Perfekte Rundumsicht vom „FS 2010“ auf den ganzen Bodensee

Neue Autofähre pendelt ab 9. Mai zwischen Konstanz und Meersburg

Konstanz (wak) Das noch namenlose Fährschiff „FS 2010“ ist die modernste Fähre, die vom 10. Mai an eine „schwimmende Brücke“ zwischen Konstanz und Meersburg schlagen wird. Passagiere haben während der nur 15-minütigen Überfahrt vom neuen mittlerweile 13. Fährschiff eine bisher nicht gekannte perfekte Sicht auf den Überlinger und den Obersee. Anders als auf dem Schwesterfährschiff Tabor bietet die neue Fähre den Passagieren gesteigerten Komfort und Sonnendecks, die wie auf den älteren Fähren wie auf der Fontainebleau oder der Fritz-Arnold mit bequemen Bänken ausgestattet sind.

Mehr als 82 Jahre schwimmende Brücke

Seit mehr als 82 Jahren verbindet die „schwimmende Brücke“ die Städte Konstanz und Meersburg. 72 Millionen Personenautos und 264 Millionen Fahrgäste hat die Autofähre über den See tarnsportiert. Am Anfang waren es auch Pferdefuhrwerke oder Vieh. Mehr als vier Milliarden Autokilometer hat die Fähre „gespart“, so Stefan Ballier, Geschäftsführer der Fähre bei den Konstanzer Stadtwerken. „Seit 1928 sind wir 409 Mal um die Erde gefahren“, sagte Ballier. 160 Fähremitarbeiter sind auf der Tag und Nacht verkehrenden Autofähre – auf mehreren Fährschiffen – rund um die Uhr im Einsatz.

186 Abfahrten jeden Tag

Gab es 1928 erst 32 Fahrten pro Tag, sind es heute bereits 186. Die Fährschiffe sind dabei immer ein bisschen größer und komfortabler geworden. Die neue Fähre „FS 2010“, die am Samstag, 8. Mai, auf der Mitte des Sees mit Hilfe der Taufpatenkinder Bleona Cakiqi und Tobias Neidhart getauft wird, ist die größte aller Zeiten. Sie ist noch einmal zehn Meter länger als die Tabor. 64 Personenautos oder 700 Fußgänger dürfen an Bord. Ziel der Stadtwerke ist es, mit der hohen Kapazität der Fährlinie die Wartezeiten immer weiter zu verkürzen.

Neue Formensprache auf dem Bodensee

Das „FS 2010“ ist ein modernes lichtdurchflutetes Schiff, das was Design, Formen und Atmosphäre betrifft, die älteren Schiffe und auch die Tabor weit hinter sich lässt. Im Innenraum fallen die warme Optik, hochwertige Materialen, die Riemenböden, eine lange Theke, viele kleine praktische fest installierte quadratische Tischchen auf bequeme Bänke auf, die eine Art Lounge-Atmosphäre schaffen. Vom Innenraum – und nicht nur vom Freideck – aus haben die Fahrgäste einen perfekten Rundumblick. Durch riesige Panoramascheiben blicken die Passagiere auf das Wasser und die Uferlandschaft. 350 Quadratmeter Glas sind verbaut worden. Stefan Ballier spricht von einem „maximalen Erlebniswert“.

Längliches schlankes Steuerhaus

Überhaupt wirkt das Schiff vollkommen durchdacht. Die Neigung der nicht zu steilen Treppen ist so, dass sie Passagiere gefahrlos begehen können. Sogar an Handläufe für Kinder haben die Planer gedacht. Ein Aufzug macht die neue Fähre barrierefrei. Wer auf dem Freideck steht hat – anders als bei der Tabor – den freien Blick nach vorn. Das Steuerhaus des neuen Schiffes wurde etwas schlanker oder schmäler und versperrt nicht mehr die Sicht. Auch kalte unbequeme Bänke finden sich auf dem „FS 2010“ nicht mehr.

Zwei MTU Motoren „Ironmen“ treiben das Schiff an

Innovativ ist das neue rund elf Millionen Euro teure Fährschiff aber nicht nur, was die Optik angeht. Zeichen setzt es auch, was die Motoren und die Energieeffizienz betrifft. Angetrieben wird das nach einer europaweiten Ausschreibung auf der Kressbronner Bodan Werft gebaute Schiff von zwei von der MTU gebauten Diesel-Mechanischen Aggregaten. Die jeweils etwa 1000 PS starken beiden Motoren heißen „Ironmen“. Bei dem zuverlässigen robusten Motorentyp handelt es sich um einen, der speziell für den Dauereinsatz auch auf Arbeitsschiffen oder in Mienen geeignet ist. Der Einsatz auf einem Fährschiff sei mit der härteste für einen Motor überhaupt. Das ständige Stopp an Go, das Wiederanlassen des noch nicht erkalteten Motors auf Kurzstrecken, beanspruchen die MTU Antriebe in höchstem Maße, so Wolfgang Boller von der MTU Unternehmenskommunikation.

Das neue Schiff ist aber nicht nur stark, sondern auch mit einem Rußpartikelfilter ausgestattet. 99 Prozent der Partikel würden nicht mehr an die Umwelt abgegeben, sondern blieben im Schiff zurück und würden entsorgt. Eine weitere Anforderung an das neue Schiff ist die Manövrierfähigkeit. Seit zwei Wochen trainieren die Mannschaften. Für Antrieb und Steuerung sorgen Voith-Schneider-Propeller, die Ruder und Vortrieb sind. Neu ist der „Bugwulst“, den Stefan Ballier aber lieber „Delfinschnauze“ nennt. Die optimierte Form verringert den Wasserwiderstand um 20 Prozent. Für die Stadtwerke sei das nicht nur aus Umweltgründen, sondern auch betriebswirtschaftlich interessant.

Mitfahrt zur Taufe auf Zuschauerfähren kostenlos

Am Samstag 8. Mai taufen die Konstanzer Stadtwerke ihr neues Schiff. Um 13 Uhr laufen vier Zuschauerfähren aus dem Staader Fährehafen und in Meersburg aus. In der Seemitte wird dann der Name des neuen Schiffes enthüllt. Die Mitfahrt auf den Zuschauerfähren (Zustieg bis 12.50 Uhr) ist kostenlos. Da alle Fährschiffe an der Taufe und der Formation teilnehmen, ruht der Verkehr der Autofähre ausnahmsweise von 12.30 Uhr bis 15.30 Uhr. Im Anschluss an die Taufe beginnt dann um 15.30 Uhr ein Bürgerfest auf dem William-Graf-Platz in Konstanz-Staad. Von 16 bis 19.30 Uhr am Samstag in Staad und am Sonntag noch einmal von 10 bis 17 Uhr im BSB-Hafen in Konstanz können Interessierte das Schiff besichtigen. Am 10. Mai nimmt es dann seinen Dienst auf.

Fotos: wak

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