Occupy Konstanz voraussichtlich wieder am kommenden Wochenende

Heute Abend Vorbereitungstreffen für Veranstaltung – Bewegung ohne feste Organisationsform

Konstanz. Für das vergangene Wochenende hatten Mitglieder der „Occupy“-Bewegung und die Globalisierungsgegner von Attac zu weiteren Demos in deutschen Städten aufgerufen. In Konstanz soll es erst am kommenden Samstag mit einer zweiten Veranstaltung zwischen Sparkasse und Commerzbank weitergehen. Eine feste Organisationsstuktur und Ansprechpartner hat die Bewegung so wie in anderen Städten auch in Konstanz nicht. Trotzdem treffen sich heute Montagabend, 26. Oktober, mögliche Initiatoren der Veranstaltung vom kommenden Samstag zu einem Vorbereitungstreffen.

Wider die Vereinnahmung durch Parteien

Informationen gibt es auf der Facebook Seite von Occupy Konstanz.  Wer mitmachen möchte, könne sich unter post@echte-demokratie-jetzt.de anmelden. Die Initiatoren bitten um Anmeldung, damit sie einen ausreichend großen Raum reservieren können. Die Occupy Bewegung, die Auswüchse im Finanzwesen und eine ungleiche Verteilung des Wohlstands kritisiert, sieht sich als politisch unabhängig und möchte keine Vereinnahmung durch Interessenverbände. Plakate und Transparente mit Partei-, Gewerkschafts- oder Kirchensymbolen. Leute, die für Parteien sprechen, sind von Occupy nicht gern gesehen. Willkommen seien aber auch heute Abend alle Interessierten, wenn sie als Privatpersonen kommen. Die Bewegung verortet sich, worauf sie immer wieder hinweist, bewusst außerhalb des politischen Systems und auch außerhalb des Parteiensystems.

Kommunikation läuft übers Web

Die erste Veranstaltung in Konstanz liegt jetzt mehr als eine Woche zurück. „Wir waren überrascht über das große Interesse“, sagte Uli Riebe am vergangenen Mittwoch bei einem Kaffee. Es hatte vor der Veranstaltung keine Plakate gegeben, die Kommunikation erfolgte, abgesehen von einem kleinen Hinweis in der gedruckten Tageszeitung, fast ausschließlich über das Web, über die Facebook-Seite von Occupy Konstanz und über die Mailingliste der Globalisierungsgegner von Attac.

Offenes Mikrofon

Thomas Stelling redet gern von gewaltfreier Kommunikation und davon, dass Menschen erst einmal einüben müssten, wie sie mit einander kommunizieren wollten. Er hat ein Faible für die Zeichensprache, die die Konstanzer von der spanischen Protestbewegung übernommen haben. Es gibt Zeichen für Zustimmung und Ablehnung und auch eine Geste für die Aufforderung „Komm zum Punkt.“ Die Occupy Leute möchten keine Anführer. Bei der ersten Veranstaltung gab es ein „offenes Mikrofon“. Jeder konnte seine Meinung zur Finanz-, Staatsschulden- und Bankenkrise, zur Staaten-, Banken- und Eurorettung sagen. Dass bei der ersten Veranstaltung in den hinteren Reihen einige Teilnehmer murrten, weil sie nicht verstanden haben, was die Redner sagten, nahmen die Initiatoren hin. Wenn niemand eine kleine Lautsprecheranlage oder ein Megaphon mitbringt, werden sie am kommenden Samstag wie bei der „stillen Post“ miteinander kommunizieren.

Jenseits von Ideologien

Thomas Stelling lehnt „klassische Organisationsformen“ ab. So sagt er es. Wer mitmacht, komme, um sich gemeinsam mit anderen zu empören. Die Initiatoren, die am liebsten ganz in den Hintergrund treten würden, wollen, dass sich alle gleichberechtigt beteiligen. Sie sprechen von einer Welle. Auf die Frage, wie es mit Occupy Konstanz weitergeht, haben sie eine unmissverständliche Antwort. Sie sagen: „Es kommt darauf an, was Du daraus machst.“ Klar ist, die Occupy Bewegung möchte sich nicht vereinnahmen lassen. Empfindlich reagieren die Initiatoren, wenn ihnen Worte in den Mund gelegt werden, die sie so nie sagen würden, weil diese Worte oder Aussagen ideologisch wären.

Nachhaltige Wirkung

Trotzdem fallen Begriffe wie „Medienaufmerksamkeit“ und sehr wohl nehmen die Protestierenden zur Kenntnis, dass die Demonstrationen von den Parteien aufmerksam beobachtet worden sind und mutmaßen, dass es eine „Wirkung nach oben“ gebe. Dass die Bewegung nicht straff organisiert ist, sehen die Initiatoren in Konstanz nicht als Problem. Ihnen geht es offenbar nicht in erster Linie um kurzfristige Erfolge, Occupy Konstanz wolle nachhaltig wirken. Davon stehe leider nur wenig in den Mainstream-Medien, sagt Thomas Stelling.

I care for you

Die Bewegung stellt die Frage nach dem Gemeinwesen, nach den Spielregeln und der politischen Teilhabe neu. Viel ist davon die Rede, einander zuzuhören und ins Gespräch zu kommen. Die Initiatoren möchten einen möglichst breiten Konsens erreichen. „I care for you – Ich sorge für Dich“ oder vielleicht auch „Ich sorge mich um Dich“. Die Sorgen um den Anderen ist ein Leitmotiv. „Es geht um grundsätzliche Fragen.“

Was wollen die 99 Prozent?

Wahrscheinlich denken aber nicht alle so, die am Samstag vor einer Woche auf die Konstanzer Marktstätte kamen. Viele möchte eine andere Politik und angesichts des Krisenszenarios und klare Regeln für Banken und auch möglichst schnell. Die 99 Prozent möchten Antworten statt überforderte Politiker und Staaten- und Bankenrettung in der Endlosschleife. Wenn die Occupy Bewegung nichts bewegt und den Menschen keine Angebote macht, statt dessen mittlerweile von Billionen Euro für Rettungsschirme die Rede ist, könnte es passieren, dass sie sich tot läuft und die Teilnehmer der Aktion am kommenden Samstag schnell weiter gehen. Das wäre schade.

Vorbereitungsgruppe trifft sich

Wer Occupy Konstanz am kommenden Samstag, 29.Oktober, mitorganisieren möchte, ist heute, Montagabend 24. Oktober, bei einem Vorbereitungstreffen willkommen. Wer über Ort und Zeit informiert werden möchte, kann sich unter post@echte-demokratie-jetzt.de melden. Ursprünglich war ein Treffen um 20 Uhr in der Wendelgard geplant. Am vergangenen Freitagabend baten die Initiatoren aber darum, den Ort vorläufig noch nicht zu veröffentlichen. Je nach Teilnehmerzahl könnte es nötig werden, an einem anderen Ort zu tagen.

Hier geht es zu einem Video, das am Samstag vor einer Woche bei Occupy Konstanz enstanden ist.

httpv://www.youtube.com/watch?v=tFk4MCKbipM

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