NLK meint Konstanzer Wirtschaftsförderung verfolgt „utopisches Projekt“

Neue Linie meldet sich mit harscher Kritik an Innovations- und Technologiezentrum zurück

Konstanz. Der Konstanzer Stadtrat Jürgen Wiedemann (NLK) setzt ein Ausrufezeichen. Er behauptet, die Wirtschaftsförderung habe die „Bodenhaftung“ verloren. Die Neue Linie Konstanz hält Pläne für einen neuen Technologiepark für unrealistisch. Am Donnerstag entscheidet der Gemeinderat darüber, ob die Stadt die Ansiedlung eines Innovations- und Technologieparks wenigstens prüfen soll – damit fällt auch gleichzeitig die Entscheidung über die Zukunft des Verkehrslandeplatzes. Er soll Standort des Parks sein.

Abheben auf dem Verkehrslandeplatz

Der Punkt zehn ist der letzte auf der Tagesordnung einer langen Sitzung und er hat es in sich. „Verkehrslandeplatz Konstanz – Verlängerung des Pachtvertrags“ steht auf dem Papier. So wie es aussieht können die auf dem Konstanzer Flugplatz ansässigen Firmen und Vereine noch einmal mit einer Verlängerung des Pachtvertrags um zehn Jahre (fünf plus fünf) rechnen. Spätestens dann könnte aber Schluss sein mit der Fliegerei. Denn abheben möchte auf dem Verkehrslandeplatz auch der städtische Wirtschaftsförderer Friedhelm Schaal.

Technopark so dick wie ein Airbus

Für Jürgen Wiedmann sind die Pläne, die Schaal für den Standort Flugplatz geschmidet hat, viel zui hochtrabend. Anscheinend empfindet Wiedemann Schaals Ideen in etwa so realistisch wie, wenn er angekündigt hätte, in Zukunft mit dicken Airbussen auf der Graspiste landen zu wollen. Der städtischen Wirtschaftsförderung sei die „Bodenhaftung“ abhanden gekommen, glaubt Wiedemann.

Verlorene Firmen

In einem Papier beschreiben Wiedemann und seine Vorstandskollegen von der Neuen Linie, Rüdiger Niedswietzki und Jürgen Schelle, wie Konstanz in den vergangenen vier Jahrzehnten als Forschungs- und Entwicklungsstandort kontinuierlich an Bedeutung verloren habe. Die NLK nennt Unternehmen wie CTM, CGK/Siemens-Nixdorf oder ATM, die so nicht mehr existieren. Auch die ehemalige Vorzeigefirma Altana Pharma AG gebe es so nicht mehr. Tatsächlich residiert im Nycomed-Gebäude heute ausgerechnet das Finanzamt, das doch eigentlich die Steuern eintreiben wollte, die in der Immobilie hätten verdient werden können.

Schlechtes Vorbild Kompetenzzentrum

Wiedemann sagt, es sei richtig, wenn die Stadt gegensteuere. Er traut Konstanz aber nicht sehr viel zu. Die Errichtung des Kompetenzzentrums am Seerhein sei „so ein Versuch“. Doch von den 12.000 Quadratmetern Nutzfläche seien bestenfalls 25 Prozent belegt, behauptet Wiedemann. An der Attraktivität des Standorts könne das kaum liegen.

Keine Landesbank im Hintergrund

Wiedemann hält es offenbar für unseriös, ein mögliches Konstanzer Innovations- und Technologiezentrum mit dem Stuttgarter Engeneering Park STEP oder dem Technologiepark Karlsruhe zu vergleichen. In Stuttgart seien Weltfirmen ansässig, meint Wiedemann. Der Aufbau beider Standorte sei von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) finanziert worden. Die sei mittlerweile aber hoch verschuldet. Wiedemann weiter: Der Technologiepark Augsburg entstehe direkt auf dem dortigen Unigelände im Speckgürtel um München. Die Bayerische Landesbank fördere das Projekt. Von einem solchen Umfeld könne Konstanz nur träumen.

Wiedemann spricht von utopischem Park

Mit Sorge sieht Wiedemann den, wie er sagt, „hohen Leerstand“ von Gewerbe- und Büroflächen. „Auch in bester Lage“, so Wiedemann. Es gebe genug zu tun. Es müsse ja nicht gleich die hochfliegende Planung für einen „utopischen Innovations- und Technologiepark“ sein. Ob Wiedemanns Position mehrheitsfähig ist, dürfte aber fraglich sein. Er bräuchte Koalitionäre. Der NLK-Stadtrat ist Einzelkämpfer im Rat. CDU, Freie Grüne Liste und Teile der SPD aber haben durchaus Sympathien für das Projekt. Freie Wähler und FDP möchten dagegen der Graspiste eine Perspektive bieten.

 

2 Kommentare to “NLK meint Konstanzer Wirtschaftsförderung verfolgt „utopisches Projekt“”

  1. Schattenparker
    12. April 2011 at 14:30 #

    So, so der Herr Wiedemann. Wieder ein Wirt der uns erklärt wie Wirtschaft funktioniert. Herr Wäschle hat ja gerade gezeigt, dass hinter dem Tresen die echten Fachleute stehen. Aber mit den Stammtischen in seinen Beizen hat er ja auch 1a Informationsquellen. Klar, Centrotherm wäre auch viel lieber ins Stromeyersdorf gezogen. Schaal hat sie von Blaubeuren kommend geradezu an den Rhein gezwungen. Klar, Schaal hatte sich dazumal in Bezug auf das Kompetenzzentrum eher für den Bewerber aus Dornbirn ausgesprochen. SPD und NL und weitere Gemeinderäte wollten aber lieber die Hanseaten. Die waren so schick. Aber das haben wir ja ganz schnell vergessen. Und dann das alte Spiel. Es wird doch wohl irgendwo Beispiele geben die nicht funktioniert haben. Augsburg, Ulm, Nowosibirsk, Troja, Atlantis… Hauptsache die kommunale Verwaltung ist schuld und der Stammtischkönig hat recht. Man kann ja die Konstanzer Verwaltung (wie jede Verwaltung) in manchen Punkten wirklich kritisch sehen. Aber diesmal wird von der WiFö schlicht an übermorgen gedacht. Und das ist ihr Job. Hätte die WiFö sich das Leben einfach gemacht und gesagt: alles prima, weiter so, wäre es auch nicht richtig gewesen. Dass die jetzige Empfehlung dem Herrn Bauingenieur Fecker recht ist, kann man sich vorstellen. Schliesslich wird dann wieder gebaut. Und ob Flieger oder nicht, noch haben die Flughafenunternehmen nicht den Nachweis erbracht dieser Stadt zu nutzen. Nur Herr Ultraleichtflug Stadelhofer bringt es mit seiner Quartalsrandale bischen Stimmung in den Lokalteil. Herr Wiedemann wird ihm zuprosten!

  2. TB
    12. April 2011 at 23:25 #

    Wenn ich das schon höre: „Wirtschaftsförderer“.

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