Senioren wollen kleine Renten durch Bundesfreiwilligendienst aufbessern

Landesseniorentag 2011 warnt: Ältere nicht gegen Jüngere ausspielen – Landesseniorentag 2011 in Singen

Singen. Sie werden immer mehr. Der demografische Wandel trifft Deutschland hart. Der Anteil der über 60-Jährigen in der Bevölkerung wächst. Viele Senioren sind aufgrund niedriger Renten von Altersarmut bedroht. Ein Zuverdienst zu „schmalen Renten“ durch den Bundesfreiwilligendienst könnte den Älteren und der Gesellschaft helfen, so eine Idee, der Senioren beim Landesseniorentag 2011. Eine weitere Forderungen beim Landesseniorentag 2011 in Singen, der die Interessen von 2,6 Millionen Älteren im Südwesten vertritt, lautete: Jung und Alt gemeinsam.

Generationen nicht gegeneinander ausspielen

Die älteren und die jungen Menschen im Südwesten dürften nicht gegeneinander ausgespielt oder gar in Konfrontation gebracht werden. Darauf hat Roland Sing, der Vorsitzende des Landesseniorenrates Baden-Württemberg (LSR), am Mittwoch in Singen/Htwl. beim Landesseniorentag 2011 hingewiesen. Allerdings sollten die junge und die mittlere Generation die „Älteren respektieren“ und sie auch in ihre Betrachtung und bürgerschaftlichen Lösungsansätze einbeziehen. Sing: „Wir vertreten zwar die Interessen von mehr als 2,6 Mio. Menschen, die 60 Jahre und älter sind, jedoch pflegen wir keine Gruppenegoismen und nehmen generationenübergreifende und somit gesamtgesellschaftliche Verantwortung wahr.“ Die demografischen Herausforderungen seien nur durch ein gutes Miteinander zu bewältigen und dann aber auch lösbar. Zu dem jährlichen Treffen waren 1200 meist im Ehrenamt engagierte Ältere zwischen Main und Bodensee gekommen.

Rentner müssen dazu verdienen

Sorge bereitet dem LSR, dass die Höhe der realen Renten immer mehr Menschen dazu zwinge, sich noch etwas dazu zu verdienen. Sing: „Ein möglicher Weg könnte hier der neue Bundesfreiwilligendienst sein. Bisher sei das noch nicht diskutiert worden – die Älteren hätten ein „Leistungspotenzial“, das nutzbar gemacht werden könnte.

Forderungen nach neuen, barrierefreien Wohnkonzepten

Wichtig für ein möglichst langes selbst bestimmtes Leben im gewohnten zu Hause sei eine Wohnberatung, zu der es jetzt einen Modellversuch mit der Pflegekasse der AOK geben werde. „Wir hoffen sehr“, so Sing, „dass dieses Beispiel auch bei anderen Pflegekassen Schule macht. Zusätzlich wollen wir mit der Architektenkammer ins Gespräch kommen, wie deren künftige Wohnbaukonzepte aussehen. Denn schon dabei gelte es, barrierefrei zu planen.“

Ältere fürchten schlechtere medizinische Behandlung

Wünsche und nachdrückliche Bitten hat die Seniorenvertretung aber auch zur gesundheitlichen Prävention und Rehabilitation. „Denn“, so Sing, „für ältere Menschen und deren Angehörige sind diese beiden Themen wichtig. Deshalb erwarten sie zu Recht, dass die für sie im Sozialgesetzbuch aufgeführten Leistungen nicht nur bekannt gemacht sondern vor allem auch bewilligt werden.“ Immer wieder gebe es da Probleme und auch deshalb fordere man von der Landesregierung die Bestellung eines unabhängigen Patientenbeauftragten.

Pflegende Angehörigen Auszeiten gewähren

„Auf der Bundesebene“, so bemängelte Sing, „sei 2011 zwar zum „Jahr der Pflege“ ausgerufen worden.“ Dort gebe es dazu jedoch Stillstand bzw. verwirrend viele unterschiedliche Stimmen. Auf Landesebene könne man aber schon in zwei Richtungen aktiv werden: Einmal, dass man die pflegenden Angehörigen wirklich in die Lage versetze, diese Pflege gut leisten zu können. Dafür müsse man sie fachlich begleiten und unterstützen. Genauso wichtig sei es aber auch, dass sich pflegende Angehörige in ihrem oft jahrelangen Aufopfern auch mal eine Auszeit nehmen und sich vom Dauerstress erholen können. Die Rechtsgrundlagen dafür seien eindeutig gegeben. Oftmals fehle aber das Wissen oder die Akzeptanz der Kostenträger (der Pflegekassen), dass sie die pflegenden Angehörigen wirklich entlasten.

Debatte mit Ex-SWR-Redakteur Walter Rundel

Im Festvortrag hat Sozial- und Seniorenministerin Katrin Altpeter die „Politik für Ältere in Baden-Württemberg“ erläutert. Anschließend war sie mit dem Vorstandsvorsitzenden der AOK Baden-Württemberg Dr. Chistopher Hermann und dem LSR-Vorsitzenden Sing in einem von Walter Rundel moderierten Gespräch zum Thema „Demografische Entwicklung und die Folgen für Gesundheit und Pflege“. Dann zeigte Hermann den „Reformbedarf in der Pflege“ auf.

42 Seniorenräte in Baden-Württemberg

Der Landesseniorenrat Baden-Württemberg vertritt die Interessen von 2,6 Millionen Älteren im Südwesten. Er ist ein Zusammenschluss von 42 Seniorenräten der Land- und Stadtkreise sowie 32 Verbänden und Organisationen, die landesweit in der Arbeit für und mit älteren Menschen engagiert sind. Er versteht sich als unabhängiger und weltanschaulich neutraler Anwalt und Partner für die Belange aller Generationen und beteiligt sich aktiv an der Meinungsbildung politischer Entscheidungsträger. In Baden-Württemberg ist als erstem Bundesland schon im Jahre 1974 der Landesseniorenrat geschaffen worden.

Foto: Rainer Sturm PIXELIO www.pixelio.de

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