Saxophone goes Klassik: Swiss Saxophone Orchestra in Konstanz

Zwanzig „Saxer“ spielen in der Lutherkirche – Harry White und Orchester spielen Edvard Grieg und Dmitri Schostakowitsch

Konstanz. In seinem dritten Jahr präsentiert das zwanzigköpfige Swiss Saxophone Orchestra unter der Leitung von Harry White Werke von Grieg, Schostakowitsch, Lloyd Webber und eine Bearbeitung von Tessiner Tänzen.

Swiss Saxophone Orchestra

Als der Belgier Instrumentenbauer Adolphe Sax in den 1840er-Jahren ein Instrument entwickelte, das er nach sich selbst benannte, waren Mozart und Beethoven bereits tot, und das Symphonieorchester der europäischen Klassik hatte zu seiner endgültigen Form gefunden. Das Saxophon schien ein Zwischending, das nirgends so recht reinpasste. Selbst die Unterstützung durch Hector Berlioz brachte dem Instrument keinen durchschlagenden Erfolg. Erst mit dem Jazz begann der Siegeszug der Saxophon-Familie, die inzwischen auf sieben Instrumentengrössen in verschiedenen Tonlagen gewachsen war – doch die Klassik im weiten Sinne blieb ihr verwehrt. Dass dies nicht sein muss, beweist das Swiss Saxophone Orchestra 2011.

20 Saxophonisten vereinigen sich zu Orchester

Unter der Leitung des amerikanischen Sax-Virtuosen Harry White haben sich zwanzig Saxophonistinnen und Saxophonisten aus der Deutschschweiz und Süddeutschland zusammengefunden, um Werke von Edvard Grieg oder Dmitri Schostakowitsch einzustudieren. Das 2009 gegründete Projektorchester ist das einzige seiner Art in der Schweiz. „Die Herausforderung dieser Musik“, so Initiantin und Musiklehrerin Suzanne Büeler, die auf dem Sopransax den Geigenpart mimt, „ist es, einen Gesamtklang zu schaffen, der dem Geist der Kompositionen gerecht wird.“ Dass ein Saxophon niemals eine Geige, eine Bratsche oder ein Cello ersetzen kann, gibt der Idee des Sax-Orchesters zusätzlich Auftrieb. Letztlich ist es ein Experiment und es geht um die eigenständige Interpretation, die der Komposition den Respekt zollt, die sie verlangt. „Ein wenig ist es vergleichbar mit den Tüftlern, die aus Klängen von alten Game-Konsolen ein ganzes Miles-Davis-Album zusammengebaut haben. Alles klingt anders, doch die Musik ist quer durch die Zeit hindurch erkennbar. Man versteht es als Reverenz an einen grossen Künstler“, sagt Christian Hänggi, der sich ein 6,5 kg schweres Bariton-Sax umgeschnallt hat.

Klangarbeit von Klassik bis Musical

Der Weltklasse-Musiker und Grieg-Spezialist Harry White ist ein Garant dafür, dass die zwanzig Amateur- und Profi-Saxer dem Geist der ursprünglichen Musik nahekommen. Hat eine Passage in den oberen Lagen nicht die nötige Leichtigkeit, erzählt er eine kurze Anekdote und lässt die Alt- und Sopransaxophone die Stelle so lange wiederholen, bis sie sitzt. „Dieses Jahr haben wir ein Programm gewählt, das technisch weniger anspruchsvoll ist als in den letzten beiden Jahren“, sagt Isam Shéhade, der mit Suzanne Büeler 2009 das Orchester auf die Beine gestellt hat. „Wenn sich zwanzig Musikerinnen und Musiker nur für ein Projekt treffen, dann braucht es viel Zeit, um sich zu finden und aufeinander einzugehen. Dieses Jahr wollen wir in erster Linie an der Klangkultur arbeiten.“ Damit auch die Popmusik in dieser ausgefallenen Formation zum Zug kommt, hat er Andrew Lloyd Webbers „Phantom of the Opera“ eigens für das Orchester arrangiert.

Raritäten in tiefen Lagen

In der Tat weist das Repertoire über die Klassik des zwanzigsten Jahrhunderts hinaus. Die Tessiner Tänze, die der Komponist Edward Rushton für Sax-Orchester gesetzt hat, dürften zu einem Höhepunkt der Konzerte werden. Im Zentrum – und nicht zu übersehen – steht Christine Kessler, die auf dem Tubax soliert. Das Tubax ist ein saxophonähnliches Instrument von gewaltigen Dimensionen, das um das Jahr 2000 entwickelt wurde und in den tiefsten Tonlagen spielt. Diese sonore Rarität zu sehen und zu hören, ist Grund genug, eines der Konzerte des Swiss Saxophone Orchestra in Netstal, Konstanz oder Olten zu besuchen. Überhaupt grenzt die Besetzung der tiefen Lagen mit vier Bariton- und zwei Bass-Saxophonen sowie erwähnter Tubax an ein Kuriosum, das man sich nicht entgehen lassen dürfte. Doch ungeachtet der grössten Vertreter ist ein Orchester mit zwanzig Saxophonen, das die Peer Gynt Suite Nr. 1, Fugen und Präludien aus der Feder Schostakowitschs oder eine New Orleans-Nummer spielt eine Seltenheit, die es in diesen Breitengraden kaum zu erleben gibt.

Termin

Samstag, 5. November, 17 Uhr Lutherkirche Konstanz

Hier geht’s zum Swiss Saxophone Orchestra

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