Schweizer nutzen Lieferadressen in Konstanz

Versanddepot sucht neue größere Räume – Fast alle Produkte in Deutschland günstiger

Konstanz/Kreuzlingen. Lieferadressen in Deutschland sind beliebt. Immer mehr Schweizer bestellen Produkte in Onlineshops im benachbarten Ausland. Sie profitieren von massiven Preisunterschieden und vom Wechselkurs. Lieferadressen und Versanddepots in Deutschland boomen. Die Schweizer sparen zusätzlich Versandkosten und Zollgebühren, wenn sie ihre Pakete an eine deutsche Adresse liefern lassen.

Alles kostet in der Schweiz mehr

Fast alles kaufen die Schweizer in diesem Sommer im Nachbarland. In der Schweiz geht die letzte Ferienwoche zu Ende. In der Konstanzer Innenstadt staut sich der Verkehr wie sonst nur an Samstagen. Viele Schweizer Nachbarn gehen heute, morgen und auch am Samstag noch einmal auf Shopping-Tour. Der Weg in die Konstanzer Geschäfte lohnt sich. Kleidung und Schuhe, Kosmetik, Corn Flakes, Möbel, Software, Autozubehör, Babynahrung und Pampers kosten in der Schweiz wesentlich mehr als in den Nachbarländern. Spitzenreiter sind die Windeln. In der Schweiz sind Pampers 240 Prozent teurer als im benachbarten Ausland. Das berichtet die NZZ Online. Wer Staus und Menschenmassen nicht mag, bestellt lieber online.

Geschäftsmodell Versanddepot

Vor einem Jahr hat der Schweizer Thomas Leuenberger sein Versanddepot in Konstanz eröffnet. „Ich war mir sicher, dass es zum Laufen kommt“, sagt Leuenberger. Dass sein Geschäft regelrecht explodieren würde, ahnte er damals nicht. Das Geschäftsmodell funktioniert so: Waren, die sich Leuenbergers Landsleute in Onlineshops in Deutschland bestellen, lassen sie sich an eine Konstanzer Adresse liefern. Damit sparen sie Geld für Versand und Verzollung. Noch vor einem Jahr machten das vor allem Schweizer, die nahe der Grenze wohnen. Das hat sich mittlerweile aber radikal geändert. Leuenbergers Kunden kommen heute auch aus Zürich, Bern oder dem Kanton Schwyz. „Sie bestellen bei verschiedenen Lieferanten und holen die Pakete dann einmal in drei oder vier Wochen ab, wenn sie nach Konstanz fahren“, so Leuenberger.

30 bis 70 Prozent sparen

Besonders lohnend seien Produkte aus dem Hochpreissegment, so der Schweizer. Teure Fahrräder, hochpreisige Möbeln und viele andere Waren kosten im Euro-Raum 30 Prozent weniger. Manchmal sind es auch 70 Prozent. Da kommt schnell eine Ersparnis von 200 oder 300 Franken und manchmal noch wesentlich mehr zusammen. Zusätzlich profitieren die Schweizer vom Wechselkurs und davon, dass sie sich auch die deutsche Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen können. Wer seine Pakete in Konstanz selbst abholt, spart zusätzlich teure Versandkosten und Verzollungsgebühren. Hinzu kommt, dass einige Onlineshops gar nicht in die Schweiz liefern. Mit einer Lieferadresse in Konstanz – wie mit der von Thomas Leuenberger – ist das online shoppen in Deutschland kein Problem, es ist stressfrei und innerhalb von Deutschland noch günstiger.

Konsumenten stimmen mit Füßen ab

Verwerflich oder gar unpatriotisch findet es Leuenberger nicht, dass die Schweizer in Deutschland kaufen. Der Handel oder die Importeure seien selbst schuld, meint er. Sie hätten Preisvorteile und Wechselkursgewinne nicht an die Konsumenten weitergegeben. „Es ist eine Abstimmung mit den Füßen“, kommentiert Leuenberger das Einkaufsverhalten der Schweiz Flüchtigen und der Schweizer Onlineshopper. Letztere stimmen zwar nicht mit den Füßen, aber mit der Maus ab. Der aktuelle Frankenkurs hat nur noch den letzten Anstoss gegeben. Wenn das Schweizer Fernsehen über die Vorteile des Einkaufens in Deutschland berichtet, braucht Leuenberger kaum mehr für sein Versanddepot zu werben. Mittlerweile kommen die Kunden schon aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Annahme von Paketen kostet bei ihm je nach Größe zwischen knapp 5 Euro und 12,50 Euro. Zweiräder lagert er für 15 Euro zwischen.

Pakete türmen sich im Versanddepot

Das größte Handicap des Versanddepots sind die Räume. Leuenberger hat etwa 50 Quadratmeter Fläche, teilweise ebenerdig, teilweise in einem Kellergeschoss – und sogar auf einem Balkon lagert er Pakete. Jetzt sucht er nach einer viermal so großen Fläche, nach einem etwa 200 Quadratmeter großen Lager- und Büroraum. Die Räume sollten ebenerdig sein – oder es müsste einen Lastenaufzug geben. Denn manchmal werden auch ganze Europaletten angeliefert. Die Paletten türmen sich jetzt noch zusammen mit Paketen, Päckchen und riesengroßen Kartons in einem Raum, der einmal der Verkaufsraum eines Informatikdienstleisters gewesen ist – und heute einer Spedition ähnelt. Am liebsten wäre Leuenberger in Zukunft eine grenznahe Lage, vielleicht nahe der Neuen Rheinbrücke und der B 33 im rechtsrheinischen Konstanz. Bis spätestens Ende Oktober möchte er umgezogen sein. Das Weihnachtsgeschäft will er nicht mehr in seinem zugestellten Versanddepot erleben.

Zwei Pakete stehen vor der Tür

Ein Paketbote stellt am Mittwochvormittag zwei große Lieferungen vor dem Ladengeschäft ab. Das kleinere enthält eine Gegenstromschwimmanlage, das andere einen Gefrierschrank. „Eine Food Station“, sagt Leuenberger. Wo er die Pakete zwischenlagern will, erschließt sich Besuchern nicht auf den ersten Blick.

1.300 registrierte Kunden

1.300 registrierte Kunden hat Leuenberger momentan. Mehr als 3.000 Sendungen hat er schon im Empfang genommen, sie zwischengelagert, die Empfänger benachrichtigt und die Lieferungen den Abholern ausgehändigt. Fast alles ist möglich: Registrierte Kunden können überall auf der Welt bestellen und sich Ihre Warenlieferungen an die Lieferadresse in Konstanz senden lassen. Nur eine Bedingung hat Leuenberger: Pakete mit gefährlichen, verderblichen oder illegalen Waren nimmt er nicht an. Probleme, sagt er, habe es noch nicht gegeben.

Zukunftsängste kennt Leuenberger nicht

Leuenberger selbst kauft mittlerweile übrigens fast alles in Deutschland. Schräg gegenüber seines Versanddepots ist ein Discounter. Als er zum ersten Mal dort einkaufte, war er überrascht und dachte, die Kassiererin hätte einen Fehler gemacht. Sorgen um die Zukunft seines Geschäftsmodells macht er sich nicht. Dass die Schweiz dem Euro-Raum beitreten könnte, glaubt er nicht. Langfristig müsse sich das Preis- und Lohnniveau zwischen der Schweiz und der EU angleichen, sagte Leuenberger. Bis es soweit ist, kaufen die Schweizer weiterhin am liebsten in Deutschland ein.

Hier geht es zu Lieferadressen in Konstanz. Nur das Versanddepot im rechtsrheinischen Konstanz nimmt auch größere Pakete an. Die Lieferadresse findet sich in der Innenstadt nahe des Lago.

Ein Kommentar to “Schweizer nutzen Lieferadressen in Konstanz”

  1. Patrick
    14. August 2011 at 14:51 #

    Schon sehr skuril : Zum einen existiert in der Schweiz eine Anti-Deutsche Stimmung, zum anderen kauft man aber gerade bei den unbeliebten Nachbarn ein. Ein Schelm der böses dabei denkt….

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