Sabine Seeliger will erste Konstanzer Oberbürgermeisterin werden

Grüne über Bürgernähe, Energiewende und den Verkehr – Doppelte Stimmenzahl für Sabine Seeliger

Konstanz. Zehn bis 15 Minuten Zeit gewährte die Mitgliederversammlung der Freien Grünen Liste (FGL) Konstanz den beiden Bewerberinnen jeweils, die für die Grünen bei der OB-Wahl antreten wollten. Sabine Seeliger (43) lag am Ende klar vorn. Sie punktete mit einem souveränen, anfangs auch piratigen Auftritt. Ihre Themen waren Bürgernähe, Energiewende und Verkehr. Zum Thema City-Maut sagte sie: „Straßen sind ein knappes Gut.“ Die City-Maut sei eine „Umkehrung des Anreizes“ zum Umstieg auf den ÖPNV.

Eine Kandidatin aus 35 grünen Bewerbern

Etwa 70 Interessierte, darunter nicht nur Grüne, waren ins Restaurant Seerhein gekommen, um beim finalen Casting der Grünen dabei zu sein. 42 Mitglieder der Freien Grünen Liste Konstanz stimmten am Ende ab. 14 gaben ihre Stimme Christiane Kreitmeier. 28 oder doppelt so viel wählten Sabine Seeliger. Ursprünglich hatten sich 23 Bewerberinnen und Bewerber bei den Grünen gemeldet, 17 weitere wurden den Grünen in Konstanz empfohlen, so Marco Walter, der in der Findungskommission die Basis vertreten hatte. Acht Frauen und Männer aus den 35 Bewerbern hatten die Konstanzer zu einem Gespräch eingeladen. Vier stellten sich am vergangenen Freitagabend noch der erweiterten Findungskommission vor. Zwei Konstanzer Frauen machten das Rennen. Sabine Seeliger und Christiane Kreitmeier waren gesetzt und präsentierten sich am Mittwochabend den Mitgliedern.

Über Sabine Seeligers Leben

Zu Beginn wirkte Sabine Seeliger (43) noch ein bisschen nervös. Die promovierte Biologin ist mit Günther Schäfer, dem früheren Landtagsabgeordneten der Grünen, verheiratet. Ihre Söhne sind von zwölf und drei Jahre alt. Bei Sunways ist sie für alles zuständig, was mit Patenten, Linzenzen und Markensachen zu tun habe, sagte Seeliger. Von 1994 bis 2000 gehörte sie dem Konstanzer Gemeinderat an. 1998 kandidierte sie in Konstanz dann für die Grünen für den Bundestag. Damals erhielt sie bei der Wahl mehr Erst- als Zweitstimmen. Später war sie noch Mitglied des Kreistags.

Über Kommunales online abstimmen

Bei ihrer Vorstellung sagte Sabine Seeliger, dass sie für Bürgernähe und Transparenz stehe. Sie sprach von einem Politikstil der Beteiligung. Das seien ursprünglich grüne Themen. Neue Medien eröffneten neue Möglichkeiten. Sabine Seeliger sprach von einer neuen politischen Kultur, bei der sich Menschen punktuell einmischen. Als Oberbürgermeisterin würde sie frühzeitig Informationen bereit stellen. Sie könnte sich vorstellen, in der Kommunalpolitik ein Verfahren einzuführen, das sie vom Petitionsverfahren für den Deutschen Bundestag abgeschaut hat. Bürger könnten Anliegen online stellen und online Unterschriften sammeln. So könnten Themen eine Wichtigkeit erlangen und es auch in den Gemeinderat schaffen.

Seeliger: Kampf von gestern

Den Verkehr bezeichnete Seeliger als das „große Leidensthema“ in Konstanz. Wer heute noch behaupte, grüne Konzepte seien „Schreckensszenarien“, führe den „Kampf von gestern“. Jugendlichen sei heute das iPad wichtiger als ein Auto. Aufgrund der Kosten sei das Umsteigen vom eigenen Auto auf Carsharing eine Alternative. Parkflächen auf dem Döbele seien für sie keine Glaubensfrage. Sie sagte das auch in Richtung Handel: „Ich bin sehr dafür, dass jeder sagt, was wir möchten.“ Sie wolle acht Jahre in Konstanz Spielräume suchen.

Seeligers Ziele: Visionär aber vage

Sabine Seeliger überzeugte, in dem sie nur die großen Linien aufzeigte, aber ansonsten eher vage oder visionär blieb. Auf die Frage nach einem Konzertsaal erinnerte sie an zwei Bürgerentscheide und sagte das Orchester müsse vorerst im Konzil oder vielleicht auch im Kreuzlinger Dreispitz spielen. Grundsätzlich nein zu einem Konzertsaal oder Tagungsstätten sagte sie aber nicht. Gepunktet hat sie mit Sozialem. Sie könnte sich eine familienfreundliche Verwaltung vorstellen, in der Eltern ausnahmsweise auch ihre Kinder mitbringen könnten, wenn sie keine Betreuung haben. Zum Glasverbot sagte sie, dass sie zusammen mit ihrem Mann eine Mosterei betreibe, die die Klage unterstütze. Statt das Mehrwegsystem zu fördern, begünstige die Regelung am Ufer  Plastikflaschen und Dosen. Es sei falsch, mit pauschalen Verboten zu reagieren.

Kreitmeier: Mehr Realpolitik als Visionen

Christiane Kreitmeier (48) tat sich schwerer als Sabine Seeliger. Mutmaßlich aufgrund ihrer Arbeit im Gemeinderat kannte sie viele Details. Sie sagte, ihr Thema sei die Bürgerbeteiligung. Sie sprach von Dialogformen neben der repräsentativen Demokratie. Statt sich an politischen Leitplanken zu orientieren, ging sie oft gezielt auf Realpolitik ein und zählte Einzelheiten wie Busse, Carsharing, P+R, Radwegenetz oder Fahrradabstellplätze auf. Mit einfachen Antworten tat sie sich schwer. Zum Glasverbot sagte sie zum Beispiel: „Es gab Handlungsbedarf.“ Sie habe im Gemeinderat dafür gestimmt. Über einen möglichen Ausstieg aus dem Katamaran-Verkehr sagte sie, die Frage sei, ob es einen Ausstieg geben könnte, ohne Zuschüsse zurückzuzahlen. Sie weiß, dass es in der Kommunalpolitik immer wieder Kompromisse geben muss. Maximalpositionen sind schlecht durchsetzbar. Zur City-Maut sagte Kreitmeier, sie würde eher Alternativen zur Einfahrt in die Stadt anbieten. Insgesamt eine dreiviertel Stunde lang durften Anwesende Fragen stellen. Anschließend stimmten sie in geheimer Wahl ab.

Maximal 20.000 Euro für den Wahlkampf

Die Freie Grüne Liste (FGL) wird die Grüne OB-Kandidatin finanziell unterstützen. Sie will zwei Drittel der Kosten übernehmen und maximal 20.000 Euro bezahlen. Der Wahlkampf soll voraussichtlich 30.000 bis 35.000 Euro Kosten. Geld geben will auch noch der Kreisverband. Außerdem hoffen die Grünen auf Spenden. Die Differenz muss die Kandidatin bezahlen. Über die finanzielle Unterstützung hatte die Mitgliederversammlung am Mittwochabend entschieden, bevor die Bewerberin feststand.

Ein Kommentar to “Sabine Seeliger will erste Konstanzer Oberbürgermeisterin werden”

  1. Fafnir
    26. April 2012 at 19:29 #

    Lustige Sprache. „Umkehr des Anreizes“ ist ein linksgrüner Dialekt aus vergangener Zeit und bedeutet „Zwang“.

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