Nils Schmid auf Wahlkampf-Tour in Konstanz: 20.997 Tage

SPD besinnt sich auf ihre ureigensten Werte

Konstanz. 20.997 Tage sind genug. Das war die wichtigste Botschaft des SPD-Spitzenkandidaten Nils Schmid am Dienstagabend in Konstanz. Die SPD setzt auf Wechselstimmung in Baden-Württemberg.

Zurück zur Gerechtigkeit

Laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen liegt die SPD aktuell bei 19 Prozent. Das wäre zu wenig, um den Ministerpräsidenten zu stellen. Rot-Grün läge klar hinter Schwarz Gelb. Das wissen auch die SPD-Landtagskandidatin Zahide Sarikas und SPD-Spitzenkandidat Nils Schmid. Die Wähler mobilisieren möchte die SPD anscheinend mit ihrem ureigensten Thema, der Gerechtigkeit.

Nils Schmid reisst nicht mit

Ein bisschen schlaksig wirkte Nils Schmid in seinem dunklen Anzug im gut gefüllten Saal des Restaurants Seerhein in Konstanz. Die Gesten wirkten einstudiert. Der promovierte Jurist ist kein großer Redner und auch keiner, der die Menschen mitreisst.

Wind der Veränderung

Nils Schmid zeigte sich aber als ein Mann, der gern nah bei den Menschen ist. Informationen scheinen Schmid wichtiger zu sein als Emotionen. Er ist einer, der lieber Inhalte transportiert und Lösungsvorschläge macht als die Menschen emotional zu erreichen. Trotzdem setzt er klar auf eine Wechselstimmung im Land und möchte die Wähler motivieren. 57 Jahre CDU-Ministerpräsidenten seien genug. Er wolle Ministerpräsident werden, sagt Schmid trotz wenig ermutigender Umfrageergebnisse und seine Zuhörer applaudieren ihm.

Wähler entscheiden sich spät

Nils Schmid weiß, dass langfristige Bindungen an Parteien eine immer geringere Rolle spielen und sich die Wähler immer später entscheiden. Auch deswegen glaubt Schmid daran, dass die SPD noch etwas reissen kann. Wenn sie es schafft, ihre Wähler zu mobilisieren, könnte sie am 27. März tatsächlich vielleicht sogar für eine Überraschung sorgen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Demoskopen am Wahlabend feststellen müssen, dass sie mit ihren Prognosen daneben lagen.

Stuttgart 21 und andere Stolpersteine

Nils Schmid bemühte sich, mit Glaubwürdigkeit zu punkten. Er wird wissen, dass es bei jeder Wahl Gewinner- und Verliererthemen gibt und dass es bei jeder Partei andere sind. Eine Regel lautet, dass Wähler im Zweifelsfall lieber das Original wählen. Im Klartext heißt das, dass das Thema Umwelt längst von den Grünen besetzt ist. Auch beim Thema Stuttgart 21 kann die SPD nicht punkten. Nils Schmid wiederholte auch in Konstanz, dass er für Stuttgart 21 sei. Er sagte, die SPD sei dafür. Das schmerzte einige im Saal. Schmid sagte zwar auch, dass er für eine Volksabstimmung sei. Er sagte es aber nicht so, dass er mit seiner Aussage hätte Stuttgart 21 Gegner versöhnen können.

Die Frage nach der Koalition

Gestolpert ist Nils Schmid auch bei der Frage, mit wem die SPD nach dem 27. März koalieren wolle, sollte es nicht für Rot-Grün reichen. 20.997 Tage CDU seien genug hatte Schmid anfangs gesagt. Nein, eine große Koalition wollte er aber nicht ausschließen. Er sagte, sie wäre die „letzte Ausfahrt“ und ganz und gar nicht seine große Leidenschaft. Schmid sagte immer drei oder vier Sätze zu viel. Der Applaus war an dieser Stelle spärlich. Vielleicht ist Nils Schmid ja einfach auch nur eine ehrliche Haut, die nichts Falsches sagen möchte und wer weiß schon, wie die Wähler am 27. März entscheiden und was geht und was eben nicht.

Bildungspolitik ist Hauptthema

Zu Recht besinnt sich die SPD gut sechs Wochen vor der Wahl auf ihre Kernkompetenz und macht Gerechtigkeit zum Thema. Ein Schlagwort ist Bildungsgerechtigkeit. In Baden-Württemberg hängen soziale Herkunft und Bildungserfolg stärker von einander ab als irgendwo sonst. Bildungspolitik ist so gesehen auch immer Sozialpolitik und hat mit Chancengleichheit zu tun. Schmid möchte Kinder bis zur 10. Klasse gemeinsam lernen lassen. Er will Schulstandorte auf dem Land sichern. Studiengebühren würde er abschaffen, sagte er. Die Konstanzer Landtagskandidatin Zahide Sarikas bewegt anscheinend vor allem das Thema Integration. Das Thema ist aber gefährlich. Nicht alle SPD-Wähler finden, dass Integration im Wahlkampf unbedingt an erster Stelle stehen sollte. Einigen sind Mindestlohn und Kita-Plätze wichtiger. Zahide Sarikas wird nicht müde zu sagen, dass es ihr nicht nur um die Integration von Migranten geht. Immer wieder erklärt  sie, dass sie Gerechtigkeit möchte und es vor allem eine neue Bildungspolitik brauche. Vielleicht sollte sie ihre Rede für kommende Auftritte noch ein bisschen umschreiben, damit es alle verstehen.

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Nach zwei Stunden verabschiedete sich Nils Schmid von vielen, die gekommen waren, mit einem Handschlag. Er muss noch zurück nach Stuttgart. Zwei kleine Kinder hat er auch. Ob der promovierte Jurist am 27. März punkten kann, ist noch sehr unsicher. In sieben Wochen wird dann aber die Frage beantwortet sein, ob er zu Recht ein Hoffnungsträger ist und die SPD in ihrem alten Revier, bei jenen, die von einer gerechten Gesellschaft träumen, wieder gewinnen und Glaubwürdigkeit zurückgewinnen kann.

Ein Kommentar to “Nils Schmid auf Wahlkampf-Tour in Konstanz: 20.997 Tage”

  1. Lothar Herzog
    9. Februar 2011 at 12:31 #

    Heute mach ich es wie Herr Neidhart. Ich lasse die Anderen zuerst
    schreiben.

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