Othello – Konstanzer Theater trommelt für Afrika

Ein Schwarzer spielt den Mohren – Stanley Mambo in Wulf Twiehaus Inszenierung über Ausgrenzung

Konstanz. Mit drei Premieren startete das Theater Konstanz vor zwei Wochen in seine Afrika-Spielzeit. Kein Geringerer als Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte dem Konstanzer Publikum, was Kultur mit Außenpolitik zu tun hat. Das Programmheft trug Antilopenfell. Das Echo der Theaterkritiker war überraschend verhalten. Am vergangenen Sonntag machte dann Theaterintendant Christoph Nix auch noch seinem eigenen Theater Konkurrenz, als er zur besten Sende- und Theaterspielzeit als Platzwart eines Campingplatzes durch den Konstanzer Tatort stapfte. Am Freitag dieser Woche, 21. Oktober 2011, steht nun die Premiere von Othello auf dem Spielplan. Den Mohren gibt der malawische Schauspieler Stanley Mambo.

Mit malawischem Schauspieler Stanley Mambo

Der malawische Schauspieler Stanley Mambo spielt im Konstanzer Ensemble Othello, den hochdekorierten und bestens integrierten General, der doch ein Schwarzer unter Weißen bleibt. Der Schwarze auf der Bühne verleiht damit Shakespeares großer Tragödie über die subtilen Strategien gesellschaftlicher Ausgrenzung eine besondere Dynamik.

Andere Hautfarbe, andere Sprache

„Der Konstanzer Othello ist nicht nur ein Schwarzer unter Weißen, sondern auch ein Anglophoner unter Deutschen“, kündigte das Theater vorsorglich an. In die Übersetzung Erich Frieds mische sich das Englisch des Shakespeareschen Originals – Übersetzen, Verstehen, Missverstehen würden zum integralen Bestandteil im Prozess von an den Rand drängen und Integration.

Der „Andere“ der Sündenbock

Was wäre, wenn alle hingehen, aber es ist gar kein Krieg, fragt das Theater. Othellos hochgerüstete Armee ist durch einen Sturm ihres Gegners beraubt. Nun suchen die Soldaten den Feind in den eigenen Reihen. Mit subtilen Manövern lenkt sich die Gewalt der Truppe auf den Außenseiter, den Besonderen, den Anderen, den General. Ist am Ende immer der „Andere“ der Sündenbock?

Große Tragödie auf der Bühne

Mit irritierender Schärfe erzählt Shakespeare von den subtilen Strategien gesellschaftlicher Ausgrenzung, von Rassismus und Sexualität. Und nicht zuletzt erzählt er die Geschichte vom Untergang einer Liebe.Wulf Twiehaus, langjähriger Oberspielleiter am Theater Konstanz, wird – nach seinen Erfolgen mit Faust und Gertrud in der vergangenen Spielzeit – Shakespeares große Tragödie über die paranoide Dynamik von Eifersucht und den Zerfall jeglicher Beziehung auf die Bühne bringen.

Die Mitspieler

Othello, von William Shakespeare, Deutsch von Erich Fried, Inszenierung Wulf Twiehaus | Bühne Katrin Hieronimus | Mitarbeit Bühne Isabell Steidl | Kostüme Katharina Beth | Dramaturgie Miriam Reimers Mit Sophie Köster, Kristin Muthwill, Jana Alexia Rödiger, Jessica Rust; Odo Jergitsch, Thomas Fritz Jung, Frank Lettenewitsch, Stanley Mambo, Zeljko Marovic, Johannes Merz, Michael J. Müller

Termine und Tickets

Premiere 21.10.2011 – 20.00 Uhr Stadttheater. Weitere Termine: 29.10., 05.11., 12.11., 13.11., 22.11., 26.11., 14.12., 21.12., 22.12. um 20.00 Uhr; 23.11. um 15.00 Uhr; 20.11. um 18.00 Uhr; 25.11., 16.12., 11.11.11 um 19.30 Uhr. Am Samstag und Sonntag steht im großen Haus dann erst einmal wieder „Die Rote Antilope“ auf dem Programm. Tickets und den kompletten Spielplan gibt’s auf der Website des Theaters.

Foto: Stadttheater Konstanz Ilja Mess

Hier geht es zu einem Trailer von „Die Rote Antilope“.httpv://www.youtube.com/watch?v=dnwuHCzQS2Y

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