Oberbürgermeisterin sieht sich vor Herkules-Aufgabe

Weniger Verkehr und Stadtumfahrung roter Faden bei bei Bürgerversammlung

Überlingen (wak) „Wir müssen pünktlich beginnen“, sagte Oberbürgermeisterin Sabine Becker gestern Abend zu Beginn der mit so viel Spannung erwarteten Bürgerversammlung Verkehr. Der Zeitplan war straff. Gekommen waren die rund 300 Zuhörer vor allem wegen des Punktes drei, der ab 19.30 Uhr auf der Tagesordnung stand: 13 Kurzpräsentationen von Bürgerinitiativen und Bürgermeister Ralf Brettin. Sie durften maximal sieben Minuten dauern. „Ich bedanke mich dafür, dass sie den Mut haben, sich hinzustellen und ihre Variante vorzutragen“, sagte Sabine Becker gleich zu Beginn.

OB spricht von Herkules-Aufgabe

Verkehr sei eines der wichtigsten und dringlichsten Themen für Bürger, Politik und Verwaltung in Überlingen. Unterschiedlichste Ansätze sollten in den kommenden Wochen diskutiert werden. „Heute stehe ich hier, um mit ihnen die Verkehrsthematik anzugehen, was seine Herkulesaufgabe sein wird“, so Becker. OB Becker weiter: „Über 50 Personen haben sich bereits fürs Beteiligungsverfahren angemeldet.“ Anmeldung seien auch weiterhin – bis 21. Mai um 18 Uhr – noch möglich.

OB wirbt bei Bürgern erstmals für Vertrauen

„Als Oberbürgermeisterin stehe ich heute hier, um für ihr Vertrauen zu werben“, so Becker. Moderation sei das richtige Verfahren. Es gehe um die Suche nach einer Lösung, die breite Akzeptanz findet. Moderator und Personalberater Martin Horn, studierter Psychologe und Theologe, begleitet Prozess neutral. „Sie sind gefordert, Kompromisse zu machen oder zu einer anderen Meinung zu kommen“, sagte Becker. Die OB weiter: „Ich habe größten Respekt vor ihnen.“ Gemeinsam müsse ein Ergebnis gefunden werden, das im Gemeinderat beschlossen werden könne oder über das bei Bürgerentscheid abgestimmt werden kann. „Ich wünsche mir und ihnen, dass wir Aufgaben mit gegenseitigem Respekt und Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, erledigen.“

Zartrotes Sofa mit Symbolcharakter

Die Verkehrssituation sei problemtisch aber nicht aussichtslos. Es gebe Ortsrandparkplätze und Umfahrungen. Lange habe sich die Verwaltung „verkopft“, welche Farbe das Sofa haben sollte, auf das Bürger zum Dialog Platz nehmen sollen. Die Stadt wollte ein rotes, jetzt sei es terracottafarbig geworden, weil es kein rotes gab, sagte Becker. Wichtig war ihr: Das Sofa ist nicht für die Prominenz. „Dieses Sofa ist für sie da.“ Becker sagte: „Es erinnert uns daran, dass der Prozess in Gang ist.“

Becker blieb dieses Mal bis zum Schluss

Als sie Moderator Martin Horn anmoderierte, sagte Becker. „Ich verlasse diese Veranstaltung nicht, ich werde nur das Mikro abgeben.“ Welche Bürgerinitiative den Anfang machte, hatte das Los entschieden. Die Reihenfolge war folgende: Initiative zur Verkehrsberuhigung der Innenstadt, Bürgerinitiative Kurgebiet, Bürgerinitiative Alte Nußforfer Straße, Bürgerinitiative Burgberg, WVÜ, Bürgerinitiative am Schättlisberg, Bürgerinitiative am Bergle, WOGE ZaNeLi, Agenda 21 Gruppe Verkehr, Fachvorschlag (Innenstadtsperrung, T-Model, Tunnel und Grabenstraße) stellvertretend von Bürgermeister Ralf Brettin vorgestellt, Überlinger Bürgerinitiative zur Verkehrsberuhigung, Bürgerinitiative Owinger Straße und Bürgerinitiative Joachim Betten.

Initiative zur Verkehrsberuhigung der Innenstadt

Hermann Josef Faupel, Sprecher der Initiative Innenstadt, sagte, die Initiative könne das Problem nicht lösen. Aus gewisser Distanz wolle er sich dem Thema nähern. Lebensqualität erneuern und bewahren seien Leitbilder Überlinger Stadtpolitik. Faupel präsentierte Blicke auf die idyllische Stadt. „Genießen wir, was wir haben und schätzen, was es zu erhalten gilt.“ Als Kontrast präsentierte er anschließend Fotos, die Stresssituationen mit Lastwagen, Bussen, Autoschlangen und gefährlichem Gegenverkehr zeigten. „Die Stadt ist nicht im Gleichgewicht.“ Es gebe aber auch Beispiele, dass es anders geht: Oberstdorf. „Auch dort hat man lange gerungen.“ Jetzt gebe es ein generelles Verkehrskonzept, die weltweit größte Fußgängerzone gemessen an der Größe der Stadt, Verkehrsberuhigung, ÖPNV und schadstofffreie Busse. Das Ergebnis sei eine Halbierung des Autoverkehrs. Fazit: Das „Entscheidende ist die Frage, was ist das Primat. Warum sollen wir es in Überlingen nicht genauso versuchen?“ Dafür erhielt Faupel 10 Sekunden Beifall.

Bürgerinitiative Kurgebiet

Ulrike Schweizer sprach von der Topografie und der Zunahme Gesamtverkehrs. „Wir alle werden Federn lassen müssen.“ Schweizer weiter: „Alle, die wir hier sind und alle Autofahrer sind.“ Weniger in die Stadt fahren, zu Fuß gehen, den Bus benutzen, das Fahrrad benutzen, waren ihre Vorschläge. Wer den Verkehr nicht vor eigenen Haustür haben wolle, solle überlegen wie er in vor anderen vermeiden kann. Lösung: Verkehrsberuhigter Bereich ab Franziskanerstraße mit Hafenstraße und Gradebergstraße. Alle Verkehrsteilnehmer wären gleich berechtigt. Wunderbare Entschleunigung und angenehmes Einkaufen wären so möglich. Touristenbusse sollten auf der Zimmerwiese parken. „Bis zum Münster dauert es zu Fuß maximal fünf Minuten.“ Die Stadtbuslinien 1+4 fahren viermal pro Stunden an Häusern vorbei – fast leer, so Schweizer. Ihr Vorschlag: Kleinere Busse weniger Lärm und den Stadtring B31 nutzen. Ihr besonderes Anliegen ist, dass Verkehrsberuhigung nicht zu Belastung für andere Gebiete führt, so Ulrike Schweizer.

Bürgerinitiative Alte Nußdorfer Straße

Werner Walz sagte, es sei „keine gewaltige Sache“. Mit Schreiben habe sich die Initiative an die Stadt gewandt. Er sprach von einer dramatischen Verkehrssituation im Osten der Stadt – der Osten müsse entlastet werden. Sein Vorschlag: Anbindung schaffen an den Knoten Altbirnau, einen neuen Knoten oberhalb des Bodenseewerks bauen. Effekt: Nußdorf könnte von jeglichem Verkehr befreit werden – vor allem LKW Verkehr könnte über die neue Anbindung zu- und abfließen. Ziel; Entlastung der Ost-West und West-Ost-Verbindungen in Überlingen. Weiter forderte er: Eine Stadtumfahrung B31, verschiedene Abfahrten, den Verkehr verteilen. Notfalls wäre er für einen Anschluss mit Provisorium. Er präsentierte detaillierte Überlegungen. Planung zum Knoten Altbirnau existiert aber bereits.

Bürgerinitiative Burgberg

Auch ihre Sprecher Wilfried Czasch hatte sich schon an die Stadt gewandt. Er habe sich bereits an Bürgermeister Brettin gewandt, wohne am Burgberg und habe ein Büro Christophstraße. Er beschrieb Einkaufsfahrten in Richtung Abig-Straße und Oberried. Er forderte einen anderen Anschluss der B31 zum Burgbergring, weil der derzeitige sehr eng sei. Er zeigte eine Grafik zum Thema Zielverkehr: Ein Drittel fahre heute über die Lipperstreuter Straße. Eigentlich müsste bei Abig deswegen ein P&R Parkplatz sein. Unter dem Sportplatz Seestraße könnte das Parkhaus Post erweitert werden. Parkgebühren im Parkhaus Post würde er drastisch erhöhen, den Verkehr weiterleiten über die St. Ulrich Straße oder es gebe die Möglichkeit eines Tunnels zur Zimmerwiese. Roland Halder, Sprecher Nummer zwei, sagte er sei zu Fuß schneller als mit Auto von der Owinger Straße. Er sieht den „Kreislauf“ behindert durch Einbahnstraßen: Dorf und Zahnstraße. Er sprach von einem „riesen Kuddelmuddel“. Die gewachsenen Verkehrsadern will er wieder öffnen, Tempo 30 oder Schrittgeschwindigkeit einführen und die Fußgängerzone Münsterstraße zwischen „Ochsen“ und „Sport Schmid“ wieder öffnen. Letzteres wurde mit Raunen quittiert.

Wirtschaftsverbund Überlingen (WVÜ)

Reinhard Haas, Vorsitzender des WVÜ, sagte, das Ziel sei eine ganzheitliche Lösung zu erarbeiten und Verkehrsströme zu lenken. Verkehrsberuhigung von außen nach innen sei die Lösung. Haas forderte Gleichberechtigung der Fußgänger und des Autoverkehrs, Entschleunigung, keine Sperrung der Innenstadt, lange und unnötige Fahrzeiten sollten aber vermieden werden. Kernpunkte seien die Verkehrslenkung. Diese brauche ein intelligentes Park- und Leitsystem und Hinweisschilder. Autos sollten an die Kernstadt heran fahren, sie aber nicht durchfahren. Der P&R Platz beim Krankenhaus müsse weiter beworben werden. Taktfrequenzen müssten vom Busshuttle eingehalten werden. In der Kerninnenstadt ist der WVÜ für eine Temporeduzierung in der Zone ab Franziskanertir bis Fischerbrunnen und Mantelhafen, Tempo 30 sei zu schnell, so Haas. Autofahrern müsse die Stadt signalisieren, Achtung, hier beginnt etwas Besonderes. Haas sprach sich für eine partielle Aufhebung der Fahrbahn aus, er möchte Plätze schaffen und setzt auf den Stadtring B31alt. ÖPNV möchte er fördern, aber auch die Frage stellen: „Brauchen wir so viele Busse in der Kerninnenstadt?“ Mittelfristig könne es eine weitere Entlastung durch die Grabentrasse geben.

Bürgerinitiative am Schättlisberg

Wolf Schneid sagte, er spreche für keine große Bürgerinitiative, weil es noch zu wenig Betroffene am Schättlisberg gebe. „Motivation sind meine Enkel“, sagte er und dass sie fragen könnten: „Opa, warum hast du nichts gegen den immer zunehmenden Verkehr unternommen?“ Bisher wurde Verkehr nur verwaltet, so Schneid. Verkehr wurde nur verlagert, sagte er. „Das war ein Fehler.“ Richtig wäre es, über die Zahnstraße in die Stadt direkt zu Parkplätzen zu fahren. 2000 Bewohner der Innenstadt müssten 5000 Autos verkraften. „Die City ist zu laut.“ Er fragte, warum dürfen Wohnmobile in Stadt, warum Motorradfahrer durch die Kurstadt dröhnen? Schneid weiter: Was passiert, wenn im „Schäpfle“ Feuer ausbricht und der Stau bis zur Wiestorstraße geht. Er forderte eine verkehrsberuhigte Innenstadt, die B31alt als Stadtring, keine direkte Durchfahrt durch die Innenstadt von Brünnesbach bis Nußdorf mehr. Frei wäre bei seinem Modell die Innenstadt nur für etwa 3000 Fahrzeuge, für Anwohner, Parkplatzbesitzer und Elektroautos. Die Fahrzeuganzahl in der Innenstadt sei größer als die Zahl der Parkplätze. Er habe noch keinen Drive-In Schalter des Einzelhandels in der Innenstadt gesehen. Dafür erhielt er viel Beifall.

Bürgerinitiative Am Bergle

Sieglinde Schreiber sagte, sie sei seit 35 Jahren in Überlingen. Die Innenstadt und Wohngebiete würde sie nur noch für Anwohner und Anlieger freigeben. Parkplätze und Parkhäuser am Stadtrand beim Krankenhaus, in Nussdorf und Überlingen West seien nötig. Parkplätze am Rand müssten kostenlos oder zumindest günstig sein, damit sie angenommen würden. Ein Parkleitsystem für Auswärtige und Touristen sei nötig. „Wenn ich auf der B31 bin, dass ich dann weiß, wo fahre ich ab.“ Kleine Shuttlebusse und kurze Taktzeiten, seien nötig, damit Leute von P&R Plätzen schnell in die Stadt kommen. Die Vermeidung unnötiger Umwege sei nötig. Dazu gehöre die Aufhebung der Einbahnstraßen Regelungen. Weiter schlug sie die Anbindungen weiterer Zufahrten vor, so dass nicht Autos aus der Alten Owinger Straße zuerst in die Stadt und dann über den Schättlisberg aus der Stadt fahren. „Nicht sagen, am Franziskanertor ist Schluss mit Verkehrsberuhigung“, so Sieglinde Schreiber. Andere Städte hätten auch Lösungen gefunden. Meersburg habe von der Umgehung profitiert – ohne dass die Stadt verödete.

Bürgerinitiative WOGE ZaNeLi

Alexander Kuntz nahm Bezug auf die Untersuchungen des Beratungsbüros Modus Consult: Über 35.000 Kfz fahren in Überlingen hin und her, so Kuntz. Prognosen sagen noch mehr Verkehr voraus, Ein Drittel des Verkehrs soll, geht es nach der WOGE ZaNeLi aber künftig draußen bleiben, sagte Kuntz. Vielfältige Anbindung an den Cityring seien nötig. Im Moment fahren die Autos nur über die Aufkircher-, Zahn- und Lippertsreuterstraße. Er sprach sich für ein Parkleitsystem aus, möchte keine Durchfahrt für LKW und Busse mehr, eine Beruhigung Innenstadt und forderte die Verringerung des Verkehrs in Wohngebieten. Innenstadtberuhigung bringe Mehrbelastung der Wohngebiete, deswegen sei die Initiative für die Grabentrasse West. Nur 200 Meter Trasse könnten eine komplette Innenstadtberuhigung bringen. Keine weitläufigen Umwege mehr, forderte Kuntz weiter. Es brauche eine nachhaltige Entlastung der reinen Wohngebiete. Er sprach sich für Einhaltung von Emissionswerten aus. Begegnungszonen bräuchten keinen Einbahnverkehr mehr. Solche Zonen würde er einrichten vom Aufkirchertor bis zum Hänselebrunnen, vom Friedhofkreisel bis zum Parkplatz Zahnstraße (sicherer Schulweg für Schulkinder) und Am Schättlisberg. Sie seien Geschwindigkeitspuffer und könnten Sicherheit für Kinder schaffen. Er plädierte für eine Stadt im Gleichgewicht. Jeder Stadteil solle einen Beitrag leisten.

Agenda 21 Gruppe Verkehr

Klaus Bühler sagte, die Stadt sei untauglich für Busse, LKWs und PKWs. „Sozialverträglichkeit und Stadtbild darf nicht leiden“, forderte. Die Lebensqualität sei beeinträchtigt. Er möchte die Kernstadt ganz entscheidend vom Verkehr entlasten. Hier nur im Notfall fahren, so sein Vorschlag. „Wir brauchen ein Ziel.“ Die Münsterstraße als Wohnstraße funktioniere gut. Heute seien Geschäftsleute froh darum, dass sie den Verkehr nicht mehr haben. Wir brauchen eine Halbierung des Verkehrs, zeitliche Begrenzungen, Lieferverkehr bis 11 Uhr und Shuttles. Busse möchte er abfangen auf dem ZOB. In der Hafenstraße wäre er für eine Zone mit Tempo 20, aber nur für die, die dort fahren müssen. Es müsse konsequent gehandelt werden. „Wir sind fast zum Erfolg verdammt“ so Bühler weiter: „Unsere Besucher wundern sich, wie wir mit unserer liebenswerten Stadt umgehen.“ Spazierenfahren in der Stadt müsse aufhören – „das sind wir selber“. Herumfahren schlicht verboten, so sein Rat. „An die Fahrradfahrer müssen wir denken.“ Attraktiver ÖPNV und fußläufige Verbindungen hätten Vorrang.

Ralf Brettins Präsentation von Fachvorschlägen

Vier Fachvorträge die nicht seine Meinung sind, stelle er vor. Er gab Hinweise auf Topografie und die Lage am See. Er zeigte „einschlägige Bilder“ mit Szenen aus dem Verkehr. Vier Ansätze präsentierte er stellvertretend: Die Innenstadt-Sperrung (komplett für privaten Verkehr), das T-Modell (mit Fußgängerzone Christophstraße), den Tunnel Stadtmitte-West (elf untersuchte Varianten, aber teuer) und die Grabentrasse (Wiestorstraße weiterführen). Das Problem kulminiere in der historischen Altstadt. 12.000 Kfz fahren heute in die Altstadt, so Brettin. Seit 2003 sei Verkehrsberuhigung das wichtigste Thema in Überlingen. Dazu, wie es gehen könnte, gibt es 17 untersuchte Varianten.

Überlinger Bürgerinitiative zur Verkehrsberuhigung

Verkehrsinfarkt im Dorf. Hubert Bergmann sagte: „Hätten wir den Tunnel gebaut, hätten wir die Grabenstraße gebaut, hätten wir das T-Modell – hätten wir aber nur, haben wir nicht.“ Er rechnete Fahrzeiten vor. Er forderte ein sinnvolles Parkleitsystem, umweltfreundliche Shuttlebusse, fußläufige Mobilität, das Netz zu vervollständigen, damit sich Belastungen verteilen. Im Klartext: Anschluss Alte Owinger Straße , Burgbergring und Altbirnau. In der Altstadt kein Durchgangsverkehr mehr. Er appellierte: „Neue Ideen und ein neuer Anfang.“

Bürgerinitiative Owinger Straße

Dieter Selbach sagte, die Owinger Straße sei ein Wohngebiet. Zwei Ziele habe er: Kurzfristig die Beseitigung der „unerträglichen und gefährlichen Verkehrssitutationen“, die Kontrolle von Tempo 30. Verkehrszuwachs sei das Problem. Sofortmaßnahmen hat er gefordert. Die Langzeitlösung Owinger Straße in Hauptverkehrsstraße zu verwandeln, lehnt die Initiative ab – „wir fordern Aufgabe der Planung“. Selbach sprach von nicht zu vertretende Belastung der Anwohner und der Umwelt. Er forderte ein ganzheitliches Verkehrskonzept. Park- und Ride, Verkehrsberuhigung der Innenstadt und Stopp des Durchgangsverkehrs. „Wir wollen den Prozess unterstützen.“

Bürgerinitiative Joachim Betten

Seit 30 Jahren sei er mit Überlingen und beruflich mit dem Straßenbau verbunden. Betten über seine Zielvorstellungen: Das Problem sei nicht gleich die Verkehrsführung, sondern der Zielkonflikt. Er spricht von „Wohlfühl-Atmosphäre auf dem Markt“. Er würde die Altstadt von Überlingen aus allen Richtungen sperren. „Fahren Sie in die Parkhäuser.“ Betten weiter: „In Friedrichshafen fahren sie auch nicht ein, wenn es nur noch fünf Parkplätze gibt.“ Buslinien würde er in der Altstadt im Ringverkehr fahren lassen – alle fünf Minuten verkehren Busse, vielleicht kostenlos. Ein Tunnel dauere 15 Jahre. Die B31neu werde erst in 15 und 20 Jahren gebaut. Solange ist die B31alt nur eingeschränkt als Stadtumfahrung zu nutzen.

Gegen 22 Uhr – nach drei Stunden – endete die Versammlung. Zwischendurch hatte Moderator Martin Horn die Überlinger ein paar Entspannungsübungen machen lassen.

Eine Bewertung der Vorschläge und des Abends folgt noch.

Fotos: wak

2 Kommentare to “Oberbürgermeisterin sieht sich vor Herkules-Aufgabe”

  1. Rüdiger v.der Linde
    12. Mai 2010 at 17:32 #

    Das „rote Sofa“ als Gemeinschaftssymbol

    Man mag sich über manches streiten, aber daß Überlingen zum Bewahren seiner Lebensqualität künftig mehr Gemeinsamkeit von Stadt, Rat und Mitbürgern braucht, steht wohl außer Zweifel. In meinen Augen war es beeindruckend, daß sich die Menschen dieser Stadt nicht von dem seit Jahren schleppenden Gang der Verkehrsentwicklung demotivieren ließen, sondern
    mit vielen interessanten, eigenen Ideen und Vorschlägen den „allgemeinen städtischen Winterschlaf “ beendeten.

    Unter den 12 Bürgerinitiativen waren große und kleine ngetreten. Ich habe vor allem großen Respekt vor den kleinen. Sie gaben sich – ohne große technische und fachliche Hilfe – sehr sehr viel Mühe, die ihnen am Herz liegenden Probleme innerhalb von 7 Minuten Redezeit verständlich rüberzubringen. Demgegenüber fand ich es schwach, wenn einige große Selbstdarsteller vor allem
    auf andere, angeblich besser funktionierende Orte (z.B.Oberstdorf) verwiesen oder (wie üblich) nur durch Über-Lautstärke (ohne eigene realisierbare Sub-
    stanz) zu überzeugen versuchten.

    Grundsätzlich betrachte ich jedenfalls die Veranstaltung als großen Achtungserfolg. Wann in den letzten 10 Jahren konnten sich die Bürger dieser Stadt zu einem so extrem wichtigen Thema so vielfältig mit eigenen Vorschlägen einbringen ? Auch die Organisation des gesamten Veranstaltungsablaufs war vorbildlich (Kompliment), – so kann es m.E. also bald mit dem „moderierten Beteiligungs-Prozeß“ weitergehen.

    Aus Erfahrung gewitzt, sollten alle Beteiligten allerdings darauf achten, daß aus dem positiv besetzten Symbol „rotes Sofa“ am Ende nicht doch noch eine „bad bank“ wird. Ich werde die Entwicklung der nächsten Monate jedenfalls sehr aufmerksam und aktiv mitverfolgen.

    Rüdiger v.der Linde, Überlingen

  2. H.J.Faupel
    12. Mai 2010 at 18:00 #

    Sehr geehrter Herr von der Linde,

    keine 24 Stunden sind seit der ersten ernsten Moderation vergangen und schon rühren Sie wieder die Trommel….

    Es kann ja niemand dafür , dass Ihnen die Abstraktionsfähigkeit fehlt, um über den eigenen Gartenzaun hinwegzuschauen.

    Nur weiter so….

    H.J.Faupel grüßt für die IVI

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