Nur GSM statt UMTS auf Überlinger Rathaus

Bürgermeister und Mobilfunkbetreiber sprechen miteinander

Überlingen (wak) Auch weiterhin sei keine UMTS-Sendeanlage unter dem Dach des Überlinger Rathauses vorgesehen. Über eine zweite Mobilfunksendeanlage auf der Franziskaner Kirche müsse der Gemeinderat noch entscheiden. Das sagte Bürgermeister Ralf Brettin See-Online.info. Ohne UMTS wäre eine mobile Datenübertragung in der Überlinger Innenstadt auch in Zukunft kaum machbar. Mit dem Mobilfunksystem GSM können Handybesitzer zwar telefonieren, für schnelle Datenübertragung reicht GSM aber nicht.

Kampf um die Antennen auf öffentlichen Gebäuden

Derzeit bemüht sich die Stadt Überlingen darum, Standorte für Mobilfunksendeanlagen auf öffentlichen Gebäuden zu finden. Nur bei öffentlichen Gebäuden hat die Stadt ein überhaupt Mitspracherecht, wenn es um die Sendeleistung geht, und kann gegenüber Mobilfunkbetreibern möglicherweise auch niedrigere eigene Grenzwerte durchsetzen und Wünsche äußern. Fachliche Unterstützung kauft sich die Stadt Überlingen, was die Erfassung von Strahlenbelastung angeht, beim Büro Norbert Honisch ein. Honisch sollte eigentlich in der vergangenen Woche in Überlingen über das Thema Mobilfunk informieren. Der Mobilfunkberater meldete sich aber krank.

Strahlenbelastung ist gestiegen

„Die Strahlung hat seit 2006/2007 zugenommen“, sagte Bürgermeister Ralf Brettin, der sich in das Thema eingearbeitet hat. Offenbar sind einige Anlagen aufgerüstet worden – es wird auch in Überlingen immer mehr mit Handys telefoniert. Das Dilemma ist offensichtlich: Die Mobilfunkbetreiber wollen eine hohe Leistung – ihre Kunden, die Handynutzer, vermutlich auch – und die Bevölkerung – allen voran Mobilfunkgegner – wollen eine möglichst niedrige Belastung. „Deswegen lassen wir uns fachlich beraten“, so Brettin.

Mobilfunkgegner schreien noch am lautesten

Offenbar schreien Mobilfunkgegner in Überlingen weiterhin besonders laut. Zu einer Bürgerinformation zum Thema Mobilfunk jedenfalls kamen in der vergangenen Woche fast ausschließlich Mobilfunkgegner in den Überlinger Rathaussaal. Bürgermeister Brettin sprach von einer „kontroversen Diskussion“ in der Stadt. Offenbar will Überlingen doch an einem eigenen Schwellenwert, der weit unterhalb des gesetzlich in Deutschland geltenden Grenzwerts liegt, festhalten. Die Stadt bemühe sich um einen Kompromiss, sagte Bürgermeister Ralf Brettin auf Nachfrage von See-Online.info. Überlingen wolle die bestmögliche Mobilfunkversorgung bei einer möglichst geringen Strahlenbelastung für die Bevölkerung erreichen, so der Bürgermeister. Das will sie allerdings schon länger – und hinkt bei derMobilfunkversorgung deswegen hinterher. Sollte keine für Stadt und Mobilfunkbetreiber akzeptable Lösung gefunden werden, könnten die Gespräche mit Mobilfunkanbietern auch ohne Ergebnis beendet werden, sagte Brettin. Das wäre ein scheinbarer Sieg für die Mobilfunkgegner. Verlierer wären erst einmal alle, die in der Überlinger Innenstadt ein Smartphone oder ein Netbook zur Datenübertragung nutzen möchten.

Schwellenwert nicht ausgemustert

Erneut hätten die Mobilfunkgegner in der vergangenen Woche ihre Bedenken vorgetragen, sagte Brettin. Nach der Bürgerinformation planen sie nun ebenfalls eine Information. Erreichen wollen die Mobilfunkgegner mit ihren Argumenten den Gemeinderat, der zumindest über Sendeanlagen auf öffentlichen Gebäuden mit entscheidet. Die Stadt hält – wohl auf Druck der Gegner – weiter an einem Überlinger Schwellenwert fest.

Alternative wäre privater Standort

Vorerst aber sprechen Mobilfunkfirmen und Bürgermeister noch über das Mobilfunknetz in Überlingen miteinander. Nichts bekannt ist Ralf Brettin darüber, dass es möglicherweise alternativ eine Sendeanlage zur Versorgung der Innenstadt auf dem Gebäude eines privaten Immobilienbesitzers geben könnte. Klar ist aber, sollte ein Hausbesitzer die Anlage unter seinem Dach erlauben, hätte die Stadt null Mitspracherecht. Lediglich auf Altstadtdächern kann die Verwaltung aus Denkmalschutzgründen ihr Veto einlegen. Das weiß Brettin – es wissen aber möglicherweise noch nicht alle Mobilfunkgegner.

Fotos: Thommy Weiss PIXELIO www.pixelio.de/ wak Mobilfunkanlage Langgasse Überlingen + Ralf Brettin

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