NPD-Google-Werbung bei Südkurier online

Aufreger im Netz: Linke fragt nach Fauxpas im Konstanzer Medienhaus nach

Konstanz (wak) Einen Aufreger im Netz gab es, als in der Südkurier-Online-Ausgabe ausgerechnet neben einem Beitrag über die Landtagskandidatur von Zahide Sarikas (SPD) Werbung der NPD stand. Der Südkurier hatte Werbung der NPD über Googles Dienst AdSense geschaltet. Die Google-Werbung ausgesucht hatte sich der Südkurier nicht. Trotzdem verhielt sich die Regionalzeitung politisch unkorrekt. Der Südkurier hatte es versäumt, die Werbung auszuschalten,was möglich ist. Betroffen war übrigens auch die Onlinezeitung dornreoschen.nu, der dasselbe Missgeschick passierte, als sie über die Kandidatur der türkischstämmigen Konstanzerin berichtete.

Linke empört über Südkurier-Online

Die Linke Liste Konstanz (LLK) reagierte empört auf die Werbung der NPD und will wissen, wie es dazu kommen konnte, dass die NPD am Montag auf der Website von Südkurier-Online werben durfte. Sie hat eine Anfrage an die Verantwortlichen gerichtet. Wörtlich heißt es: „Mit Erstaunen und Entsetzen mussten wir auf der Online-Seite des ,Südkurier‘ gestern zur Kenntnis nehmen, dass unter einem Artikel über die Kandidatur von Frau Zahide Sarikas für den Landtag eine Google-Anzeige der rechtsradikalen NPD platziert war. Mit einem Mausklick gelangte man direkt auf den ,Wochenbrief‘ der rechten Hetzer.“ Besonders empörend sei, dass die Anzeige gezielt im Zusammenhang mit der zitierten Aussage der türkischstämmigen SPD-Politikerin, sie wolle sich für die „Integration für Menschen mit Migrationshintergrund“ einsetzen, erschien.

Google-Anzeigen Content gesteuert

Das freilich konnte gar nicht anders sein. Denn Google-Anzeigen sind Content gesteuert. So erschien beispielsweise bei See-Online passend zur Nachricht, dass Geldbußen nach Verkehrssünden künftig europaweit vollstreckt werden, eine Anzeige von „trivago – Europas größtem Hotelpreisvergleich“. Die Werbung zum Artikel wird mit Hilfe von Schlagworten ausgesucht. Die Schlagworte legt der Werbetreibende, also zum Beispiel „trivago“ fest. Sie könnten in diesem Fall vielleicht heißen Europa oder reisen. Der Betreiber der Website, in diesem Fall See-Online, hat keinen direkten Einfluss darauf, welche Werbung zu welchem Beitrag erscheint. Auf die Seite eingeladen ist Google  – welche Kunden Google zulässt, entscheidet Google. Allerdings kann bestimmte Werbung geblockt werden, was See-Online bezüglich der NPD-Werbung auch getan hat.

Piraten sprechen von Fauxpas des Südkurier

Zum Missgeschick von Südkurier-Online geäußert haben sich außer der Linken auch die Piraten. Die Piraten in Konstanz zeigten sind verwundert über den „Fauxpas im Onlineangebot des Südkuriers“. Die Piratenpartei sieht die aktuelle Werbeaktion der rechten Szene – nicht nur bei Südkurier-Online – mit Sorge. Während die Linke vor allem den Südkurier kritisiert, zeigen die Piraten auch auf Google. „Ich bin verwundert, dass ein Unternehmen wie Google die NPD als Werbepartner zulässt“, so Ute Hauth, Landtagswahlkandidatin im Wahlkreis Konstanz für die Piratenpartei. „Direkte Verbote halte ich dennoch für falsch und hoffe, dass die öffentliche Meinung Google dazu veranlasst, die Geschäftsbeziehung zur NPD zu beenden“, sagte Ute Hauth. Ein Beispiel könne sich Google am Einzelhandelsriesen Amazon nehmen. Das Versandhaus entfernte die NPD nach Kritik aus seinem Partnerprogramm, ließen die Piraten wissen. Klar stellen aber auch die Piraten, dass im besonderen Südkurier-Fall nicht Google alleine schuld sei. Der Südkurier könne selbst verhindern, dass bestimmte Werbepartner von Google in den Anzeigen erscheinen und somit Einfluss auf den Inhalt der Onlineanzeigen nehmen, erklären die Konstanzer Piraten.

Google sieht’s anders

Google Deutschland weist Kritik an Online-Anzeigen der rechtsextremen NPD in einer Stellungnahme dagegen übrigens zurück. Jeder habe das Recht, bei Google zu werben, solange er sich an die Werberichtlinien halte. Google erklärte, die Anzeige der NPD, die in Deutschland nicht verboten ist, enthalte keine verbotenen Inhalte.

Foto: dANCE-pHOTOS.de PIXELIO

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