Professoren über die Wissenschaft: Irrtum als Antrieb?

Vortragsabend an der Universität Konstanz zur Bedeutung des Irrtums in der Wissenschaftsgeschichte

Über Irrtümer in der WissenschaftKonstanz. „In jeder Wissenschaft geht der Irrtum der Wahrheit voraus, aber es ist besser, er geht voran als hinterher.“ Der Ausspruch des britischen Staatsmanns Horace Walpole könnte als Motto für den Vortragsabend „Irrtum als Antrieb? Eine etwas andere Geschichte der Wissenschaft“ dienen.

Zwei Professoren – ein Thema

Prof. Dr. Ulrich Wengenroth von der TU München und Prof. Dr. Bernhard Kleeberg von der Universität Konstanz nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven: der Technikge-schichte einerseits und der Geschichte der Wissenschaftsphilosophie andererseits. Zu der Veranstaltung am Mittwoch, 19. Januar 2011, um 18 Uhr in Hörsaal R 513 ist die Öffentlichkeit eingeladen.

Von wegen Erfolgsgeschichte

Der moderne Fortschrittsglaube sähe die Geschichte der Wissenschaft gern als einzige „success story“, als nahtlose Folge von genialen Erkenntnissen genialer Forscher. Dabei wird schnell übersehen, dass Durchbrüche zu Neuem das Neue typischerweise vorher nicht kannten oder gar falsch sahen. Fundamentale Irrtümer erwiesen sich oft als entscheidender Antrieb zur Umsetzung ganz unverhoffter Innovationen. Ulrich Wengenroth, Ordinarius für Geschichte der Technik an der TU München, erklärt: „Das wirklich Neue ist keine Extrapolation vorhandenen Wissens und vorhandener Technik in die Zukunft. Es ist eine Überraschung, die nur erlebt, wer vorher irrt.“

Ein Fall aus der Physik

Beispielsweise gingen in der Physik ab dem ausgehenden 17. Jahrhundert auch namhafte Forscher von der Existenz des Äthers aus, als Medium für die Ausbreitung des Lichts. Diese Annahme beziehungsweise die wissenschaftliche Diskussion darüber löste sehr produktive Forschungsarbeiten auf den Gebieten der Optik und Elektrodynamik aus. Spätestens seit der Relativitätstheorie Einsteins gilt der Äther als widerlegt.

Über Wahrheit und Irrtum

„Dass Irrtümer in den Wissenschaften anhand empirisch falscher Erklärungen von Tatsachen leicht zu identifizieren sind, ist selbst ein Irrtum“, bemerkt Bernhard Kleeberg, Juniorprofessor für die Geschichte der Geistes- und Sozialwissenschaften an der Universität Konstanz. Ein Blick auf Forschungspraktiken der Natur- und Geisteswissenschaften zeige, dass das Verhältnis zwischen Wahrheit und Irrtum komplizierter ist, wie der Forscher anhand wissenschaftsphilosophischer Positionen des 20. Jahrhunderts erläutern wird.

Zum Schluss eine Duiskussion

Ein Kommentar von Prof. Dr. David Gugerli, Professor für Technikgeschichte an der ETH Zürich, sowie eine offene Diskussion zum Thema runden den Abend ab. Die Veranstaltung, die der Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ und das Zukunftskolleg der Universität Konstanz gemeinsam organisieren, moderiert Prof. Dr. Clemens Wischermann, Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Konstanz.

Foto: Universität Konstanz

3 Kommentare to “Professoren über die Wissenschaft: Irrtum als Antrieb?”

  1. dk
    14. Januar 2011 at 01:40 #

    Die Erwähnung des „wissenschaftlichen Antriebs“ als positiven Antrieb in der Kopfzeile dürfte wesentlich sein.

    Beim Begriff tauchten vorgestern schon Fragen auf, ob „IRR-tum“ nicht nur mit „Irrweg“, „Verirrung“, sondern auch etwas mit „Irre sein (werden)“ zu tun hat.

  2. dk
    14. Januar 2011 at 01:42 #

    FALSCH = “wissenschaftlichen Antriebs”
    RICHTIG = “wissenschaftlichen Irrtums”

  3. Kontrolleur
    14. Januar 2011 at 06:14 #

    Und heute geht man davon aus, daß CO2 ein „Klimakiller“ sei und wir haben dieses Märchen in hunderten Gesetzen und Vorschriften zementiert, mit denen die Bürger gegängelt und terrorisiert werden. Wie werden sich unsere Nachfahren darüber amüsieren!

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