Philharmonie-Intendant: „Tür für Paul Amrod nicht zu“

Florian Riem hofft auf konkrete Vorschläge der Konzerthaus-Gegner

Konstanz (wak) Der Bürgerentscheid über das Konzert- und Kongresshaus hat in Konstanz tiefe Gräben aufgerissen. Das meint auch Florian Riem, Intendant der Südwestdeutschen Philharmonie. Riem möchte trotzdem in die Zukunft und nicht in die Vergangenheit schauen. Dass die Südwestdeutsche Philharmonie wenige Tage nach der Abstimmung über ein Konzert- und Kongresshaus auf Klein Venedig keine Lust auf ein Projekt mit Paul Amrod hatte, habe künstlerische Gründe. „Und es war der falsche Zeitpunkt“, sagte Riem. Er stellte klar: „Die Tür für Paul Amrod ist nicht zu.“

Zwei Tage nach dem Bürgerentscheid

Zwei Tage nach dem Bürgerentscheid stand Paul Amrod allerdings bei der Südwestdeutschen Philharmonie vor verschlossenen Türen. Das Büro von Florian Riem sei für ihn nicht erreichbar, behauptete Amrod. „Okay now the shit has hit the fan“, beklagte sich Amrod in einer Mail. Die Südwestdeutsche Philharmonie wollte zwei Tage nach dem Entscheid auch tatsächlich kein gemeinsames Projekt mit Amrod auf die Beine stellen.

Riem nicht nachtragend

Florian Riem macht gar keinen Hehl daraus. Dass der Musiker vor dem Bürgerentscheid auf einem Konzert der Konzerthausgegner im Neuwerk gespielt hatte, gefiel Riem nicht. Ja, sagte er, es wäre ihm natürlich lieber gewesen, wenn der Pianist vor dem Entscheid über ein KKH auf der Seite der Befürworter gestanden hätte. Aber nachtragend sei er nicht, sagte Riem. Amrod wirft er vor allem ein „falsches Timing“ vor. Ein gemeinsames Projekt sei nicht geplant gewesen, sagte Riem. Auch in der Vergangenheit habe es Projekte gegeben, die realisiert worden sind und solche, die nicht realisiert worden sind. Ausschlaggebend seien immer künstlerische Gründe gewesen.

Intendant setzt auf den Dialog

Nachtragend wirkt Riem tatsächlich nicht. Wenige Tage nach dem Bürgerentscheid war er zu einer Versammlung der Initiative „Nein-zu-Klein-Venedig“ gekommen. Riem hat das Treffen als eher konstruktiv in Erinnerung. Er sei für den Dialog, sagte Riem. Es sei richtig, dass sein Auftritt bei den Gegnern nicht allen Befürwortern gefallen habe. Er habe aber auch sehr viele positive Rückmeldungen bekommen. Dass er Amrod möglicherweise eine Absage erteilt haben könnte, weil er KKH-Befürworter nicht verärgern wollte, sei Quatsch. Beides habe nichts miteinander zu tun.

Nein sagen wäre zu wenig

Jetzt will Riem die ehemaligen KKH-Gegner in die Pflicht nehmen. Von den Gegnern erwartet Riem, dass zeitnah konkrete Vorschläge auf den Tisch kommen. Besonders auch von Mitgliedern des Gemeinderats, die sich vor dem Bürgerentscheid als Wahlkämpfer gegen das KKH engagiert hatten, erwartet er nun Ideen. Riem geht davon aus, dass KKH-Gegner wie Holger Reile oder Peter Müller-Neff am Ball bleiben. „Sie müssen beweisen, dass sie nicht nur nein sagen können“, so der Intendant der Südwestdeutschen Philharmonie. Einen Vorstoß könnte, so hofft der Intendant, auch die SPD machen. Riem setzt dabei auch auf Jürgen Leipold, den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat, den Riem für „durchsetzungsstark“ hält. Es sei aber immer schwieriger, etwas Neues zu schaffen als nur nein zu sagen.

Konsens: Orchester braucht Konzertsaal

Als Riem in der Woche nach dem Bürgerentscheid überraschend an einer Sitzung der KKH-Gegner teilgenommen hatte und den ersten Schritt machte, brachten ihm die Gegner viel Sympathie entgegen. Viele in der Versammlung – praktisch alle im überfüllten Saal des Hotels Zeppelin – äußerten an dem Abend den dringenden Wunsch, ein Konzerthaus in Konstanz zu bauen. Das Orchester brauche einen Konzertsaal, hieß es. Auch andere Gruppen sollten profitieren können. Riem seinerseits zeigte sich an dem Abend offen für viele Lösungen, viele mögliche Standorte und für einen Neubau genauso wie für die Umnutzung einer Gebrauchtimmobilie. Nur den Dreispitz in Kreuzlingen lehnte Riem ab, da er ungeeignet sei.

Fotos: wak

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