Partnerschaft zwischen Rüstungskonzern und Konstanzer Schule (k)ein Aufreger

Elternbeirat und SMV verurteilen Kooperation zwischen Ellenrieder-Gymnasium und der EADS nicht rundweg

Konstanz. Der ganz große Aufreger ist die Kooperation zwischen dem Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsunternehmen EADS und dem Konstanzer Ellenrieder-Gymnasium nicht. Offenbar gab es am Mittwoch eine Aktion von der Linken Liste Konstanz an der Schule. Solche politischen Aktionen sind auf Schulgeländen eigentlich verboten. Die Schülermitverantwortung (SMV) war über die Aktion genauso wenig informiert wie Elternvertreter. Das sagten Schulsprecher Justus Reichl und Elternbeirat Rolf Weßner am Nachmittag. Der Schulleiter war außer Haus.

Theaterintendant Christoph Nix war vorgeprescht

Dass die Kooperation überhaupt zu einem Thema außerhalb der Schule geworden ist, lag an einer kritischen Äußerung, die der Konstanzer Theaterintendant Christoph Nix gemacht hatte. Er kritisierte bei einer Pressekonferenz über das Junge Theater Konstanz das Konstanzer Ellenrieder-Gymnasium wegen einer Schulpartnerschaft mit EADS in Immenstaad scharf. Bei dem Konzern handle es sich um einen Rüstungskonzern, sagte Nix damals. Es sei ethisch verwerflich mit einem solchen Unternehmen eine Schulpartnerschaft einzugehen, hatte Nix erklärt.

Oberstudiendirektor will Debatte initiieren

Oberstudiendirektor Peter Beckmann hatte darauf hin erklärt, die Partnerschaft eröffne den Schülern neue und vielfältige Möglichkeiten, ein Unternehmen mit seinen Anforderungen, Erwartungen und Angeboten kennen zu lernen und sich mit der Firmenphilosophie auseinanderzusetzen, so Beckmann damals. Fakt sei, dass es Rüstungsfirmen gebe. Der Schulleiter setzt auf eine Debatte auch über das Thema Arbeiten für eine Rüstungsfirma. Für eine weitere Stellungnahme zu der Aktion der Linken Liste, die an der Schule stattfand, war der Schulleiter wegen Terminen außer Haus aber nicht zu erreichen. Auch sein Stellvertreter Karl Maurer war nicht erreichbar.

Elternvertreter erhofft sich wichtige Diskussion

Rolf Weßner vom Elternbeirat des Ellenrieder-Gymnasiums hat die Kooperation mit EADS nicht in Bausch und Bogen verurteilt. Er sagte See-Online, hier gebe es Potenziale, Chancen und Kooperationsformen konkret zu prüfen, zu diskutieren, auch um möglicherweise neue Wege zu gehen. Der Wunsch nach stärkerer Verzahnung zwischen Wirtschaft und Schule sei ein aktueller Trend auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels.Rolf Weßner sagte: „Wir wurden über die entstandene Kooperation mit EADS informiert.“ Der Elternvertreter erklärte weiter: „Grundsätzlich fanden und finden wir Elternbeiratsvorsitzende die nun entstandene inhaltliche und politische Diskussion sehr wichtig und wertvoll.“ Zum einen gehe es grundsätzlich um Wirtschaft und Schule und Grenzen der Zusammenarbeit zum anderen gehe es gerade hier am Bodensee auch um das Thema Rüstung und Waffen. Weßner erklärte: „Wir werden dieses Thema bei der ersten Elternbeiratssitzung des Ellenrieders aufgreifen, um hier auch Aspekte aus Sicht der Elternvertreter konstruktiv zu diskutieren.“ Auch die SMV werde sich mit dem Thema noch beschäftigen. Das bestätige Schülersprecher Justus Reichl. Er schloss sich der Argumentation von Schulleiter und Elternbeirat an und sagte, er persönlich finde die Kooperation erst einmal nicht so „schlimm“. Weder Elternbeirat noch SMV waren über eine in dieser Woche an der Schule stattfindende Aktion informiert.

Gespräch zwischen Nix und Beckmann

Offenbar hat es mittlerweile auch ein klärendes Gespräch von Christoph Nix und Peter Beckmann gegeben. Dass es ein Treffen gab, bestätigte das Theater. Möglicherweise folgt eine Veranstaltung. Gewonnen hätten dann Nix und Beckmann, die ja beide eine Debatte initiieren wollten.

Foto: gnubier PIXELIO www.pixelio.de

2 Kommentare to “Partnerschaft zwischen Rüstungskonzern und Konstanzer Schule (k)ein Aufreger”

  1. detlev
    21. Oktober 2010 at 09:59 #

    @ 1. Textzeile = … Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsunternehmen EADS …

    Persönlich empfinde ich die Möglichkeiten eines internationalen Grosskonzerns in erster Linie als „friedens-stiftend“:
    durch den täglichen Umgang mit „Multi-Kulti“, dass soeben seitens der Politik für gescheitert erklärt worden ist, ergibt sich auch die eigene Auseinandersetzung mit vielfältigen anderen Betrachtungsweisen und vielleicht sogar ein höherer Respekt für „Schöpfung in Natur, Menschheit und Welt“.

    Kurz gefasst: Schüler können sich evtl. mehr (langfristiges) Verantwortungs-Bewusstsein aneignen als manche „mächtige Person“ in Wirtschaft und Politik.
    Das Thema Nachhaltigkeit erscheint manchmal als Lückenfüller für „ruhigere Zeiten“ des Nicht-Krisenmanagements: wann wird es diese einmal wiedergeben?
    Vision oder Utopie?

    In vergangenen Tagen wurde Strassen-Namen als Denkmäler und Vorbilder berichtet: persönlich empfand ich diese Namen eher nur als Angebot, sich mit Geschichte auseinander zusetzen, sich ein Bild der entsprechenden Zeit mit deren persönlichen Verhaltungsweisen und (Fehl-) Entscheidungen zu machen und für die eigene (nie abgeschlossene) Erwachsenen-Werdung evtl. Grenzlinien oder Grundsätze aufzustellen.

    Eine ähnliche Herangehensweise ist mir zum Thema „(un-)wichtige Artikel“ eingefallen: als journalistisches Angebot, dass man evtl. vertiefen kann, um eigene Lerneffekte zu erzielen.

    Dass diese Angebote heutzutage leider eher kostenlos konsumiert werden, dürfte weniger am Internet mit Kostenlos-Kultur liegen, sondern am Finanz-Management der Konsumenten und anderen Veränderungen: z.B. Lebenszeit kann als knappes Luxusgut schon im mittleren Alter wahrgenommen werden, wenn sich nicht mehr „ganz jugendlich“ fühlt. Weniger ist manchmal doch viel mehr (was Internet allg. betrifft).

  2. detlev2
    21. Oktober 2010 at 10:20 #

    Da EADS auch ein Luft- und Raumfahrt-Konzern ist, wurde „Rüstung“ direkt nicht angesprochen, um diese spezielle schulische Diskussion nicht zu beeinflussen.

    Manche technische zivile Erfindung wurde schon als Grundlage für militärischen Nutzen verwendet: LKWs können auch als Truppentransporter verwendet werden.
    Es gibt sicher Bereiche, wo eine EU-DIN-Norm zum „Gewissen“ problemhaft wäre .

    Zur Eigen- und Fremd-Manipulation des Gewissens bleibt genügend Freiraum.
    Empfehlenswert ist es sicherlich, wenn Konzern-Marketing oder -Personalwesen darlegen, welche Ziele seitens des Konzerns angestrebt werden und welche Optionen es gibt (insbes. zwischen zivilen und militärischen Bereichen).
    In jeder FH gibt es nicht nur Pflicht-, sondern auch Wahlfächer/-Vorlesungen.

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