Sexueller Missbrauch durch Priester und Verhalten der Kirche angeprangert

Die Nackten und die Aufmüpfigen rollten gestern von der Birnau nach Bregenz

Birnau/Bregenz (wak) Das Papamobil, auf dem neben einer nackten Papstfigur weitere nackte Figuren wie Amor, Engel mit Gasmaske und Presseferkel auf Sommer Tour in die Steiermark sind, hat gestern Deutschland verlassen. Von Bodman ging die erste Etappe bis zur Klosterkirche Birnau und von dort bewegte sich das Papamobil in Richtung Bregenz. Vor der Klosterkirche gab es noch eine Demonstration der besonderen Art. Bildhauer Peter Lenk und der österreichische Aktionskünstler Johan Maden protestierten mit einem eigens kreierten Verkehrsschild gegen die Haltung der Kirche angesichts von Missbrauchsfällen durch Priester. Lenk und Maden wünschen sich einen päpstlichen Hofnarren zurück, der den Kirchenleuten die nackte Wahrheit sagt.

Nackte kamen in Bregenz an

In Konstanz, wo der Prolog stattfand, machte das Papamobil nicht mehr Station. Die Österreich-Tour ins Kunsthaus Weiz in der Steiermark hat für das runzeligen nackte Päpstleins des Bodmaner Bildhauers Peter Lenk am Montag in Bodman begonnen, sie führte über die Birnau Richtung Grenze, bevor die Tour in Bregenz ein weiters Etappenziel erreichte. Am Montagmittag war die von Aktionskünstler Johan Maden mit dem „Gauklermobil“ transportierte nackte Figur mit Papstkrone auf dem Vorplatz des Festspielhauses zu sehen. Die Bregenzer und auch zufällig anwesende Touristen reagierten unaufgeregt auf den nackten Gaukler-Papst.

Nichts als die nackte Wahrheit

Bei der Klosterkirche Birnau war der nackte Papst zuvor noch von Fotografen und Kameraleuten abgelichtet worden. Der österreichische Aktionskünstler, ein freier Mitarbeiter des Kunstmuseums Weiz, verlas eine Erklärung. Johan Maden forderte: „Wir wollen erreichen, dass der Vatikan wieder einen päpstlichen Hofnarren einstellt, der ihm ungestraft die nackte Wahrheit sagen kann.“

Über den Umgang mit Missbrauchsopfer

Mit einem Verkehrsschild machte die Gaukler-Truppe vor der Klosterkirche Birnau, auf den Fall eines bei der Birnau protestierenden Missbrauchsopfer aufmerksam, das samt Mahntafel vom Kirchplatz vertrieben worden war, so Lenk. Die Begründung soll damals gelautet haben: Eine solche Demonstration rufe „Ärger beim Herrn Jesus“ hervor. Für diese „hanebüchene Behauptung“ erteilte der Päpstlicher Hofnarr dem Kirchenmitarbeiter die Absolution. Die Aktion endete mit einem neuerlichen Platzverweis. In der Birnau gab es zwischen 1966 und 1968 Fälle sexuellen Missbrauchs.

Grafik: Peter Lenk

Ein Kommentar to “Sexueller Missbrauch durch Priester und Verhalten der Kirche angeprangert”

  1. dk
    10. August 2010 at 08:51 #

    Ein nettes Bild: ohne sexuellen Kontext könnte man auch „Bürger + Politiker“ oder „Arbeitnehmer + -geber“ als Personen verwenden.
    Im 1. Fall könnte man noch zweifeln „wer vor wem wegrennt“; bei der Annahme eines „apathischen Bürgers“ wird es klarer. Im 2. Fall dürfte es eindeutiger sein.

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