Peter Lenk sagt, danke Konstanz für die Publicity

Bildhauer kündigte an seine Papst-Skulptur im September zu entfernen

Konstanz (wak) Die Posse um den Papst in der Mobilitätszentrale des Konstanzer Bahnhofs neigt sich ihrem Ende entgegen. Bildhauer Peter Lenk hat angekündigt die Skulptur, die angeblich einen Gaukler darstellen soll, der sich frech eine Tiara aufgesetzt hat, spätestens im September freiwillig abzubauen. Die Papstskulptur ist tot. Es lebe der Künstler. Der Schelm vom Bodensee hat in den vergangenen Wochen wenigstens in eigener Sache einiges erreicht. Er könnte jetzt auch sagen: Vielen Dank Konstanz für so viel Publicity.

Systematischer Tabu-Brecher

Lenks Werke stoßen regelmäßig auf heftige Kritik, da er bewusst Tabus verletzt, zum Beispiel durch die Darstellung nackter Prominenter. Insofern ist die Debatte über die Papstfigur nichts besonderes, auch wenn die Figur weniger nackt als andere Lenk-Skulpturen wirkt. Überregional bekannt geworden ist der Bildhauer vom Bodensee vor allem durch die sich seit 1993 im Konstanzer Hafen drehende Imperia und zuletzt über den sogenannten Pimmel über Berlin, mit dem er im vergangenen Jahr Kai Diekmann verspottet hat.

Marketing der Kunstszene

Wenn in Finanznöte geratene Städte ihre Ausgaben dramatisch kürzen, werden auch die Räume für Kunst im öffentlichen Raum eng. Kein Wunder, dass da auch Künstler ihre Marketingstrategieen überdenken müssen. Auch Peter Lenk, der für seine Schläue bekannt ist, trommelt momentan ein bisschen lauter. Werbeagenturen gehen pleite. Das Web 2.0 verändert die Welt und Werbung funktioniert heute anders. Peter Lenk erreichte es wieder einmal, dass regionale und überregionale Print- und Onlinemedien über ihn redaktionell berichteten. Damit schaffte er es auch in die Sozialen Netzwerke und Mikroblogsysteme.

Kirche noch im Dorf

Wer am Sonntag bei Google den Suchbegriff Peter Lenk und Papst eingab, erhielt 5.510 Treffer. Zum Vergleich: Bei der Suchanfrage Wolfgang Zollitsch und Papst gab es 146.000 Treffer. Zollitsch ist bekanntlich Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Insofern haben die Medien und das Internet die Kirche aber doch noch im Dorf gelassen.

Wahnsinns-Idee Mini-Galerie auf dem Bahnhof

Nachdem der Aufsichtsrat der Tourist Information Konstanz (TIK) in der vergangenen Woche zwar nichtöffentlich getagt hatte, Aufsichtsratsmitglieder hinterher aber bereitwillig erzählten, wer wie abgestimmt hatte, sieht Lenk seine Forderung, das Abstimmungsverhalten öffentlich zu machen, erfüllt. Deshalb sei er nun auch bereit, die satirische und mutmaßlich kirchenkritische Skulptur, die einen nackten Papst Martin V. darstellen könnte, abzubauen. So ist das im Sommer 2010. Der Künstler selbst gibt sich zudem generös. Nun ja, sagte Lenk See-Online sinngemäß, er verstehe auch andere Künstler, die es in Jahren nicht schafften ihre Kunst auf öffentlichen Plätzen zu platzieren. Deshalb habe er nun vorgeschlagen, die Ecke in der Mobilitätszentrale des Konstanzer Bahnhofs, in der der derzeit noch das runzelige Pästlein sitzt, auch künftig als Ausstellungsfläche zu nutzen. Die TIK griff den Vorschlag des Bildhauers auf.

…es lebe der Papst

Peter Lenk hätte auch sagen können, er verstehe Neidhammel unter seinen Kollegen, die es nicht hin bekommen, sich mit ihren Werken ins Gespräch zu bringen. Auch die Mini-Galerie zwischen der Automatiktür und dem Internetcafé dürfte daran wohl nichts ändern. Voraussichtlich wird kein einziger Künstler, der in Zukunft im Bahnhof ausstellt, so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie es Lenk mit seinem Papst geschafft hat. Apropos Lenk: Was noch nicht allen Protagonisten, die an der Posse mitgewirkt haben, vollumfänglich begriffen haben dürften, ist, dass das Theaterspiel auch nach Abbau der Skulptur noch eine Weile weitergeht. Peter Lenk arbeitet die Vorkommnisse gerade literarisch auf und möchte sie als Theaterstück auf die Bühne bringen. Der Papst ist tot – es lebe der Papst, könnte es in Konstanz bald heißen.

Ein Kommentar to “Peter Lenk sagt, danke Konstanz für die Publicity”

  1. Fenedig
    5. Juli 2010 at 10:29 #

    Es sind die Medien, die bei solchen Themen kostenlose „Publicity“ für die jeweiligen Protagonisten schaffen. Beim „papstfixierten Bodmaner“ hält sich diese allerdings in regionalen Grenzen. Oft sind die Schreiber nur oberflächlich an der Sache dran, zücken dort die Tastatur, wo es scheinbar nach einer publikumswirksamen Kontroverse riecht. Die Berichterstatter sind als flexible Allgemeinpraktiker – nichts dagegen – aber meistens im Kern einer Materie nur unzureichend zuhause. Regelmässig erkennen sie allerdings die „Herrschenden“ als vorrangiges Ziel und die „gesunde Volksmeinung“ hat wiedermal zu brillieren. Die erhofften Emotionen bleiben so eine Zeit am Leben und das Aufmerksamkeitspotential erreicht einen gewissen Level. Das muss dann auch reichen. Zum sachlicheren Recherchieren fehlt oft Wissen und Zeit. Nur so ist bei Gelegenheit erklärbar, dass gar in der noblen, neuesten DIE ZEIT Jan Hus 1416 in Gottlieben (!) verbrannt wurde, nicht jedoch ein Jahr früher in Konstanz, wie es die Geschichtsschreibung verlangen würde. Papier oder Computer sind tatsächlich geduldig – so eben auch am „Konstanzer Bahnhof in Renovation“.

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