Schelte für den Konstanzer Taximörder-Anwalt

„Law Blog“ kritisiert Äußerungen des Konstanzer Strafverteidigers über Andrej W.

Konstanz. Udo Vetter, Fachanwalt für Strafrecht und Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Düsseldorf, hat auf seinem „law blog“ dem Konstanzer Strafverteidiger Klaus Frank die Leviten gelesen. Der Strafrechtler hält es nicht für korrekt wie sich Frank nach der Flucht des verurteilten Taximörders öffentlich äußerte. Der Jurist hält einige Aussagen von Frank offenbar mindestens für „grenzwertig“. Klaus Frank reagiert auf Blogbeiträge nicht. Er wollte zu Udo Vetters Aussagen keine Stellung nehmen.

Angeblich anstössige Aussagen

Udo Vetter schreibt wörtlich: „Falls der nach einer spektakulären Flucht gefasste Friedrichshafener Taximörder Andrej W. Langeweile hat, kann er ja mal über Zivilprozesse nachdenken. Zum Beispiel gegen seinen Anwalt, den Pflichtverteidiger Klaus Frank aus Konstanz.“ Der Jurist ist offenbar empört über Äußerungen Franks über dessen Mandanten.

So äußerte sich Frank in Medien

Vetter lässt ein wörtliches Zitat aus der Schwäbischen Zeitung folgen, in der Frank über seinen ehemaligen Mandanten sagte, Andrej W. habe „so viele Schädigungen und Traumata, dass er eigentlich nicht heilbar“ sei.  Andrej W. werde wohl „für immer in der geschlossenen Psychiatrie bleiben“. Im Südkurier hatte sich Frank nach der Flucht seines ehemaligen Mandanten ähnlich geäußert: Er gehe davon aus, dass Freiheit das Fluchtmotiv gewesen sei. In einem Wortlaut-Interview sagte der Pflichtverteidiger dem Südkurier fast dasselbe wie der Schwäbischen Zeitung: „Ich glaube nicht, dass er von sich aus rauskommt, vermutlich wird er nicht geheilt werden können.“

Rügen von Juristen-Kollegen

Udo Vetter urteilt nun: Den eigenen Klienten öffentlich als geschädigt, traumatisiert und unheilbar darzustellen, gehöre nicht zu Aufgabe eines Verteidigers. Das sei unprofessionell. Vetter steht mit seiner Einschätzung und Kritik anscheinend auch nicht alleine da. „Der Kollege Frank sollte sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, die anwaltliche Schweigepflicht gilt auch nach Beendigung des Mandats!“, schrieb am Montag ein Kommentator auf See-Online. Der Besucher kommentierte die Ankündigung eines Auftritts von Frank, der in dieser Woche in einer Reihe des Arbeitskreis Kritischer JuristInnen (AKJ) an der Uni Konstanz einen Vortrag hielt. Der Termin stand bereits seit Januar fest. Der Vortrag beschäftigte sich mit der„ Notwendigkeit bereits bei der Aufnahme des Mandats die Straferwartung mit in die Verteidigungsstrategie einzubeziehen“. So hatte es Frank in einem Abstract geschrieben. Anstössig war das nicht. 200 Zuhörer, vor allem Studierende, kamen in den Hörsaal.

Frank redet nicht über Blogs

Klaus Frank sagte See-Online, er sage öffentlich nur, was in der öffentlichen Hauptverhandlung gesagt worden sei. Das dürfe er auch, nachdem das Urteil Rechtskraft habe. Zu Blogbeiträgen nehme er grundsätzlich keine Stellung.

Hemdsärmelig und auskunftsbereit

Während des Prozesses hatte Frank gesagt, es gehe nicht darum, seinen Mandanten„rauszuhauen“. Der Anwalt bezeichnete seine Arbeit auch im Falle des Taximörders stets als professionell. Es gehe um einen„ fairen Prozess“, hatte Frank erklärt. Letzteres haben er und die anderen Beteiligten wohl erreicht, auch wenn Frank gelegentlich ein bisschen hemdsärmelig wirkte und Medien gegenüber während des Prozesses stets bereitwillig Auskunft gab.

 

2 Kommentare to “Schelte für den Konstanzer Taximörder-Anwalt”

  1. maria
    12. Mai 2011 at 19:58 #

    es ist unglaublich,was da in deutschland abgeht.über manches wird seitenlang berichtet.aber diese psychologen von dem taximörder würde ich gene mal in seine zelle sperren,oder seine familie.
    ist nicht zu fassen,dass die presse nicht mehraufgreift.

  2. Moe
    13. Mai 2011 at 11:01 #

    Herr RA Vetter hat Recht mit seiner Schelte.
    Dass Herr RA Frankein eine etwas seltsame Vorstellung von seinen Aufgaben als Strafverteidiger hat zeigt sich nicht nur in seinen unangemessenen Äusserungen in der Öffentlichkeit, sondern auch im Abstract des angesprochenen Vortrags, ich zitiere:

    „Der Vortrag beschäftigt sich mit der Notwendigkeit bereits bei der Aufnahme des Mandats die Straferwartung mit in die Verteidigungsstrategie einzubeziehen. Insbesondere sind dabei die vielfältigen Möglichkeiten der Strafvollstreckung in Betracht zu ziehen, um einerseits ein dem Täter gerecht werdendes Urteil zu erkämpfen, zum anderen um den gesellschaftlichen Anspruch auf Vergeltung und Resozialisierung gerecht zu werden. Ebenfalls von Bedeutung ist, ob man als Wahlverteidiger mandatiert wurde oder als Pflichtverteidiger von Amtswegen bestellt wurde. Gerade am Konstanzer Taximörderfall kann diese Problematik für die Praxis besonders gut verdeutlicht werden.“

    1. Ein Strafverteiger hat sich um seines Mandanten Belange zu kümmern, die Durchsetzung eines gesellschaftlichen Vergeltungsanspruchs ist nicht seine Aufgabe. Sehe ich das falsch?

    2. Von Herrn Frank wird man also anders behandelt, wenn man ihm das Mandat als Pflichtverteidiger denn als Wahlverteidiger anvertraut? Das lässt zumindest für die selbstzahlenden Mandanten hoffen.

    Leider wird sich Herr Frank nicht zu diesen Fragestellungen äussern, da er im Bezug auf Blogbeiträge nicht kritikfähig ist.

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