Sparen mit Stiefmütterchen

Möblierung in der Hüetlinstrasse abgebaut

Konstanz (gro) Die Stadtverwaltung will ihrer frisch entdeckten Finanznot offenbar auch mit der Einsparung von Stiefmütterchen begegnen. Dieser Eindruck drängt sich im Stadtteil Stadelhofen auf, wo mehrere runde Pflanzentröge, die den unteren Teil der Bodanstrasse möblierten, ersatzlos entfernt wurden. Dies sei aus Kostengründen geschehen, heisst es aus dem Rathaus. Im Übrigen seien die vor bald 30 Jahren aufgestellten Betongefässe, in denen unter anderem Stiefmütterchen blühten, nicht mehr zeitgemäss gewesen. Jetzt ist ein Stück der grenznahen Strasse deutlich unansehnlicher geworden. Anderswo in der Altstadt stehen die bepflanzen Tröge vorerst weiter.

Das Schreiben eines aufmerksamen Bürgers

So hatte sich das ein aufmerksamer Stadelhofer nicht vorgestellt, als er sich entschloss, bei der Stadtverwaltung eine verbesserte Bepflanzung der steinernen Tröge in der Hüetlinstrasse anzumahnen. Schliesslich ist die Hüetlinstrasse so etwas wie die Einfallstrecke für Füssgänger und Radfahrer aus dem benachbarten schweizerischen Kreuzlingen. Das Schreiben zeitigte keine bessere Pflege der mit Blumenerde gefüllten Tröge, sondern war laut Stadtsprecher Günter Rügert vielmehr der Anlass, sie ersatzlos zu entfernen.

Beleidigte städtische Leberwurst?

In Stadelhofen ist man jetzt sauer. Niemand sei gegen Sparsamkeit, heisst es dort. Doch in diesem Falle werde wieder einmal am falschen Fleck gestrichen. Im Übrigen passe das überhaupt nicht zur bis vor kurzem proklamierten Grosszügigkeit, mit der für das 60 Millionen Euro schwere Projekt eines Kongress- und Konzerthaus auf Klein Venedig geworben worden sei. Oder sei der Entzug von Stiefmütterchen womöglich Ausdruck einer beleidigten städtischen Leberwurst, weil das Projekt in einem Bürgerentscheid von einer grossen Mehrheit abgelehnt wurde? In der Fragestunde der nächsten öffentlichen Gemeinderatssitzung ist Gelegenheit, Klarheit über die abransportierte Möblierung der unteren Hüetlinstrasse zu bekommen. Zu fragen wäre auch, wer die Entfernung Möblierung angeordnet hat.

Hunderttausende Euro für die Renovierung der Häuser

Ärger macht der Abtransport der Pflanzkübel aus der Hüetlinstrasse auch deswegen, weil diese Verarmung ausgerechnet in eine Zeitphase fällt, in der dort erneut Hunderttausende von Euro in die Sanierung von Häusern gesteckt werden. Nach jüngst abgeschlossenen Renovierungsarbeiten am ehemaligen „Löwen“ seien derzeit Sanierungen an drei historischen Häusern im Gange. Danach stehe in der ganzen Strasse nur noch die Renovierung eines einzigen Hauses an. Angesichts solcher Investitionen von privater Seite sei es nachgerade lächerlich, die seit bald drei Jahrzehnten stehenden Pflanztröge aus Kostengründen ersatzlos abzuziehen.

Anderswo kleiner und frisch bepflanzt

Die steinwandigen Tröge dienten nicht nur dazu, die Hüetlinstrasse wohnlicher auszugestalten, sondern auch dafür, die dort ausgewiesenen Parkplätze organisch abzuschirmen. Anwohner befürchten, dass sich der Parksuchverkehr nun verstärkt und dass bald auch vermehrt unerlaubt geparkt wird. Man fühlt sich auch „ungleich behandelt“. Denn anderswo in der Altstadt stehen die Betongefässe weiter auf der Strasse: zwar in etwas kleineren Dimensionen, etwa in der Zollernstrasse oder in der Neugasse, aber durchweg frisch und schmuck bepflanzt – mit Stiefmütterchen.

Foto: Günter Havlena PIXELIO www.pixelio.de

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