Satinsky-Nachfolger soll sich auf Annonce melden

Südkurier in Konstanz sucht Chefredakteur per Stellenanzeige

Konstanz (wak) Das Südkurier-Medienhaus sucht per Annonce einen Chefredakteur. Das ist kurios. Seit dem Abgang von Chefredakteur Thomas Satinsky, der die Regionalzeitung überraschend verlassen hatte und als geschäftsführenden Verleger zur Pforzheimer Zeitung wechselte, ist die Stelle des Chefredakteurs unbesetzt. Zu finden ist die Südkurier-Annonce, mit der das Medienhaus eine Art eierlegende Wollmilchsau sucht, in Print- sowie Online-Stellenmärkten. Dass eine Zeitung per Stellenanzeige nach einem neuen Chefredakteur sucht, ist eher ungewöhnlich. Normalerweise werden solche Jobs eher unter der Hand oder über Beziehungen vergeben. Meist sind Headhunter unterwegs, die einen passenden Bewerber suchen und Kontakte knüpfen.

Mit Stefan Lutz wehte Wind der Veränderung herein

Derzeit springt in Konstanz noch Vize-Chefredakteur Stefan Lutz in die Bresche. Er leitet die Redaktion kommissarisch, bis ein Nachfolger gefunden ist. Lutz, der am Bodensee, im Schwarzwald und am Hochrhein neue Akzente setzte und die Lokalberichterstattung anders ausrichtete, arbeitete, bevor er nach Konstanz kam, in leitender Funktion für das Hamburger Abendblatt und Bild. Vor seinem Wechsel nach Konstanz war er als Chef vom Dienst für das Online-Ressort des Hamburger Abendblatts verantwortlich. Lutz brachte frischen Wind mit und ersetzte das Eigengewächs Dieter Wacker, der als Heimatchef nicht mehr gebraucht wurde.

Demnächst Überraschungsei in Briefkästen

Die Regionalzeitung Südkurier erscheint derzeit nach wie vor mit einem im eigenen Haus produzierten Mantelteil. Nach Angaben des Medienhauses werden momentan 17 Lokalausgaben mit einer Auflage von mehr als 140.000 Exemplaren produziert. In wenigen Wochen wird die Tageszeitung erstmals in einem neuen, kleineren Format und auch sonst ein bisschen verändert erscheinen und den Abonnenten als neues Überraschungsei in die Briefkästen gesteckt.

Der Neue muss online fit sein

In der Stellenanzeige des Medienhauses heißt es: „Das Südkurier Medienhaus ist ein regional führendes Medien- und Dienstleistungsunternehmen unter dem Dach der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. In den letzten Jahren hat sich unser Unternehmen von einem klassischen Zeitungsverlag durch vielfältige Veränderungen zu einem modernen Medienhaus entwickelt und sich den Herausforderungen demografischer Entwicklung und verändertem Nutzungsverhalten in einer online-geprägten Welt gestellt.“ Auch beim Südkurier, der erst seine Millionen teure neue Druckerei in Betrieb nahm, hat sich also herumgesprochen, dass das Internet immer wichtiger wird. „Unser Online-Auftritt ist das führende Nachrichtenportal im Südwesten“, wirbt der Südkurier in der Stellenanzeige. Offenbar soll sich der oder die Neue denn auch mit dem Onlinegeschäft bestens auskennen.

Rainer Wiesners Anforderungsprofil im Detail

Die Rede ist in der Anzeige auch davon, dass eine hohe Affinität zur Region und den Menschen sowie Lebensart und Wertewelt im Südwesten Deutschlands eng verknüpft seien mit dem Streben nach journalistischer Qualität und unternehmerischem Erfolg. Klingt erst einmal ein bisschen blumig, bevor dann Klartext folgt: Der Neue soll die „publizistische Führung“ verstärken. Als Aufgaben (to do Liste für den Chefredakteur) aufgelistet sind im Einzelnen: „Verantwortung für die publizistische und gestalterische Ausrichtung unserer Tageszeitung, Steuerung und Planung der Lokalausgaben mit Ihrem Team nach journalistischer Qualität, Erfolg im Lesermarkt und Leserrelevanz, Verantwortung für die laufende Weiterentwicklung des redaktionellen Konzeptes in Anpassung an sich wandelnde Markt- und Nutzerbedürfnisse, Crossmediales Denken und Arbeiten, Managementfunktionen innerhalb der kaufmännischen Steuerung des Redaktionsbudgets und der redaktionellen Projekte, Führung einer hoch motivierten und professionellen Redaktionsmannschaft, die bereit ist, sich den den Herausforderungen eines verändernden Medienmarktes zu stellen“.

Kein Wort über Zukunft des Mantels

Wie der Verlag sein redaktionelles Konzeptes an „sich wandelnde Markt- und Nutzerbedürfnisse“ anpassen will, ist nicht näher ausgeführt. Kein Wort also zum Beispiel darüber, ob Geschäftsführer Rainer Wiesner auch in Zukunft noch einen teuren eigenen maßgeschneiderten Mantel für die Leser im Südkurier-Land fertigen lassen will. Satinskys Abgang war auch mit einem möglichen Wegfall des in Konstanz exklusiv für den Südkurier gefertigten Mantelteils, also der Seiten Politik, Land, Vermischtes, Wirtschaft und Kultur, in Verbindung gebracht worden. Medienberichten zu Folge soll Satinsky sinngemäß geäußert haben, dass der Wegfall des Mantels mit ihm nicht zu machen sei.

Kundenorientiertes Denken vom obersten Redakteur gefordert

Die eierlegende Wollmilchsau stellen sich das Medienhaus und Rainer Wiesner – kurz gesagt – als Ideengeber und Motivator vor, der „multimedial, innovativ sowie kundenorientiert“ denkt. Leser dürften in der modernen Sprache des Medienhauses unter den Begriff Kunden fallen – außer mit Kunden wären lediglich Anzeigenkunden gemeint, denen Zeitungen gern eine redaktionelle Wohlfühlumgebung bereiten. „In unserer Organisationskultur arbeiten Sie mit hoher Einsatzbereitschaft bereichsübergreifend mit Kollegen und stehen in Kontakt mit allen wichtigen Zielgruppen und Entscheidungsträgern in der Region“, heißt es weiter in der zum Beispiel in der F.A.Z. am Fasnachtssamstag, 13. Februar, auf der Seite C13 erschienenen Annonce. „Mit Ihrer aufgeschlossenen Persönlichkeit und der Leidenschaft zur journalistischen Arbeit können Sie Menschen begeistern und für sich und uns gewinnen.“ Charismatiker, die Satinsky-Nachfolger werden wollen, bitte dringend melden.

Foto: Ernst Rose PIXELIO

www.pixelio.de

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