So sexy ist Konstanz!

Nachmittags im Museum – Zukunftsprojekte mit David Bruder

Konstanz (wak) Wieso heißt Petershausen überhaupt Petershausen? Wenn David Bruder im Konstanzer Rosgartenmuseum über „Konstanzer Zukunftsprojekte“ aus vergangenen Jahrhunderten berichtet, sind die Zuhörer fasziniert. So sexy ist ihre alte Stadt.

Konstanz das zweite Rom

Da wäre zum Beispiel Bischof Konrad, von 934 bis 975 Bischof in Konstanz und seit 1123 als Heiliger verehrt. Er wollte aus der Stadt am Bodensee ein zweites Rom machen. Sein Bauprogramm war mehr als ehrgeizig. Als Vorbild für die Kirchengründungen dienten ihm die Patriarchalbasiliken in Rom: Vor der Stadt ließ Konrad analog zu San Paolo fuori le mura eine Paulskirche errichten. In unmittelbarer Nähe der Bischofskirche entstand die Kirche St. Johann entsprechend San Giovanni in Laterano. Dass die Kirche später Brauerei geworden ist, sei nichts ungewöhnliches, erzählt Bruder. Im Kirchenschiff war Platz für den Braukessel. Konrads Nachfolger, Gebhard von Konstanz, der von 979 bis 995 Bischof war, gründete 983 das Benediktinerkloster Petershausen. Das Vorbild der Klosterkirche war St. Peter in Rom, weshalb der Altar anders als in anderen Kirchen auch im Westen stand. Der Rhein ist der Tiber.

Konstanz wächst in Petershausen

Später, im 20. Jahrhundert, war das rechtsrheinische Petershausen dann die städtebauliche Entwicklungschance. Anfang des 20. Jahrhunderts war Petershausen Militärhospital und Kaserne. Als 1977 die Franzosen abzogen, wollte der damalige Konstanzer Oberbürgermeister Bruno Helmle, OB von 1959 bis 1980, aus Petershausen einen Bundeswehrstandort machen. Das klappte nicht. Heute wohnen in Petershausen knapp 20.000 Menschen. Die Stadt, die vom See, Rhein und der Schweiz begrenzt wird, hat sich die Fläche für Wohnbebauung erobert.

Zweite Brücke über den Rhein

Die Alte Rheinbrücke überspannt in Konstanz den Seerhein. Die Straßen- und Eisenbahnbrücke war lange Zeit die einzige Brücke über den Rhein. Die alte Brücke war 1856 abgebrannt. Immer wieder gab es in Konstanz Pläne, eine zweite Brücke über den Rhein zu bauen. Eine Idee war es, sie an die Laube zu setzen. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts aber scheiterten alle Brückenbauprojekte. Die große Hoffnung war später die Autobahn. Die Konstanzer hofften auf einen Tunnel und träumten davon, auch gleich die Bahngleise mit vom See weg verlegen zu können. Am Döbele hätte ein neuer Bahnhof entstehen sollen. Ein Tunnelbau schieterte aber auch am Untergrund. In einem Bürgerentscheid stimmten die Konstanzer auch gegen eine Autobahn. Immerhin gab es jetzt eine zweite Brücke über den Rhein, die als Torso in der Landschaft stand.

Parkhaus statt Gotteshaus

Zu den Zukunftsprojekten, die nie realisiert worden sind, gehört zum Beispiel auch der Bau eines Parkhauses mit 600 Stellplätzen auf dem Lutherplatz. Eine Zeit lang dachte die Evangelische Kirche darüber nach, die Lutherkirche abzureißen und ein neues Gotteshaus zu errichten. Auch der Abriss der alten Hauptpost, dem heutigen Sparkassengebäude, wurde diskutiert. Ein Postneubau wäre am Standort des Lago Centers geplant gewesen.

Idee von Hochhäusern am See

In den 60er Jahren wollten dann auch die Konstanzer in die Höhe bauen. Das Fernmeldehochhaus und das Hochhaus im Paradies sind Überbleibsel der Idee vom „vertikalen Bauen“. Mehrmals unternahmen die Konstanzer einen Versuch, ein Konzert- und Kongresshaus zu bauen. Ein Standort hätte der Stadtgarten sein können. Die Folgekosten und das Fehlen von Parkplätzen waren damals aber Gründe, weshalb das Projekt nicht umgesetzt worden ist. Auch das Konstanzer Stadttheater machte sich eine Zeit lang Hoffnung auf einen Neubau, als in den 60er Jahren in vielen anderen Städten neue Theater errichtet worden sind. Das heutige Stadttheater wäre dann zum Kleinen Haus geworden. Das neue Theatergebäude hätte auf dem Münsterplatz entstehen sollen.

Verhinderter Turmbau zu Babel

Das aufregendste Projekt aber wäre ein „Turmbau zu Babel“ zwischen Seestraße und Hörnle geworden. Dort wollte ein Mann namens Nikolaus Westphal einen Tower errichten. 60 bis 70 Meter hoch sollte das Hochhaus in den Himmel wachsen und einen „Akzent am Ufer“ setzen. Platz gefunden hätten in dem gigantischen Projekt ein Wellenbad, zwei Restaurants, ein Hotel, Cafés, Spielbank und eine drehbaren Panoramaterrasse. Entstanden wäre auch Wohnraum für 1500 Bewohner. Der Gemeinderat hatte das Projekt am Seeufer bereits genehmigt, als aus Stuttgart ein Nein kam.

Wer sich für Konstanzer Zukunftsträume, für noch mehr spannende Projekte interessiert und sich nebenbei das mittelalterliche Stadtmodell anschauen möchte, ist im Konstanzer Rosgartenmuseum richtig.

Foto: wak/Büste von Ludwig Leiner, Gründer des Rosgartenmuseums.

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