Patrick Brauns über sündiges Bauen am Bodensee

Bunte Kühe in idyllischen Ortschaften in der Bodensee-Landschaft

Konstanz (wak) Wenn der in Konstanz lebende Autor Patrick Brauns scharf schießt, dann tut er das entweder mit seiner Kamera oder verbal. Eines der Lieblingsthemen des studierten Politik- und Sprachwissenschaftlers ist sündiges Bauen am Bodensee. Mit Swinger-Clubs und Bordellen hat das nichts zu tun. Höchstens das: Es gibt viel zu viele Bauten, die einfach nur unsexy sind.

Autor droht mit Vortrag

Eine Bausünde ist streng genommen alles, was dem ästhetischen Empfinden des Geistes- und Sozialwissenschaftlers widerspricht. Lila Fensterläden können an einer Villa genauso verkehrt sein wie ein Landhaus neben einem unlängst erbauten neuzeitlichen auf barock getrimmten Schlösschen. Konkreter wird Brauns in seinen Vorträgen. Wer Glück hat, erlebt Patrick Brauns also, wenn er wieder einmal einen seiner gefürchteten Vorträge hält. Unter den Zuhörern seien dann gern auch Architekten, sagt Brauns.

Villenmonster am Bodensee

Eine der Vokabeln, die der Autor benutzt, heißt „Villenmonster“. In Bebauungsplänen ist eigentlich festgeschrieben, was erlaubt ist. Manchmal ist es aber auch ganz anders, sagt Brauns und empfiehlt Rundgänge durch ausgesuchte Ortschaften. Allensbach fällt ihm spontan ein. Als störend empfindet es der Autor, wenn sich „großkotzige“ Einfamilienhäuser an „bescheidene“ reihen. Auch Hagnau ist ein Ort, an dem – vorsichtig gesagt – unterschiedliche Baustile so zu sagen auf engstem Raum aufeinander treffen und zu besichtigen sind. Nicht wohl fühlt sich Brauns außerdem in Rorschach und auch Ludwigshafen am See hat für seine Galerie offenbar einiges zu bieten. Ganz nah wäre ein Gebäude am Konstanzer Fischmarkt und auch ein Klotz im Paradies missfällt Patrick Brauns sehr. Die Stadt am Konstanzer Seerhein hat er ebenfalls unter Bausünden abgelegt. „Zu großstädtisch, zu kleine Fenster“, sagt er.

Serie mit Positivbeispielen reißt ab

Nein, als negativer Mensch möchte Patrick Brauns trotzdem nicht in Erinnerung bleiben. Deswegen verfügt er für alle Fälle auch über eine Serie mit Positivbeispielen. Er spricht vom Landgericht in Konstanz, dem Konstanzer Landratsamt und der Schmieder Klinik in Konstanz. Immerhin hätte an diesem sensiblen Uferabschnitt einmal ein Bodensee Tower entstehen sollen. Dieses Ungetüm hätte sich, wäre es tatsächlich hochgezogen worden, sicherlich nicht bei den Positivbeispielen, sondern in der Serie mit Negativbeispielen gefunden. Positiv? Negativ? Plötzlich kommt Patrick Brauns auch noch auf die in den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts entstandene Heidelmoos Siedlung mit den früheren Nutzgärten zu sprechen. Ob das jetzt eher ein Positiv- oder ein Negativbeispiel ist? Patrick Brauns ziert sich ein bisschen und meint „teilweise positiv“. Vielleicht kennt er ja jemanden, der dort wohnt.

Beleidigung des guten Geschmacks

Ein bisschen konkreter hätten wir es bitte: Wie definiert der Autor Bausünde? „Eine Bausünde ist eine Beleidigung des guten Geschmacks“, sagt Patrick Brauns. Kontraste tun dem Autor weh. „Ein Haus mit klaren Formen und Holzschindeln und daneben eine kitschige Villa“, klagt Brauns. Viel verkehrt machen können Hausbesitzer offenbar auch mit Fassadenfarben. Ein No Go ist es für ihn, wenn die Nachbarschaft „optisch beleidigt“ wird.

Stilbildung in den Schulen

Was er mit seiner Kritik erreichen will? Patrick Brauns fordert mehr Stilbildung. Das sei seine Botschaft. Die Schule sei hier gefragt, glaubt Patrick Brauns. So wie es aussieht scheint bei der Geschmacksbildung von Bauherren und mit der ästhetischen Erziehung des Haus besitzenden Menschen schon früh so einiges schief zu laufen. Wer es noch genauer Wissen möchte, müsste sich einfach einmal ein paar Bilder ansehen und könnte den Autor übrigens auch zu einem Vortrag einladen.

Kontakt: Hier geht`s zur Website von Patrick Brauns.

Fotos: wak/Patrick Brauns/Gute und schlechte Beispiele.

Ein Kommentar to “Patrick Brauns über sündiges Bauen am Bodensee”

  1. Fenedig
    23. August 2010 at 10:23 #

    Es ist sinnvoll, wenn sich Patrick Brauns auf „sündiges Bauen am Bodensee“ einlässt. Das ist allerdings ein weites Feld. Was „guter Geschmack“ ist, ist nicht mal unter so genannten „Experten“ einhellig, geschweige denn unterm „Fussvolk“, das von ganz anderen Denkmustern ausgeht. Geschmack trifft hier meistens auf persönliche Zweckmässigkeit, kaum auf Ästhetik und Zeit. Was überm Gartenzaun abgeht, berührt sowieso nicht mehr. Natürlich kann man sich generell über manche – und sogar viele! – Bauten ärgern, gar wundern vom Rest, der da von der Ausbildung an einer Hochschule übrig geblieben ist. Oder liegt es gar an der Ausbildung? Kann man ästhetisches, zeitgemässes Bauen überhaupt vermitteln oder liegt die Performanz letztlich bei der Persönlichkeit eines Architekten, eines Büros? Man könnte es fast meinen: Weder die einflussreichen Le Corbusier, Walter Gropius, Mies van der Rohe, um nur drei zu nennen, noch der grosse Peter Behrens – die Vorerwähnten arbeiteten alle zeitweise in seinem Büro -, noch z.B. der Bündner Peter Zumthor (Kunstmuseum Bregenz, Therme Vals, Eifelkapelle) „durchlitten“ eine klassische Architekturausbildung auf universitärer Stufe mit „Diplom“. Um in Konstanz zu bleiben: Die „Stadt am Seerhein“, die ein Berliner Architekturprofessor plante, ist doch gar nicht so schlecht. Da haben die städtebaulich verantwortlichen Gremien eine ordentliche Wahl getroffen. Was zu Kritik Anlass geben kann, ist die Abschottung der Bauten gegen die Reichenaustrasse hin, letztlich gegen das bestehende Petershausener Stadtgebiet. Da wäre etwas mehr urbane Sensibilität notwendig gewesen. Auch sind die beiden westlichen Baukörper deutlich zu nah an der Strasse. Ein leichte Rückversetzung hätte die Strassenenge befreit, die nun entstanden ist. Das ist vielleicht das, was Brauns als „zu grossstädtisch“ moniert. Die Wasserseite ist dagegen deutlich besser gestaltet. Von der HTWG-Seite her wirken die Proportionen urban angemessen. Es ist zu hoffen, dass es so bis zur Autobahnbrücke weiter geht. Aber in diesem Bereich herrschen planwirtschaftlich ganz andere Voraussetzungen und existieren mehrere unterschiedliche Interessen, die es zu vereinigen gälte. Abwarten!

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