Sechs Konstanzer Landtagskandidaten auf einen Streich

Landtagswahlkampf-Auftakt im Radolfzeller Juze

Jugendliche bildeten sich eine MeinungKreis Konstanz. Bildungspolitik war das Thema, das sich Jugendliche in Radolfzell ausgesucht hatten und über das sie mit sechs Landtagskandidaten am Sonntagnachmittag im Radolfzeller Juze gesprochen haben. Die Frage lautete: Wie würden sich SPD und Linke fetzen? Wie würden sich Grüne, die ehemalige Protestpartei, mit den twitternden Piraten streiten? Die enttäuschende Antwort lautete: Gar nicht.

Latte liegt für alle sechs hoch

Mords spannend hätte der Sonntagnachmittag werden müssen. Auf dem Podium saßen (von links) Ute Hauth (Piratenpartei), Tatjana Wolf (FDP), Andreas Hoffmann (CDU), Siegfried Lehmann (Bündnis 90/Die Grünen), Zahide Sarikas (SPD) und Bernhard Hanke (Die Linke). Alle drei Frauen und drei Männer möchten bei der Landtagswahl so viele Stimmen wie möglich holen. Dafür müssen sie in den kommenden Monaten so viele Wählerinnen und Wähler wie möglich für sich gewinnen. Sie müssen versuchen, auf Wochenmärkten und bei Podiumsdiskussionen zu überzeugen, zu begeistern und Sympathiepunkte zu sammeln.

Piratige Fragen

Erstmals tritt in Konstanz die Piratenpartei an. Dass sie es in den Landtag schafft, ist nicht sehr wahrscheinlich. Mutmaßlich sind die Piraten aber die Partei, die sich am besten im Web 2.0 auskennt und dort auch Jungwählern begegnen müsste. „Die Piraten sind für ein freies Internet, oder?“, fragte ein Zuhörer hinterher, „wofür stehen sie sonst noch?“ Es hätte viele spannende Fragen und Antworten gegeben können: Hat die Piratenpartei ein Wahlprogramm und was steht drin, sind alle Piraten Hacker oder Nerds? Sind die Piraten eine Männerpartei? Wieso kandidiert in Konstanz  Ute Hauth, eine Frau?

Ein Amoklauf und die Schulpolitik?

Siegfried Lehmann, Landtagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, arbeitete nach dem Amoklauf von Winnenden im Sonderausschuss des Landtags mit, der Empfehlungen an Schulen und Politik gab, um ähnliche Taten in Zukunft zu verhindern. Der Ausschuss schlug zum Beispiel die Schaffung von rund 250 zusätzlichen Stellen für Beratungslehrer und Gewaltpräventionsberater sowie zusätzliche 100 Stellen für Schulpsychologen vor. Siegfried Lehmann forderte bei der Podiumsdiskussion in Radolfzell, dass das Land Schulsozialarbeiter bezahlt. Hat der Amoklauf, bei dem Tim K. an seiner ehemaligen Schule 15 Menschen und sich selbst tötete, Siegfried Lehmanns Sicht auf die  Bildungspolitik verändert?

Diskriminierung deutschstämmiger Schüler

Was sagt Zahide Sarikas, die türkischstämmige Landtagskandidatin der SPD, dazu, dass an einigen Berliner Schulen die Sorge über eine Diskriminierung deutschstämmiger Schüler durch Mitschüler mit Migrationshintergrund wächst?  Was hat die SPD-Kandidatin zu sagen, wenn sie nicht über Migration spricht? Oder bricht sie jedes Thema auf Migration herunter?

Wasserwerfer auf Schüler

Andreas Hoffmann, der Landtagsabgeordnete der CDU, ist Vater von zwei schulpflichtigen Kindern. Was hätte Andreas Hoffmann seiner Tochter gesagt, wenn sie mit ihren Freundinnen an einer Stuttgart 21 Demo teilnehmen wollte oder gar zwischen die Fronten geraten wäre? Was wäre in ihm als Vater vorgegangen, wenn die Polizei Wasserwerfer gegen seine Kinder und deren Freunde eingesetzt hätte?

Schauen wir mal

Was würde Tatjana Wolf (FDP) der Generation Praktikum erzählen, die einen Kredit aufnehmen muss, um studieren zu können? Wie würde sie sich ein gerechtes Bildungssystem vorstellen und wer soll studieren? Wie möchte Bernhard Hanke (Die Linke) kleinere Klassen bezahlen? Glaubt er, dass es reicht, bei einer Podiumsdiskussion zu sagen, man müsse dann halt schauen, wo das Geld herkommt?

Wer sagt was und wer ist wer?

Die jungen Moderatoren, beide Mitglieder der Jungen Union, stellten leider keine einzige dieser Fragen. Sie ließen die Landtagskandidaten erzählen und verpassten es, nachzuhaken und zu provozieren. Noch schlimmer: Statt alle Kandidaten zu Wort kommen zu lassen, ließen sie schier nicht endende Zwiegespräche zwischen Andreas Hoffmann und Siegfried Lehmann zu. Die Redezeit von Andreas Hoffmann war eindeutig am längsten. Apropos: Wer war überhaupt wer auf dem Podium? Die Moderatoren hatten noch nicht einmal Namensschilder aufgestellt.

Welches Schulsystem?

Natürlich bemängelte Bernhard Hanke (Die Linke), dass nur ein Fünftel der Facharbeiterkinder ein Gymnasium besuche und sagte, dass die Linke das dreigliederige Schulsystem abschaffen würde. Zahide Sarikas (SPD) bemängelte, dass zu wenig Migrantenkinder Abitur machten. Siegfried Lehmann forderte eine Basisschule und für alle Schüler mit mittlerer Reife einen Platz auf einem beruflichen Gymnasium. Andreas Hoffmann (CDU) sagte, er sei für keine Revolution, sondern für eine Evolution. Er glaubt, die besten Schüler würden von einer längeren gemeinsamen Schulzeit nicht profitieren. Auch Tatjana Wolf (FDP) wollte beim dreigliederigen Schulsystem bleiben. Ute Hauth (Piraten) wollte genau das nicht, dafür aber einen Mittagstisch für alle und dass jede Schule den Unterrichtsbeginn selbst festlegen kann, so dass kleine Kinder nicht im Dunklen zur Schule müssen.

Streitfall Schulsozialarbeit

Andreas Hoffmann findet nicht, dass das Land Schulsozialarbeiter finanzieren muss. Siegfried Lehmann sah das anders und bemängelte, dass es an Berufsschulen überhaupt keine Schulsozialarbeiter gebe. Die SPD-Kandidatin fand, die Finanzierung sei Landessache. Auch FDP-Kandidatin Tatjana Wolf (FDP) war dieser Meinung und musste ausnahmsweise Andreas Hoffmann widersprechen. Siegfried Lehmann sagte, dass er persönlich nicht hätte studieren können, wenn es schon damals Studiengebühren gegeben hätte. Andreas Hoffmann fand, dass 500 Euro pro Semester allen erlaube, zu studieren. Notfalls könnten die Studenten einen Kredit aufnehmen. Bernhard Hanke (Die Linke) wies auf die niedrige Zahl der Arbeiterkinder an Hochschulen hin. Zahide Sarikas sagte, sie seien vier Kinder gewesen, nur zwei durften studieren. Ute Hauth sagte, sie habe mit dreißig mittlere Reife gemacht und anschließend studiert. Studenten müssten auch ihren Lebensunterhalt finanzieren und dann bräuchten sie neben dem Studiengebührenkredit auch noch ein Bafög-Darlehen und es sei nicht sinnvoll, dass am Ende nur zehn Prozent eines Jahrgangs studieren könnten.

Zwei Stunden später…

Fabian Parsch vom ASTA der Konstanzer Uni wollte von Andreas Hoffmann wissen, ob er es gut finde, wenn Vorlesungen demnächst aus Platzgründen um 6 Uhr am Morgen beginnen und auch samstags stattfinden, was mit Nebenjobs nur schwer vereinbar sei. Ute Hauth bemängelte, dass die Franzosen-Wohnungen in Konstanz leer stünden, die bisher studentischer Wohnraum waren. Andreas Hoffmann sagte, die Wohnungen in Bundesbesitz seien sanierungsbedürftig gewesen. Dass sie als Studentenwohnungen verloren sind und nach der Sanierung auf den freien Wohnungsmarkt kommen, sagte er nicht. Es hakte aber auch keiner der Moderatoren nach. Nach mehr als zwei Stunden war dann Schluss. Die Podiumsdiskussion, die einem Kinofilm mit einigen sehr guten Darstellern und miserablem Drehbuch glich, war zu Ende. Dass am Ende noch nicht einmal „Oscars“ an die Kandidaten verteilten wurden, oder das Publikum abstimmen durfte, wer der beste war, war schade.

Geduldiges Publikum

5 Kommentare to “Sechs Konstanzer Landtagskandidaten auf einen Streich”

  1. Julia
    15. November 2010 at 19:35 #

    also dieser Artikel ist jawohl echt das letzte.
    Ich würde mich schämen, hätte ich ihn geschrieben!

  2. Name
    15. November 2010 at 20:09 #

    Dieser Artikel ist eine Frechheit und eindeutig ohne jegliche Gedanken geschrieben worden.
    Wer hat dien Artikel verfasst?
    Sie wollen, dass man einen Namen angibt, geben ihren eigenen aber nicht preis ..
    Unseriösität ist im Journalismus nicht gerade von Vorteil.

  3. Axel
    16. November 2010 at 06:59 #

    Wen wundert es denn noch, wie die Redezeit verteilt wird, wenn der Veranstalter die Junge Union ist?
    Solche Veranstaltungen kann man sich getrost schenken, wenn es keine vernünftige Moderation gibt.

  4. Papuga
    16. November 2010 at 07:36 #

    Na lieber „Name“-Kommentator, wer lesen kann, ist klar im Vorteil!

    Setzen, sechs.

    So, jetzt nochmal lesen!

  5. Thomas Heidrich
    16. November 2010 at 09:36 #

    Wow, hier wird ein Wind gemacht. Was ist denn an dem Artikel so schlecht?

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