Praxistest Nachhaltigkeit in Konstanz: Unser neues grünes Leben

Team Ecolar baut energieautarkes Haus zum Wohnen am Seerhein – Hymer zeigte Hybrid mit emissionsfreiem Antrieb in Dingelsdorf

Konstanz. Unser neues, urbanes Leben ist grün. Die Nachhaltigkeitstage am vergangenen Wochenende haben gezeigt, wie Menschen in Zukunft emissionsfrei wohnen und mobil sein können. Auf dem ehemaligen Rugbyplatz bei der Hochschule am Seerhein bauen Studenten der HTWG ein Wohnhaus, das mehr Energie produziert als es verbraucht. Die Studierenden nehmen am internationalen Studentenwettbewerb „Solar Decathlon Europe“ teil. Auf dem Campingplatz Klausenhorn in Dingelsdorf bewegte der Verein Ecocamping Menschen mit E-Bikes und E-Rollern. Wer nicht nur fahren, sondern emissionsfrei reisen möchte, könnte das in Zukunft auch mit dem ersten funktionsfähigen Hybridmobil der Welt von Hymer tun. Das Reisemobil verfügt über einen Parallel-Hybrid mit freier Antriebswahl. Der Strom könnte auch von der Photovoltaikanlage des Energie autarken und Strom produzierenden Hauses auf dem Campus der HTWG kommen.

Modellhaus für Madrid

Urbanes Leben kann grün und fast emissionsfrei sein. Wie es geht, zeigen zum Beispiel die Studierenden in Konstanz. Nur 20 Hochschulen weltweit, darunter zwei deutsche, treten in einem vom amerikanischen Ministerium für Energie und der spanischen Regierung organisierten Wettbewerb gegeneinander an. Mit dabei sind Studenten aus Konstanz. Im September bauen sie ihr innovatives, emissionsfreies Modellhaus in Madrid auf. Der Probeaufbau hat am vergangenen Samstag am Seerhein begonnen. Zur Baueröffnung kam neben Kai Handel, dem Präsidenten der HTWG, HTWG-Professor Thomas Stark und vielen hoch motivierten Studierenden auch Minister Peter Friedrich (SPD) aus Stuttgart.

Nachhaltigkeit in der Praxis

Die grün-rote Landesregierung hatte die landesweiten Nachhaltigkeitstage initiiert. Peter Friedrich sagte, es komme darauf an, den Begriff Nachhaltigkeit mit „Anfassbarem“ zu füllen. Dreiviertel der Wohnbebauung entspreche heute nicht den energetischen Anforderungen. Wohnen verursache heute noch einen großen Teil der CO2-Emissionen. Kai Handel sagte, Nachhaltigkeit sei so etwas wie der Kantsche Kategorische Imperativ. Nachhaltigkeit habe, so Handel, auch mit Generationengerechtigkeit zu tun. Wissenschaft und Praxis müssten Hand in Hand gehen.

Prototyp kostet noch 350.000 Euro

Wie das geht, machen Konstanzer Studenten vor. Sie beteiligen sich an einem Wettbewerb, dessen Ziel es ist, ein architektonisch ansprechendes, komfortables und nachhaltiges Wohnkonzept zu entwickeln. Durch den Einsatz regenerativer Energien und innovativer Technologien soll der Standard eines Null-Engerie-Hauses erreicht werden. Die Studierenden verwenden nicht nur natürlich gewachsene Baumaterialen wie Hanf als Dämmstoff. Sie kombinieren sie auch neu und erzielen damit neue Effekte. Der Prototyp des zukunftsfähigen Hauses, das ausschließlich mit Geld von Sponsoren gebaut wird, kostet 350.000 Euro, so Matthias Fortenbacher. Er hat sein Studium gerade abgeschlossen und begleitet das Projekt.

Materialien, Kniffe und Innovationen

Das Konzept Ecolar Home setzt sich aus vier Begriffen zusammen: „ecologic“, „solar“, „economic“ und „modular“. Gebaut wird es im Baukastenprinzip. Jeder kann sich sein Haus den jeweiligen individuellen Bedürfnissen entsprechend selbst zusammenstellen. Ändert sich das Leben – ändert sich auch das Haus. Das Konstanzer Modellhaus ist eingeschossig und hat eine Wohnfläche von 70 Quadratmetern. Matthias Fortenbacher schwärmt vom Dach, der Fassade, der Sonneneinstrahlung, Lamellen, der Photovoltaikanlage, wie das Haus im Sommer kühlt gehalten und wie im Winter die Strahlen der flach stehenden Sonne optimal genutzt werden.

Emissionsfreies Reisen

Ein Carport ist in der schönen, neuen grünen Welt wahrscheinlich überflüssig, außer dort parkt das erste funktionsfähige Hybridmobil der Welt. Hymer stellte es am vergangenen Samstag auf dem Campingplatz Klausenhorn aus. Das Mobil erzählt von der Zukunft des geräuschlosen, emissionsfreien Reisens. Ausgestattet ist das Reisemobil mit einem – nicht emissionsfreien – Dieselmotor und einem Elektromotor. Vorerst erreicht der Prototyp mit dem Elektro-Antrieb – wenn der Dieselmotor nicht in Betrieb ist – eine Höchstgeschwindigkeit von 35 Kilometern pro Stunde und hat eine Reichweite von maximal 40 Kilometern. Der emissionsfreie Elektro-Antrieb ist an jeder 220-V-Steckdose aufladbar. Marco Walter, Geschäftsführer des Vereins Ecocamping, zeigte sich begeistert.

Fortbewegen mit E-Bikes und E-Rollern

Im Alltag fortbewegen werden sich Menschen in der neuen grünen, urbanen Welt voraussichtlich aber eher mit E-Bikes und E-Rollern. Fahrrad Joos und die Konstanzer Stadtwerke hatten ihre E-Mobile für Probefahrten mit nach Dingelsdorf gebracht, wo der Verein Ecocamping seinen Beitrag zu den Nachhaltigkeitstagen leistete. Ein Alltagsradler ist etwa ab 1.900 Euro mit einem E-Bike dabei. Die maximale Geschwindigkeit beträgt 25 Kilometer. Schnellere Zweiräder kommen heute sogar auf Tempo 45. Der Aktionsradius eines E-Bikes beträgt etwa 60 Kilometer. Um einen vollständig leeren Akku wieder aufzuladen, muss er vier bis fünf Stunden an die Steckdose. Die Ladegeräte sind etwas größer als Ladegeräte für Smartphones, wiegen aber nur etwa 400 Gramm.

Grünes Konstanz

E-Bikes und E-Roller sind perfekte Verkehrsmittel gerade in historischen Städten wie Konstanz, die nicht autogerecht gebaut sind. Zweiräder fahren in der Rushhour nicht nur am Stau vorbei – sie brauchen auch weniger Stellplätze in der Stadt. Was es braucht, sind aber Anschließmöglichkeiten für Fahrräder auf Fahrradparkplätzen. Davon gibt es in Konstanz bisher viel zu wenig. Apropos bauen: Konstanz wächst weiter. In der Stadt entstehen jedes Jahr etwa 300 Wohnungen –  im besten Fall sind sie in Zukunft weitestgehend emissionsfrei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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