Sipplinger stellen auf stur

Schwächung des Schulstandorts Überlingen

(wak) Um den Schulstandort Überlingen zu stärken, möchte die Stadt ihre einzige Hauptschule, die Wiestorschule, zur Werkrealschule machen. Um die Voraussetzungen erfüllen zu können und die nötige Schülerzahl zu erreichen, haben Überlingen den Sipplingern eine Kooperation angeboten. Am Mittwochabend machten die Sipplinger den Überlingern aber einen Strich durch die Rechnung. Sie wollen ihre Hauptschule behalten und ihre Kinder nicht ab der 8. Klasse nach Überlingen in die Wiestorschule schicken.

Hoppla, eine neue Schulart

Das Gezerre begann, als das Land Baden-Württemberg beschloss, zum Schuljahr 2010/2011 eine neue Schulart, die Werkrealschule, einzuführen. Schülerinnen und Schüler, die die neue Schule besuchen, brauchen eine Hauptschulempfehlung und können auf der Werkrealschule entweder den Hauptschulabschluss machen oder die Werkrealschule mit der Mittleren Reife abschließen.

Werkrealschule hat besseres Image

Schülerinnen und Schüler, die nur eine Hauptschulempfehlung haben, könnten dann zumindest sagen, sie besuchen eine Werkrealschule. Oberbürgermeisterin Sabine Becker sagte, wenn sie vor der Entscheidung stünde, würde sie ihre Kinder lieber auf eine Werkrealschule als auf eine reine Hauptschule schicken. Sobald die Schulbezirke ab dem kommenden Schuljahr aufgehoben sind und auch Kinder mit einer Hauptschulempfehlung ihre Haupt- oder Werkrealschule frei wählen könnten, dürften Werkrealschule einen Wettbewerbsvorteil gegenüber reinen Hauptschulen haben. Noch besser könnte es aber klingen, wenn Eltern sagen könnten, ihr Kind besuche das Bildungszentrum in Markdorf.

Sipplinger hätten ab Klasse acht pendeln müssen

Gern würde Überlingen die Wiestorschule – um sie zu stärken – zu einer Werkrealschule machen. Voraussetzung ist aber die Zweizügigkeit der Hauptschule. Im Klartext heißt das: Die Schule braucht ausreichend viele Schüler, damit es mindestens zwei Klassen pro Jahrgangsstufe gibt. Weil die Zahl der Kinder immer kleiner wird, wollten die Überlinger gern mit den Sipplingern kooperieren und sich zu einer gemeinsamen Werkrealschule vereinigen. Die Klassen fünf bis sieben hätten dann trotzdem jeweils noch einzügig an den Standorten geführt werden können. Ab der 8. Klasse hätten die Schüler aber alle miteinander die Wiestorschule besuchen müssen.

Klare Entscheidung gegen Kooperation

Die Sipplinger haben aber abgesagt. Sie wollen ihre Hauptschule behalten. Schulleiter, Gesamtlehrerkonferenz und Elternbeirat waren sich einig, hieß es seitens der Gemeinde. Der Sipplinger Gemeinderat sprach sich mit sieben gegen vier Stimmen gegen eine Kooperation mit Überlingen aus.

Ärgerlich für Überlingen

Für den Schulstandort Überlingen ist die Absage deshalb ein Problem, weil es demnächst in Baden-Württemberg zwei Arten der Werkrealschule gibt. Eine, die nur einmalig beim Staatlichen Schulamt beantragt werden muss und auch tatsächlich Werkrealschule heißt, und eine andere, die sogenannte Hauptschule mit Werkrealschule, die außer dem Namen einen weiteren großen Nachteil hätte: Sie müsste jedes Jahr neu beantragt werden. Voraussetzung wäre in diesem Fall, dass jeweils mindestens 15 Schüler die Klasse zehn besuchen. Ob so viele dauerhaft zusammen kommen, ist aber ungewiss. Wenn eine Schule erst einmal Werkrealschule ist, spielt die Schülerzahl in Klasse zehn dagegen keine Rolle mehr.

Sorge um den Schulstandort

Stadtrat Oswald Burger (SPD) ließ sich im Überlinger Gemeinderat – der sich dafür aussprach, den Antrag auf Einführung einer Werkrealschule beim Schulamt zustellen – zur Bemerkung hinreißen: „Mir wäre es lieber, wenn die Schule im Dorf gelassen worden wäre.“ Er wünsche sich eine Gesamtschule. Oberbürgermeisterin Sabine Becker warnte, ohne Werkrealschule würde der Schulstandort Überlingen an Bedeutung verlieren.

Noch lernen Überlinger Schüler in Sipplingen

Besonders unverständlich ist für die Überlinger die Absage der Sipplinger auch, weil die Sipplinger Hauptschule bisher schon nur überleben konnte, weil Überlinger Eltern aus Nesselwangen, Bonndorf und Deisendorf ihre Kinder auf die Hauptschule nach Sipplingen schicken. Demnächst könnten sie sich aber auch für den Schulstandort Überlingen entscheiden.

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