen rund 1.800 Meter langen und etwa 400 Meter breiten Sperrbereich parallel zum Bodenseeufer vor. Das teilte das Landratsamt Bodenseekreis mit.

Sperrzone auf fast zwei Kilometern

Der Sperrbereich reicht vom Spetzgarter Hafen bis etwa zum Beginn des Kiesufers westlich des Seepumpwerks. Dieser Streifen darf von Wasserfahrzeugen jeglicher Art nicht mehr befahren werden. Auch für Schwimmer und Taucher ist der Bereich tabu. Allerdings fallen ein 50 bis teilweise 100 Meter breiter Wasserstreifen entlang des Ufers und der Uferbereich selbst nicht in die Verbotszone. Baden und Wassersport mit nicht motorisierten Fahrzeugen sind dort weiterhin möglich. Die Vergrößerung der Sperrzone ist eine Konsequenz aus dem Gift-Anschlag auf die Bodensee-Wasserversorgung im November 2005. Zwei Kanister mit Pflanzenschutzmitteln und ein Bekennerschreiben hatten die Verantwortlichen damals aufgeschreckt.

Trinkwasser für vier Millionen Menschen

Zum Schutz der Seewasserentnahmeanlagen des Zweckverbands Bodensee-Wasserversorgung (BWV) haben das Landesministerium für Verkehr und Infrastruktur sowie das Landratsamt Bodenseekreis jetzt eine Verordnung erlassen. Die Verordnung gilt ab Donnerstag dieser Woche. Ihr ging ein entsprechender Antrag des Zweckverbands im April 2010 voraus. Die Bodensee-Wasserversorgung wolle einen besseren Schutz ihrer Wasserentnahmestelle vor Anschlägen schaffen. Mit den täglich bis zu 540 Millionen hier abgepumpten Litern Seewasser werden rund vier Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt.

Proteste gegen Sperrzone mit Badeverbot

Der anfängliche Entwurf der Verordnung hatte noch vorgesehen, dass die Sperrzone bis zur Uferlinie reichen sollte. Die Verkleinerung der Verbotszone um einen Wasserkorridor entlang des Ufers ist das Ergebnis eines intensiven Abstimmungs- und Moderationsprozesses von April bis August 2011 unter Federführung des Landratsamts Bodenseekreis. „Wir haben mit allen Beteiligten Gespräche geführt und nach Kompromissen gesucht, die den Schutzzweck nicht schmälern aber auch unseren Bürgern und Gästen entgegenkommen“, erklärt Norbert Schültke, Dezernent für Umwelt und Technik im Landratsamt. „Vor allem lag uns am Herzen, dass der Uferbereich weiterhin für die Naherholung nutzbar und erlebbar bleibt“, so der Behördenvertreter. Insgesamt 174 Einzelpersonen, davon 136 auf Unterschriftenlisten, sowie 10 Vereine und Verbände hatten im Anhörungsverfahren zum Verordnungsentwurf Anregungen und Bedenken vorgebracht.

2 Kommentare to “Neue Sperrzone bei Seewasserentnahme im Bodensee bei Sipplingen”

  1. Fafnir
    25. Januar 2012 at 12:58 #

    Eine Sperrzone, in die man nicht hinfahren darf. Das wird jeden Anschlag künftig unmöglich machen. Ein Befahrverbot in Zusammenhang mit einem Giftanschlagsverbot bietet maximalen Schutz.

  2. voodoomaster
    25. Januar 2012 at 19:02 #

    Da wird doch mit Kanonen auf Spatzen geschossen!
    Großflächige Videoüberwachung und Sperrzone – wie wäre es noch mit einem weitläufigen Überflugverbot? Ohne zynisch sein zu wollen, die Gefahr von oben war doch (zum unser aller Entsetzen) genau so oft wie der Giftanschlag. Tonnenweise Gefahrengut auf Bahn und B31 alt, da lauert die wirkliche Gefahr. Fast täglich ist die Wapo am Entnahmebereich, aber niemand stoppt die LKWs mit LIT- RUS-HUN-CZ-Kennzeichen. Eine Sperrzone, wenige 100 m rechts und links vom Labor der BWV hätte auch genügt!

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