Schlaflos im Hochsommer am Konstanzer Seerhein

31 Kilometer Bodensee-Ufer und öffentliche Badeplätze – Nervöse Anwohner schreiben Brief

Konstanz. Nach einer Woche Hochsommer im August fühlen sich Anwohner in den Hofgärten am Konstanzer Seerhein und an der Seestraße wieder durch nächtliche Randale belästigt. Der Konflikt hat sich in den vergangenen Tagen und Nächten erneut zugespitzt. Entspannung bringt voraussichtlich das Wetter. Am Freitag dieser Woche erreicht eine Kaltfront den Bodensee. Sie dürfte Partys und Gelage am Ufer jäh beenden.

Ufer ist ein öffentlicher Badeplatz

Tausende Konstanzer zieht es bei Temperaturen von mehr als 30 Grad ans Wasser. Die 31 Kilometer Bodensee-Ufer in Konstanz zwischen Stromeyersdorf und Staad haben sich in einen einzigen öffentlichen Badeplatz verwandelt. Tausende nutzen den öffentlichen Raum zum Sonnen, Baden, Spielen, Grillen und Feiern. Parkbesucher spielen auf der Gitarre, andere spannen ein Gummiband und balancieren zwischen zwei Bäumen oder lassen ihre Hunde über Liegewiesen tollen.

Weniger Glasscherben vor Hofgärten

Das seit Ende Juli vom Herosépark bis zur Schmugglerbucht geltende Glasverbot hat die Verletzungsgefahr beim Baden erheblich gemindert. Vor den Hofgärten finden sich kaum mehr Scherben im Wasser. Das sagen Bewohner der Stadt am Seerhein, die regelmäßig gefährliches Glas im Wasser aufgesammelt haben. Die Mengen sind kleiner geworden. Der Rettungswagen war an den vergangenen Badetagen vor den Hofgärten nicht im Einsatz. Es seien wieder mehr Familien mit kleinen Kindern da, sagen Hofgärten-Bewohner.

Nachts wird es laut am Ufer

Wenn es Abend wird, brechen die alten Konflikte zwischen Anwohnern und Nutzern des öffentlichen Raums wieder auf. In der Herosépark und die Seestraße wird es in den tropischen Nächten mit Temperaturen von noch weit über 20 Grad laut. Anwohner beklagen sich über Ruhestörungen. In der Nacht auf vergangenen Sonntag nervte ein Motorboot, das auf dem Seerhein und im Obersee unterwegs war und nach Mitternacht noch ganze Wohnquartiere beschallte. Viele schlaflose Anwohner beschwerten sich genervt bei der Polizei. In der Nacht auf Dienstag gab eine Sänger ein nächtliches Gratiskonzert – Beifall brandete auf.

Brandbrief ins Rathaus

Am Montag haben Betroffene aus den Hofgärten und dem Bereich Seestraße erneut einen Beschwerdebrief an den noch im Urlaub weilenden Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank, die Polizei, das Bürgeramt, Gemeinderatsfraktionen, Nachtwanderer und auch an Tourismusdirektor Norbert Henneberger geschrieben.

Mit der Ruhe ist’s vorbei

Nach mehreren Wochen „relativer Ruhe“ beobachteten sie mit Sorge die neuesten Entwicklungen in der Seestraße. Wörtlich heißt es: „ an den letzten fünf Abenden seit Dienstag, 16.8., gab es vor allem im Umfeld des Rondells am Hotel Barleben und vor dem Areal Büdingen Park Lärm, Randale, Müll und Scherben, jeweils bis tief in die Nacht hinein.“ Mit dem Sommer kehrten die Menschen ans Ufer zurück.

Auflistung von Missständen

Das Gartentor zur Stromeyer-Villa sei erneut aufgebrochen und beschädigt worden, „wahrscheinlich um den dortigen Park als Toilette zu benutzen“. Die Verfasser behaupten: „Überall finden sich Spuren von Erbrochenem, Unrat, Flaschen in den anliegenden Gärten.“ Im Wasser lägen angeblich Scherben, Badende und Gäste hätten sich am Sonntag früh bereits wieder verletzt. „Das Glasverbot wird offensichtlich missachtet (auch im Herosé-Uferbereich)“, so die subjektive Wahrnehmung der Verfasser der Briefes. Kontrollen durch die Polizei oder städtische Organe hätten sie nicht bemerkt.

Betroffene verlangen mehr Kontrollen

An die Adressaten schreiben die Sprecher von Anwohnern: „Wir bitten Sie dringend, umgehend Abhilfe zu schaffen und das Glasverbot ebenso durchzusetzen wie die Grundsätze des Zusammenlebens im Öffentlichen Raum, wie sie in der Umweltschutz- und Polizeiordnung festgelegt sind. Die positiven Ansätze nach den öffentlichen Diskussionen am Runden Tisch und vor der Villa Prym können nur dadurch umgesetzt werden, wenn die damals vereinbarte soziale Kontrolle verstärkt wird.“

Streifendienst gefordert

Auch im Interesse des Tourismus sei es dringend geboten, zumindest an den Wochenenden einen Streifendienst des Ordnungsamtes sowohl an der Seestrasse wie auch im Herosé-Bereich einzurichten, verlangen die Beschwerdeführer. Als Beleg beigelegt haben die Verfasser ihrem Schreiben den Beschwerdebrief eines Hotelgastes, der sich über die „Ballermann“-Atmosphäre in der Seestraße beschwert hat.

Wetter sorgt übermorgen für Entspannung

Entspannen dürfte die Situation voraussichtlich eine Kaltfront, die ab Freitagabend über den Bodensee zieht und Gewitterregen bringt. Angekündigt ist ein Temperatursturz von 10 bis 15 Grad. Bereits der heftige Gewitterregen am Dienstagabend hat den „Melting Space Herosé“ oder den Schmelztiegel Bürgerpark abgekühlt und die Spuren eines Badetags weggespült. Die 84.693 Menschen, die in der größten Stadt am Bodensee leben, und ihre Gäste werden den Uferbereich am Freitagabend erst einmal verlassen. Wann sie zurück kommen, hängt davon ab, ob der Hitzesommer noch einmal wieder kommt.

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: wak

3 Kommentare to “Schlaflos im Hochsommer am Konstanzer Seerhein”

  1. JEDI
    28. August 2011 at 23:31 #

    Die Beschwerden der Anwohner zeigen, dass das Glasverbot überhaupt keine Probleme löst sondern nur diejenigen gängelt, die sich korrekt verhalten. Ob die Ausdehnung von Überwachung und Bestrafung dem gesellschaftlichen Miteinander wirklich gut tun, darf bezweifelt werden. Wichtig für die Zukunft ist, keine weitere Bebauung in Seeufernähe, weder privat noch touristisch, zu bewilligen, da ansonsten immer mehr öffentliche Flächen in die beklagten Nutzungskonflikte kommen.

  2. Tilmann Breetsch
    29. August 2011 at 16:05 #

    In Vorarlberg ist man weiter. Dort verfolgt der Bürgermeister persönlich nächtliche Randalekinder und lässt sie auch gleich noch die Scherben aufkehren: http://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/vorarlberg/Buergermeister-verfolgt-randalierende-Jugendliche;art372497,5079313

    An JEDI: „Nutzungskonflikt“ ist ein sehr ulkiges Wort für Randale, Zerstörung, Schreierei und Bedrohung von Passanten.

  3. JEDI
    30. August 2011 at 00:41 #

    Das wäre auch für unseren OB sicher eine tolle Sache, sich in der Nacht persönlich um die Verfolgung von den bösen Jugendlichen zu kümmern. Mit Nutzungskonflikt meinte ich übrigens das Problem, dass die normalen Nutzer der Seeuferbereiche durch die immer stärkeren Restriktionen, welche zum Schutz der Luxusansiedlungen erlassen werden, immer weiter in ihren Rechten beschnitten werden. Für mich ergibt sich daraus einfach, dass in Zukunft die wenigen unverbauten Uferbereiche auf keinen Fall bebaut werden dürfen, damit die Konstanzer Bevölkerung eben nicht den zunehmenden Überwachungsstaatsforderungen der sich dann verständlicherweise gestört fühlenden Anwohner beugen muss. Der Aufenthalt und die normale Nutzung des Seeufers, z.B. auch durch das Trinken aus Flaschen, ist ein Teil der Freiheitsrechte, die geschützt gehören.

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