Nun doch keine geliehenen Redakteure

Holtzbrink-Stopp bei Würzburger Zeitung – Post-Konkurrent

Konstanz/Würzburg (gro) Die fallenden Profite im Regionalzeitungsgeschäft machen erfinderisch – aber offensichtlich nicht im erforderlichen Mass. Bei der Würzburger „Main-Post“, wie der „Südkurier“ ein Holtzbrinck-Blatt, ist jedenfalls vorerst der Versuch gescheitert, die Redakteure dazu zu bringen, sich an eine Verleihfirma auslagern und sich dann (für den Verlag günstiger) an die eigene Zeitung zurückleihen zu lassen. Auch in Konstanz hört man immer wieder von Experimenten mit dem Ziel, die Kosten für die redaktionelle Arbeitsleistung zu verringern.

Den Ausschlag gibt der öffentliche Druck

Mangels Akzeptanz der Betroffenen (wie die Würzburger Verlagsleitung betont) und durch öffentlichen Druck (wie aus Gewerkschaftskreisen zu hören ist), verzichte man auf die Überführung von Redakteuren in eine Leiharbeiter-Firma. Den Ausschlag für die Entscheidung gab allem Anschein nach eine vom bayerischen Journalistenverband veranstaltete, öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema Auslagerung der Redaktion.

Mit TNT, Madsacks Citipost und dem Augsburger Verlag

Fast gleichzeitig wurde am Mittwoch bekannt, dass der Verlag Georg von Holtzbrinck zusammen mit dem niederländischen Paketdienstleister TNT, mit Madsacks Citipost und dem Verlag Augsburger Allgemeine einen eigenen Postdienstleister gegründet hat. Das neu formierte Grossunternehmen, das der ehemaligen Staatspost Konkurrenz machen will, bekommt seinen Sitz in Würzburg und heisst Mail Alliance. In dieser Mail Alliance dürfte dann wohl bald auch das Unternehmen Arriva aufgehen, der Postzustelldienst, der in den vergangenen Jahren unter der Ägide des Holtzbrinck-Verlags vor allem mit Hilfe des Südkurier Medienhauses aufgebaut worden ist. Mit dem Augsburger Verlag betreibt Holtzbrinck die Buchhandelskette „Weltbild“.

Holtzbrinck vereinigt 50 Zustellfirmen

Die Mail Alliance wird ihre Dienste unter dem Markennamen „Mailworks“ Behörden und Geschäftskunden anbieten. Mit Michael Kunter werde ein Holtzbrinck-Manager die Geschäftsführung von „Mailworks“ übernehmen, berichtete gestern das neuen Hamburger Medienportal www.meedia.de Nicht weniger als 50 Zustellfirmen, so heisst es, sollen unter dem Dach des neu gegründeten Unternehmens gebündelt werden.

Die Redaktionen bleiben vorerst teuer

Angesichts dieser erfolgreichen Vorwärtsentwicklung dürfte es den Managern der Georg von Holtzbrinck GmbH umso mehr Kummer bereiten, dass bei den regionalen Tageszeitungen, die seit Jahrzehnten massgeblich zum Konzerngewinn beigetragen haben, trotz weggebrochener Erlöse (Anzeigenschwund und Abonnentenrückgang) noch immer kein Weg gefunden worden ist, die hohen Kosten im redaktionellen Bereich nachhaltig zu reduzieren.

Wieweit wird man über Redaktionen verfügen können?

Im europäischen Vergleich gelten deutsche Redakteure bestenfalls als mittelmässig bezahlt, regionale Tageszeitungen dagegen seit Jahrzehnten – ganz im Gegensatz zu Deutschland – eher als Verlustobjekte. Dass sich in Deutschland ein Umbruch anbahnt, halten Beobachter für unausweichlich. Es werde vor allem darauf ankommen, so heisst es in internationalen Gewerkschaftskreisen, wie weit die deutschen Kollegen bereit seien, über sich verfügen zu lassen.

Foto: pixelio.de/Ernst Rose

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