Politik-Prof erhält höchsten Wissenschaftspreis und 2,1 Mio. Euro

Konstanzer Prof. Dr. Christoph Knill vom Europäischen Forschungsrat ausgezeichnet

Konstanz (red) Der Konstanzer Politikwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Knill ist mit dem „ERC Advanced Grant“ des Europäischen Forschungsrates (European Research Council, ERC) ausgezeichnet worden. Es handelt sich dabei um den höchsten Wissenschaftspreis der Europäischen Union (EU). Mit den „ERC Advanced Grants“ werden gezielt bereits etablierte internationale Spitzenforscher gefördert, die durch herausragende Forschungsleistungen auf sich aufmerksam gemacht haben. Christoph Knill ist bisher nicht nur der einzige Wissenschaftler der Universität Konstanz, sondern auch der erste deutsche Politikwissenschaftler, der diese hohe Auszeichnung erhält.

Politikwissenschaftler forscht über Moralpolitik

Insgesamt kann Professor Knill in den kommenden fünf Jahren über knapp 2,1 Mio. Euro verfügen, um sein im Rahmen des Advanced Grants bewilligtes Forschungsvorhaben umzusetzen. Dabei untersucht er den Politikwandel im Bereich Moralpolitik — ein Politiktypus, zu dem bislang nur wenige Erkenntnisse vorliegen. Unter Moralpolitik werden typischerweise Bereiche zusammengefasst, die sich durch ausgeprägte gesellschaftliche Wertkonflikte auszeichnen, welche den politischen Prozess prägen. Neben Themen, die sich unter dem Stichwort „Leben und Tod“ vereinen, wie etwa Abtreibung, Sterbehilfe oder Todesstrafe, fallen hierunter auch die Regulierung von Suchtstoffen und Suchtverhalten sowie von Pornographie und Prostitution.

Das Forschungsprojekt

„Bislang wurde kaum untersucht, wie die Regulierung dieser Bereiche sich im Zeitablauf und im Ländervergleich verändert hat und welche Ursachen hierfür verantwortlich sind“, erläutert der Konstanzer Politikwissenschaftler, „es ist das Ziel unseres Forschungsprojektes, Antworten auf Fragen in diesen Bereichen zu finden.“ Zu diesem Zweck werden Prof. Knill und Mitarbeiter eine systematische und sehr aufwendige Analyse der relevanten Regulierungstätigkeit von 25 OECD-Staaten über einen Zeitraum von 30 Jahren (1980 bis 2010) durchführen. Auf der Basis der Analyse von Gesetzen und Verordnungen soll detailliert untersucht werden, wie und warum sich die Dichte und Intensität staatlicher Regulierung in den untersuchten Politikbereichen gewandelt hat.

Hohe Anforderungen an Datenerhebung

Gleichzeitig erlaubt es diese Vorgehensweise erstmals, den Wandel von Staatstätigkeit ganzheitlich und nicht nur für Einzelmaßnahmen zu erfassen. Die Untersuchung hat somit nicht nur in empirischer Hinsicht mit der Analyse eines bislang kaum untersuchten Policy-Typus Pioniercharakter, sondern betritt auch in theoretischer und konzeptioneller Hinsicht wissenschaftliches Neuland. Während Politikwandel bislang meist an ausgewählten Politiken untersucht wird, erfolgt hier eine Untersuchung von Politikwandel als Wandel der Regulierungstätigkeit eines gesamten Politikfeldes. Dieses Vorgehen stellt sehr hohe Anforderungen an die Datenerhebung und ist ausschließlich im Rahmen eines Großprojektes durchführbar.

Christoph Knill seit 2004 an der Uni Konstanz

Prof. Dr. Christoph Knill (Jahrgang 1965) wurde im Jahr 1994 an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld promoviert. Im Jahr 1999 erfolgte die Habilitation im Fach Politikwissenschaft an der FernUniversität Hagen. Im Jahr 2000 erhielt er einen Ruf auf die Professur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Europäische Studien an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die er bis zum Jahr 2004 inne hatte. Seit 2004 ist Christoph Knill Professor für Vergleichende Policy-Forschung und Verwaltungswissenschaft an der Universität Konstanz. Dort hat er seitdem mehrere große Forschungsprojekte geleitet (unter anderem die EU-finanzierten Großprojekte „ENVIPOLCON — Environmental Governance in Europe“ und „CONSENSUS — Confronting Social and Environmental Sustainability with Economic Pressure“).

Fotos:  Universität Konstanz

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