Prof. Joan W. Scott über Dominique Strauss-Kahns Verführung

Historikerin meist zitierte Stimme in der New York Times und in der Liberation

Konstanz. Die amerikanische Wissenschaftlerin Joan W. Scott erläutert den Missbrauchsfall des ehemaligen IWF-Chefs anhand ihrer „French Seduction Theory“ an der Universität Konstanz. Der Vortrag findet statt am Dienstag, 11. Oktober 2011, um 19.15 Uhr im Senatssaal – V 1001 – der Universität.

Joan W. Scott renommierte Wissenschaftlerin

Der Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ und das Referat für Gleichstellung und Familienförderung der Universität Konstanz laden zu einem Vortrag der renommierten amerikanischen Historikerin Prof. Joan W. Scott (Institute of Advanced Studies, Princeton) ein. Joan W. Scott, die sich auf die Geschichte Frankreichs und die Geschichte von Frauen spezialisiert hat, ist eine international angesehene Wissenschaftlerin, deren Arbeiten in viele Sprachen übersetzt wurden. Gegenstand ihrer Forschung ist die Frage nach Differenz in der Geschichte: ihre Funktion, ihre Formen, ihre Institutionalisierung und ihr historisch variabler Ort in sozialen und politischen Zusammenhängen.

Geschlechterzugehörigkeit und Wirkung demokratischer Politik

Scotts jüngste Bücher konzentrieren sich auf das umstrittene Verhältnis von Geschlechterzugehörigkeit und der universellen Wirkung demokratischer Politik. Besonders in ihrem letzten Buch „The Politics of the Veil” (Princeton, 2007) untersucht und kritisiert Joan W. Scott das Gesetz gegen religiöse Symbole in öffentlichen Schulen Frankreichs als Anzeichen einer Assimilationspolitik und als Paradoxon von Säkularismus und Aufklärung.

Pressestimmen aus USA und Frankreich

In ihrem Vortrag an der Universität Konstanz wird Joan W. Scott anhand der Dominique Strauss-Kahn-Affäre auf diese Paradoxien eingehen. Prof. Scott war während der Strauss-Kahn-Debatte eine der meist zitierten Stimmen in der New York Times und in der Liberation.

Scotts Vortrag in englischer Sprache

Scotts Vortrag (in englischer Sprache) mit dem Titel „Seduction and French National Character: A Critical Analysis” zeichnet nach, wie die französischen Anhänger von Dominique Strauss-Kahn ihn sofort nach Bekanntwerden der Affäre in Schutz nahmen und seine Unschuld mit dem Verweis auf „Verführung“ beteuerten. Sie beriefen sich darauf, dass „Verführung“ als akzeptierte Form des französischen Nationalcharakters gelte, etwas, was die prüden Amerikaner einfach nicht verstünden.

Verführung in Frankreich

Joan W. Scotts Vortrag, den sie vor den Ereignissen in Strauss-Kahns Hotelzimmer in New York verfasste, erläutert ihre so genannte „French Seduction Theory” – die Art und Weise, wie zumindest seit 1989 republikanische Ideologien darauf beharren, dass „Verführung“ ein elementarer Bestandteil des französischen Nationalcharakters sei. Im Kontext von gängigen Klischees von französischer Sinnlichkeit (verglichen mit amerikanischem Puritanismus) konstruierten diese Ideologien, so Scott, eine Vorstellung des „Französischen“, die sich auch scharf von islamischer Kultur abhebe. Die „freizügigen” Sitten Frankreichs werden als natürlichere Art geschlechtlicher Beziehungen dargestellt; der Islam dagegen wird als unnatürliche Ablehnung menschlicher Sexualität dargestellt.

Der Vortrag findet statt am Dienstag, 11. Oktober 2011, um 19.15 Uhr im Senatssaal – V 1001 – der Universität Konstanz.

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.