Nur noch 20 Tage Rupprecht Geiger in Konstanz

Galerie Geiger zeigt Siebdrucke und Multiples von Rupprecht Geiger – Nicht verwandt und nicht verschwägert

Konstanz. So viel Farbe, so viel Strahlkraft, so viele Lichtpigmente. Die Galerie Geiger in Konstanz zeigt noch bis zum Mittwoch, 19. Oktober, Siebdrucke und Multiples von Rupprecht Geiger. Wer mag, kann sich die Ausstellung anschauen. Der Eintritt ist frei.

Seit zwölf Jahren in Konstanz

Seit 36 Jahren gibt es sie schon. Seit zwölf Jahren ist sie am Konstanzer Fischmarkt: Die Galerie Geiger, in der Nachkriegszeit der Bundesrepublik in Kornwestheim gegründet, zählt längst den wichtigen Galerien am Bodensee. Sie steht in einer Reihe mit der Konstanzer Galerie Grashey, der Galerie Wesner, der Galerie Walz in Überlingen und der Galerie Vayhinger in Radolfzell.

Galerie zeigt Avantgarde gestern

Zum Galerieprogramm gehört die Avantgarde der 1960er Jahre (von Assemblage Art bis ZERO) sowie die Tradition der konstruktiv-konkreten Kunst Süddeutschlands und der Schweiz. Ausstellungsräume bietet die Galerie zudem jungen, aufstrebenden Künstlern der internationalen Szene, die Sehgewohnheiten und das Weltverständnis herausfordern. Aktuell zeigt die Galerie Rupprecht Geiger. Geiger, der 2009 im Alter von 101 Jahren verstorben ist, ist ein Vertreter jener Avantgarde von „gestern“. Noch in den 1940er Jahren entstanden seine ersten radikal-abstrakten Bilder. Schon damals zeigte sich bei Rupprecht Geiger ein Drang hin zur reinen, nahezu monochromen Farbe, eine Huldigung an die Pigmente und ihre ungebrochene Strahlkraft. „Völlig außergewöhnlich“, sagt Stephan Geiger.

Avantgarde von heute

Im Anschluss, vom 22. Oktober an, zeigt die Galerie dann Marion Eichmann „N.Y. Lines“ und damit Avantgarde von „heute“. Die junge Künstlerin stellt bereits zum dritten Mal in der Galerie Geiger aus.

Gang durch die Galerie

Stephan Geiger, promovierter Kunsthistoriker, nimmt sich viel Zeit und führt Kunstinteressierte gern durch die Ausstellung. Noch bis 19. Oktober zeigt er Siebdrucke und Multiples von Rupprecht Geiger aus fünf Jahrzehnten. Viele dieser Blätter sind drucktechnische Meisterwerke und benutzen dieselben Pigmente wie Geigers Leinwände, wodurch der typische „Rupprecht-Geiger-Effekt“ beim Betrachten der Exponate erlebbar wird.

Roter Lippenstift für rote Glutbälle

Roland Geiger, der Galeriegründer, hat für Rupprecht Geiger gedruckt. Hilla von Rebay, die Gründungsdirektorin des Guggenheim Museums in New York, zählt zu den frühsten Förderern des Künstlers. Am Anfang war womöglich ein roter Lippenstift in einem Carepaket aus den USA. Geiger, der während des Krieges in Russland war, war fasziniert von der Landschaft und den „roten Glutbällen“ am Himmel. So erzählt es Stephan Geiger. Den Lippenstift verwendete der Künstler um eine Sonne auf Papier zu malen. Nein, verwandt sind sie Geigers mit Rupprecht Geiger nicht. „Geiger bei Geiger“ hat es trotzdem schon öfter gegeben. Regelmäßig stellt die Galerie Arbeiten des Künstlers aus.

In Nachkriegsbundesrepublik mangelte es an Galerien

In den 60-er Jahren muss vieles noch anders gewesen sein. Gegründet hat die Galerie Geiger Stephan Geigers Vater, Roland Geiger. Er fand über den Druck zur Kunst. Künstler hatten in der Nachkriegsbundesrepublik kaum Ausstellungsmöglichkeiten. Vernissagen in Galerien wie der Galerie Geiger waren damals gesellschaftliche noch viel beachtetet Ereignisse. 600 bis 700 Besucher waren in Kornwestheim keine Seltenheit.

Bald 100. Ausstellung am Fischmarkt

Seit 1975 zeigt die Galerie Geiger – zuerst im Schwäbischen und jetzt in Konstanz – durchgängig jeweils acht Ausstellungen im Jahr. Als Roland Geiger den Siebdruck aufgab, orientierte sich die Galerie auch örtlich neu. An den Konstanzer Fischmarkt zog sie wegen der Lage. Die Geigers brauchten einen Standort mit einer hohen Besucherfrequenz. Die etwa 120 Quadratmeter mitten in der Stadt – in Kornwestheim waren es noch 700 Quadratmeter – sind ideal. Die übernächste Ausstellung wird schon die 100. in Konstanz sein.

Kunst schon für Kindergartenkinder

Wenn Stephan Geiger erzählt, lässt er nicht den leisesten Zweifel daran aufkommen, dass er die Türen der Galerie nicht nur für Schickmickipublikum öffnet. Die Hemmschwelle soll niedrig liegen. Geiger geht gern auch in Kindergärten und Schulen und führt interessierte Kinder und Jugendliche in die Kunst ein. Geiger mag es, wenn die Kleinsten ganz unbefangen nachfragen.

Kunst ab 100 Euro aufwärts

Moderne Kunst ist auch durchaus bezahlbar. Manchmal verkauft die Galerie auch Exponate, die gerade einmal ein paar hundert Euro kosten. Einen Max Ackermann, einen Heinz Mack, die tief stehenden, leuchtenden Sonnen Rupprecht Geigers oder eine Plastik von Daniel Spoerri, bekannt für Assemblagen, Fallenbilder und skurrile Objektkunst, gibt es für dieses Preis natürlich noch nicht. Anschauen darf sich das kunstinteressierte Publikum solche Meilensteine der Kunstgeschichte in der Galerie aber trotzdem.

Kunsthalle für Konstanz

Ein Kunsthaus, in dem moderne Kunst ausgestellt werden könnte, fehlt in Konstanz. Zürich, Winterthur und natürlich Bregenz sind Leuchttürme. „Kunstinteressierte in New York kennen Bregenz“, sagt Geiger. Viele nutzen einen Besuch in der Galerie am Fischmarkt für einen Kurzurlaub, so Geiger. „Jede Ausstellung ist ein Risiko“, erzählt der Kunsthistoriker. Besonders groß ist es, wenn die Galerie die Arbeiten junger Künstler zeigt, für deren Werke es noch keinen Markt gibt. Streng genommen betreibt eine private Galerie auch Kultursponsoring. Eine Ausstellungshalle könnte Kontinuität schaffen. Konstanz lebt sehr in der Vergangenheit – junge Kunst wäre da ein Kontrapunkt.

Noch bis bis 19. Oktober 2011 „Geiger bei Geiger“.

Fotos: wak

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.