Peter Lenk fordert Verlängerung für seine Papst-Skulptur

TIK-Aufsichtsrat entscheidet am 30. Juni hinter verschlossenen Türen

Konstanz (wak) Der 30. Juni ist ein Tag der Entscheidungen. In Berlin geht es in der Bundesversammlung um den neuen Bundespräsidenten. In Konstanz bei der Aufsichtsratssitzung der Tourist Information Konstanz (TIK) geht es um einen Gaukler. Der Gaukler, der einen Papst darstellt, und frech in der Mobilitätszentrale des Konstanzer Bahnhofs sitzt, soll ja bekanntlich weg. Begründung: Die Skulptur könnte religiöse Gefühle verletzten.

Entscheidungen über Ein- und Auszüge

In Berlin treten der Niedersachse Christian Wulff, für SPD und Grüne Joachim Gauck und für die Linke Luc Jochimsen an, um ins Schloss Bellevue einziehen zu können. In Konstanz geht Peter Lenk für seine satirische Papstfigur ins Rennen, um dessen Auszug aus dem Konstanzer Bahnhof zu verhindern. Die knapp zwei Wochen bis zum Tag der Entscheidungen nutzen – in Berlin und Konstanz – die Akteure, um für ihre jeweiligen Kandidaten zu werben. Wie die Abstimmungen ausgehen, ist bisher noch nicht entschieden – weder in Berlin noch in Konstanz.

Peter Lenks  Steilvorlage

Der Kunstschaffende Peter Lenk ist vorgeprescht und hat bereits eine Steil-„Vorlage“ für die TIK-Aufsichtsräte verfasst, nachdem diese zuletzt eher verstummt sind. Eckpunkte des Papiers sind folgende nicht mehr neue Feststellungen Lenks: Erstens, die Benedikt-Story der Bildzeitung sei „Blödsinn“ und musste von Bild widerrufen werden. Zweitens, dass religiöse Gefühle durch einen Gaukler verletzt werden ,wie der CDU-Landtagsabgeordneter Andreas Hoffman kund tat, sei lächerlich. Lächerlich sei auch, dass jegliche Kirchenkritik, auch satirische Kirchenkritik, im Vorfeld des Konziljubiläums zu unterbleiben habe.

Vorwurf: Landtagsabgeordneter Hoffmann „bildungsfern“

Seine Papstdarstellung hält Lenk für vergleichsweise wenig anstössig. „Schließlich sind wesentlich provokantere Papst-Skulpturen im Vatikan-Museum ausgestellt“, so Lenk. Eine „kulturelle Null“ wie Hoffmann könne den Imageschaden für Konstanz verzehnfachen, erklärte der Künstler. See-Online sagte Lenk heute weiter, er könne doch „einem wie Hoffmann nicht nachgeben“. Der Kunstschaffende bezeichnete den Landtagsabgeordneten im Gespräch auch als „bildungsfern“.

Vatikanischen Museen toleranter

Ein bisschen Nachilfe gibt Lenk dem Angeordneten aber gern über die Medien. Selbst die Vatikanischen Museen, die Musei Vaticani, die die päpstlichen Kunstsammlungen beherbergen und sich auf dem Territorium der Vatikanstadt befinden, zeigten wesentlich anstössigere Papstdarstellungen. In Erinnerung blieb Lenk ein von einem Spinnennetz umgebener Papst – das Spinnennetz stehe für Intrige – und ein betender Papst mit Dolchen statt Händen.

Lenk verwundert über Äußerungen des OB

Etwas befremdet ist Lenk darüber, dass der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank im Schweizer Fernsehen erklärt hatte,dass er vom Stuttgarter Staatsministerium nicht unter Druck gesetzt werde. Lenk gegenüber habe sich der OB in einem Vier-Augen-Gespräch nach Aussage Lenks anders geäußert. Enttäuscht ist Lenk auch, dass die Aufsichtsratsitzung nichtöffentlich sein wird.

Verlängerung für satirische Papst-Skulptur gefordert

„Wozu die Hektik?“, fragt Lenk und macht einen Vorschlag: Im einzelnen schlägt Lenk vor: „Die Figur bleibt, bis der Kurzsichtigste gemerkt hat, dass es sich nicht um Papst Benedikt handelt, sondern um einen Gaukler, der sich eine Tiara angeeignet hat.“ Der Aufsichtsrat könne ruhigen Gewissens der Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Konstanz ACK folgen und die Figur zunächst stehen lassen und näher erklären. Ende September könne entschieden werden.

Idee einer Galerie in der Mobilitätszentrale

„Wenn dann vom Vorstand mehrheitlich gewünscht wird, die Figur abzubauen, könnten andere Künstler in wechselnden Ausstellungen ihre Arbeit dort präsentieren“, schlägt Lenk vor. Die Provinzposse, angezettelt durch „Bild“ und profilsüchtige Landespolitiker, hätte für die Kunst in Konstanz dann noch etwas Positives. „Wir dürfen nur den Humor nicht verlieren“, wünscht sich Peter Lenk.


Foto: wak

Ein Kommentar to “Peter Lenk fordert Verlängerung für seine Papst-Skulptur”

  1. Fenedig
    18. Juni 2010 at 12:02 #

    Lenk versucht sich als oberster Hüter von „Kultur“ aufzuspielen, stellt andere ins Abseits, wenn diese über „sein Ding“ in der Mobilitätszentrale negativ befinden. Und er verteilt nun selbst – wie man lesen kann – Kulturnoten („bildungsfern“, „kulturelle Null“). Warum eigentlich diese unendliche Geschichte, dieses nimmermüde Herumwirbeln? Der Kern ist dabei simpel, und man darf es auch feststellen und sagen: „Sein Ding“ passt nicht in eine Räumlichkeit, in denen sich die ankommenden Gäste, auch Einheimische, einfach über die Stadt, die Region – und darüber hinaus, quasi „urbi et orbi“! – orientieren wollen und können, die Institution entsprechend als sinnvollen touristischen Service begreifen wollen – und mehr nicht! Es ist der falsche Ort, um sich andere Gedanken machen zu müssen – etwa religiöse! Dazu gibt es in der Stadt überall Gelegenheit profunderer Art. Dieses scheint der Bodmaner seit Monaten nicht zu begreifen. Da kann man halt wenig machen und nur hoffen! So wie Herr Hoffmann.

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