„Schwellenwert“ schuld an Mobilfunkmisere

Kein UMTS ohne eindeutiges Signal aus dem Überlinger Rathaus

handy neu DSC05433_2Überlingen (wak) Wer in der Überlinger Altstadt mobil telefonieren oder gar Daten von einem Laptop aus mobil verschicken will, hat es schwer. Schuld am schlechten Empfang ist ein ominöser „Überlinger Schwellenwert“, eine Art selbst verordneter besonders niedriger Grenzwert, der schnelle mobile Datenübertragung in der Innenstadt so gut wie ausschließt. Auch ein Gespräch zwischen Mobilfunkanbietern und Bürgermeister Ralf Brettin in der vergangenen Woche konnte die Misere noch nicht beenden. Bestenfalls könnte eine neue Diskussion angestoßen worden sein. Bürgermeister Brettin war am Montagmorgen für eine Stellungsnahme telefonisch nicht zu erreichen.

Stadt der Ahnungslosen

Das Tal der Ahnungslosen, einst die satirische Bezeichnung für die Region im Südosten der ehemaligen DDR im Bezirk Dresden, in der UKW-Radio- und Westfernsehen auch mit großem Aufwand nicht zu empfangen waren, ist längst Vergangenheit. Kein Tal, aber eine Stadt der Ahnungslosen ist mehr als 20 Jahre später die Stadt Überlingen. Radio hören und Fernsehen schauen können die Überlinger in ihrer Altstadt zwar, vom mobilen Internet aber ist die Innenstadt abgehängt. Wer auf einem Smartphone Nachrichtenseiten im Internet anschauen will, guckt in die Röhre. Der Mobilfunkempfang ist so miserabel, dass Mobilfunknutzer, die mit ihrem i-Phone oder Netbook in einem Café in der Altstadt sitzen und im Internet surfen wollen, keine Chance haben, Nachrichten oder E-Mails auch nur annähernd mit DSL-Geschwindigkeit abzurufen. Seiten bauen sich, wenn überhaupt, nur extrem langsam auf.

„Überlinger Schwellenwert“ überraschte angeblich sogar den Bürgermeister

Seit mehr als zwei Jahren verhandelt zum Beispiel der Mobilfunkanbieter T-Mobile nun schon ergebnislos mit der Stadt Überlingen über das Aufstellen einer neuen Sendeanlage, so Udo Harbers, Pressesprecher der Region Süd der Deutschen Telekom. Die Antenne sollte ursprünglich unters Rathausdach kommen. Die Hürden, die die Stadt Überlingen aufgestellt hat, scheinen aber schier unüberwindbar. Bürgermeister Ralf Brettin dürfte vom so genannten „Überlinger Schwellenwert“ in der vergangenen Woche kalt erwischt worden sein. Seine Gesprächspartner zumindest hatten nach der Besprechung den Eindruck, dass der Bürgermeister selbst überrascht war, was in Überlingen angeblich nicht geht. Brettin habe versprochen, die „interne Diskussion“ wieder aufzunehmen, sagte Udo Harbers.

Ziel Mobilfunkversorgung glatt verfehlt

Überlingen legte sich vor ein paar Jahren fest: Ziel der Stadt war damals nach ihren eigenen Angaben „eine Minimierung der Strahlenbelastung bei gleichzeitiger Sicherung der Mobilfunkversorgung auf dem aktuellen Stand der Technik“. Das Ziel der „Mobilfunkversorgung auf dem aktuellen Stand der Technik“ aber hat Überlingen klar verfehlt. Der so genannte „Überlinger Schwellenwert“ und eine halbwegs akzeptable Mobilfunkversorgung schließen sich gegenseitig offenbar aus. Den so genannten „Überlinger Schwellenwert“, verdanken die Überlinger Dipl.-Ing.Norbert Honischs Büro für Umweltstress-Analytik sowie einigen Bürgerinitiativen, der Initiative „Strahlungsarmes Überlingen“ oder „Mobilfunk Nußdorf“ zum Beispiel, die sich in früheren Jahren wegen der Strahlenbelastung in der Stadt gesorgt hatten. Dass Schnurlosfestnetztelefone nichts anderes sind als Mobilfunkanlagen im Kleinen, schreckte die Mobilfunkgegner offenbar weniger.

Mobilfunkanbieter warten auf Signal der Stadt

Richtig ist, dass GSM zum Telefonieren grundsätzlich ausreicht und UMTS hauptsächlich für die schnellere Datenübertragung nötig ist. Mit dem Umstand, dass die Überlinger keine UMTS Antenne unter dem Rathausdach erlauben wollen und es auch bei GSM zusätzlich Einschränkungen geben soll, können die Mobilfunkanbieter aber nicht leben. Bei so geringen Übertragungsraten, wie sie die Überlinger erlauben möchten, sei eine vernünftige Versorgung mit Mobilfunk nicht möglich. In diesem Punkt seien sich alle Netzbetreiber einig, sagte Telekom-Sprecher Harbers. Sobald ein entsprechendes Signal von der Stadt komme, würden die Netzbeteiber in Überlingen aber gern aufrüsten. Bis dahin haben erst einmal die Mobilfunkkunden den schwarzen Peter, die viel Geld für Flatrates bezahlen, aber in der Altstadt auch nach dem Gespräch zwischen Mobilfunkanbietern und Bürgermeister Brettin weiterhin offline sind. Angesichts der dramatisch schlechten Haushaltslage könnte sich die Stadt in Zukunft aber wenigsten Kosten für teure Berater wie Dipl.-Ing.Norbert Honisch sparen, jenen „Schwellenwert“ Nobi, der Überlingen im Internetzeitalter zusammen mit dem Gemeinderat zur Stadt der Ahnungslosen machte.

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.