Schluss mit Hängepartie um Konstanzer Verkehrslandeplatz

Pachtvertrag mit zehnjähriger Laufzeit könnte Weg für Investitionen frei machen – Flugplatz mit hundertjähriger Geschichte

Aufsichtsrat will Konstanzer Flugplatz erhaltenKonstanz. Der Konstanzer Flugplatz soll nicht sterben. 2012 läuft der Pachtvertrag aus. Zumindest die Aufsichtsräte der Flughafengesellschaft Konstanz GmbH wollen mehrheitlich offenbar den Konstanzer Verkehrslandeplatz erhalten. Ein längerfristiger Pachtvertrag könnte nach sechs trostlosen Jahren endlich den Weg für neue Investitionen frei machen. Voraussichtlich im Januar entscheidet der Konstanzer Gemeinderat über die Zukunft des Verkehrslandeplatzes in Konstanz.

Pachtvertrag verhindert Investitionen

Seit Jahren dümpelt der Konstanzer Flugplatz, auf dem Maschinen mit bis zu zwölf Personen an Bord starten und landen können, nur noch vor sich hin. Seit 2004, als ein 15-jähriger Pachtvertrag endete, ist die Situation für ansässige Firmen und Vereine schier unerträglich. Zwar gibt es einen Pachtvertrag zwischen der Flughafengesellschaft Konstanz GmbH und der Stadt und die Flughafengesellschaft überweist jährlich eine Pacht. Doch der Vertrag ist jedes Jahr mit einer Frist von neuen Monaten kündbar. Diese unsichere rechtliche Situation ist Ursache dafür, dass in den vergangenen Jahren nicht mehr investiert worden ist. Hinzu kam, dass die Nutzung des Flugplatzes politisch umstritten war: Kommunalpolitiker wollten auf der Fläche einen Sportplatz bauen und andere kleine Gewerbebetriebe ansiedeln.

Aufsichtsratsmitlieder wollen Flugplatz nicht aufgeben

Geht es nach Mitgliedern des Aufsichtsrats soll mit der Hängepartie und Begehrlichlichkeiten aber bald Schluss sein. Jürgen Puchta und Jürgen Ruff, beide SPD-Stadträte und Aufsichtsratsmitglieder, bekennen sich klar zum Verkehrslandeplatz und möchten ihn erhalten. „Mit einer jährlichen Kündigungsfrist von neun Monaten zum Jahresende geht es nicht“, sagte Stadtrat Jürgen Puchta. CDU-Stadtrat Andreas Ellegast, der ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt, äußerte sich ähnlich. „Wir sollten ihn nicht aufgeben“, sagte Ellegast. Schon gar nicht ohne Not, mahnte der Stadtrat. Sollte eine „Hammerfirma“, die 1000 Arbeitsplätze schaffen will, in Konstanz anklopfen, müsste sie sich auf der Reservefläche ansiedeln können, meinte Andreas Ellegast. Das wäre aber eher kein Problem. In diesem Fall müsste die Stadt einfach eine Ablöse bezahlen, sagte Jürgen Puchta.

Neue Investitionen in Halle und Flieger geplant

Rudolf Burgstaller, Geschäftsführer der KONAIR Flugbetriebs-GmbH, berichtete, dass die KONAIR ein Konzept habe und größere Investitionen plane. Sollte es einen längerfristigen Pachtvertrag mit einer Laufzeit von zum Beispiel zehn Jahren geben, wäre der Weg frei. Geplant ist offenbar der Bau einer neuen Halle. Außerdem möchte das Unternehmen, sollte die Zukunft des Verkehrslandeplatzes gesichert sein, mehrere neue Flugzeuge anschaffen. Wolfgang Hackel, Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, möchte der Stadt eine Laufzeit von zehn Jahren vorschlagen. Dass bereits im November der Haupt- und Finanzausschuss und der Gemeinderat beraten und abstimmen, sei aber unwahrscheinlich. Hackel geht davon aus, dass die Entscheidung im Januar fällt. Gegner des Verkehrslandeplatzes soll angeblich ausgerechnet der Aufsichtsratsvorsitzende Oberbürgermeister Horst Frank sein. Ende Oktober, heute vor einer Woche, fand eine Aufsichtsratssitzung statt. Was dort konkret gesprochen wurde, bleibt vorerst aber noch geheim. Die Kommunalpolitiker äußerten sich dazu nicht und wollten nur Statements als Stadträte abgeben und ihre persönliche Meinung äußern.

Ansässige Firmen und Vereine von Flugplatz abhängig

Träger des Flugplatzes ist die Flughafengesellschaft Konstanz GmbH. Auf dem Der Verkehrslandeplatz Konstanz findet Motor-, Ultraleicht- und Segelflugbetrieb, aber kein Linienverkehr statt. Den gibt es heute nur noch in Zürich und Friedrichshafen, wo Linien- und Urlaubsflieger starten und landen. Die Konstanzer Landebahn ist mit ihren knapp 800 Metern zu kurz. Auf dem Flugplatz ansässige Unternehmen und Vereine sind heute die KONAIR Flugbetriebs-GmbH, Ultraleichtflug Konstanz GmbH, Segelfluggruppe Konstanz e. V. und der Club der Flieger.

Verkehrslandeplatz mit großer Historie

In den 20-er Jahren war der Konstanzer Verkehrslandeplatz, der in diesem Sommer seinen 100. Gebursttag feierte,  wohl genauso bedeutend wie der Flughafen in Friedrichshafen. 1921 begann der Luftpostverkehr zwischen Konstanz und Stuttgart. 1921 wurde er auf die Strecke nach München ausgeweitet. Im Juni 1922 wurde die Luftverkehrsgesellschaft „Willy Truckenbrodt & Co“ gegründet. Mit Dornier-Flugbooten, die vor dem Stadtgarten am Ufer dümpelten, begann der Wasserflugbetrieb. Mehr als 40.000 Passagiere wurden befördert. 1927, ein Jahr bevor die erste Autofähre nach Meersburg fuhr, wurde die Fluglinie Konstanz – Wien eröffnet. 1931 war ein Windmühlenflugzeug „Gyrokopter“ aus England zu Besuch. Ein Fotograf lichtete es vor der großen Flugzeughalle stehend ab.

Foto: Foto: Berndt Stadelhofer

Ein Kommentar to “Schluss mit Hängepartie um Konstanzer Verkehrslandeplatz”

  1. Bruno Neidhart
    4. November 2010 at 10:54 #

    Nicht jede Tradition sollte sterben, wenn sie entsprechend weiterhin Sinn macht. Allerdings muss auch in eine „Tradition“ immer wieder mal investiert werden, sonst dümpelt sie tatsächlich vor sich hin, bis sie sich schliesslich selbst überlebt. Zur Stützung einer Tradition sind langfristig gesicherte Voraussetzungen notwendig, wie eben ein sicherer Pachtvertrag bei einem Flugfeld. Es ist für einmal erfreulich, dass sich sogar die SPD – zumindest einige Parteimitglieder! – für den Erhalt und Ausbau des Konstanzer „Flughafens“ (für die Moderne also) einsetzt. Das mit der „Hammerfirma“ für Konstanz kann sie getrost ad acta legen. Diese industrielle Zeit mit grossem Flächenverbrauch ist hier abgelaufen. Es ist also an der Zeit, den Flughafen – wenn schon – zweckmässig auszubauen (eventuell sogar mit einer befestigten Piste ?), um den Ganzjahresbetrieb zu garantieren, ein Betrieb, welcher der Vereins- und Privatfliegerei, der KONAIR Flugbetriebs-GmbH, dem Gewerbe und der Industrie bis hin zum Tourismus von gleichem Nutzen für die Stadt und ihrer Präsenz hier „im letzten Winkel der Republik“ sein kann. Sogar der Naturschutz sollte an einer Aufrechterhaltung einer grossen, unbebauten Fläche parallel dem Ried Interesse haben.

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