Spiderman Kuno Werner spinnt Glasfasernetz durch Konstanz

Konstanzer Stadtwerke werden Provider für Dienste wie Telefonie, Internet oder Fernsehen für die Endkunden

Konstanz. Die Stadtwerke Konstanz haben damit begonnen ein Glasfasernetz durch das Stadtgebiet zu spannen. Begonnen hat Spiderman Kuno Werner im Industriegebiet Unterlohn. In den kommenden acht bist zwölf Jahren soll dann die ganze Stadt ein Hochgeschwindigkeitsnetz erhalten. Die schnelle Datenautobahn endet vorerst an den Gebäuden. Die Stadtwerke schaffen die Voraussetzung für superschnelles Internet, Fernsehen der Zukunft und intelligente Haushalte. Neu ist, dass sie Stadtwerke in Zukunft auch Provider für Dienste wie Telefonie, Internet oder Fernsehen sein möchten. Bei den Datennetzen kooperieren die Konstanzer Stadtwerke mit den Stadtwerken Lindau.

Stadtwerke fahren auf die Datenautobahn

Die Stadtwerke haben damit begonnen, sich und die Stadt fit für die Zukunft zu machen. Bis die schnelle Datenautobahn alle Straßen und Häuser erreicht, werden noch einige Jahre vergehen. Und auch dann noch können Kunden Dienstleistungen wie Telefon oder Internet über die Deutsche Telekom oder Kabel BW beziehen. Der Glasfaseranschluss ist nur eine zusätzliche Option und die Stadtwerke bieten sich in Konstanz nur als zusätzlicher Provider an. Das Netz macht – und das ist das Ziel – den Wirtschafts- und Hochschulstandort Konstanz attraktiver und erhöht die Lebensqualität. Die Investitionskosten in Konstanz liegen bei etwa 58 Millionen Euro.

Stadtwerke am Bodensee sind Pioniere

Die Konstanzer Stadtwerke sind eines ersten Stadtwerke in Süddeutschland, die damit beginnen, ein Glasfasernetz zu spinnen. Das sagte Kuno Werner. Vorbild seien die Stadtwerke in der 74.000-Einwohnerstadt Norderstedt bei Hamburg. Partner im Süden sind die Lindauer Stadtwerke – die Technischen Werke Friedrichshafen mit ihrer Tochter Teledata gehen in der T-City momentan noch einen anderen Weg. Später möchten die Konstanzer und Lindauer ihre Datenpakete, zum Beispiel beim IP-TV, dann auch an andere kleinere Stadtwerke verkaufen.

Datentransport in Lichtgeschwindigkeit

Was die Stadtwerke planen, ist der Anschluss an die Zukunft. Die Ansprüche der Informationsgesellschaft wachsen. Die Menschen möchten schnellere Internetverbindungen, Fernsehen in HD-Qualität, übers Internet fernsehen und telefonieren und sich ihr Programm individuell gestalten. Die alten Kupferkabel stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Im Glasfaserkabel dagegen gibt es keinen Stau. Daten werden über Lichtwellen in Lichtgeschwindigkeit übertragen. Die Kunden können sich ihre eigenen Senderpakete packen und den Sonntagabend-„Tatort“ mit Unterbrechungen anschauen – oder wann sie Zeit haben. Sie nutzen Cloud Computing, das heißt sie greifen wie bei Googlemail auf Daten zu, die auf fremden Serven und nicht auf der eigenen Festplatte liegen, oder sie wollen den intelligenten Haushalt, bei dem sich die Kaffeemaschine ausschaltet, wenn die Bewohner das Haus verlassen haben. Die Stadtwerke könnten auch intelligente Zähler für Strom-, Gas- und Wasserverbrauch einsetzen. Das Stichwort heißt hier Smart Metering.

High Speed Internet mit 10 Gbit/s

Zunächst endet der Glasfaseranschluss in den Kellern am Hausanschlusspunkt (Fibre to the building ). Fachhandwerker müssen das Netz im Haus dann weiter spinnen. Vom Keller aus werden die Daten entweder auf das bisherige Kupferkabel, was in der Regel aber eine Begrenzung der Übertragungsgeschwindigkeit bedeutet, oder auf die hausinterne neue Lichtwellenleiterverkabelung eingespeist und bis zur Wohnung transportiert (Fibre to the home). Technisch möglich ist High Speed Internet mit bis zu maximal technisch möglichen 10 Gbit/s Up- und Downstream. Aktuell sind in Konstanz 16 bist 100 Mbits/s asymmetrisch zum Beipsiel bei Telelekom oder Kabel BW zu haben. Asymmetrisch heißt, dass der Downstream immer schneller als der Upstream ist. Einen Film hochzuladen dauert länger.

Hohe Übertragungsgeschwindigkeit egal wo

Hohe Übertragungsraten (schnelle Internetanbindungen) sind über Kupferleitungen nur auf kurzen Strecken möglich. Je weiter ein Kunde von der nächsten Einspeisung des Internetsignals entfernt ist, desto geringer wird die maximal mögliche „Übertragungsgeschwindigkeit“. Bei Funklösungen teilen sich alle Teilnehmer die zur Verfügung stehende Übertragungskapazität, d.h. je mehr Teilnehmer, desto langsamer wird das Internet. Diese Einschränkungen gelten für Glas nicht.

Open-Acces – alle dürfen aufs Netz

Open-Acces (offener Zugang) bedeutet, dass unterschiedliche Provider das Netz für ihre Dienstleistung gleichzeitig nutzen können – ähnlich einer Autobahn, die durch verschiedene Speditionen genutzt werden kann. Das Netz wird also allen Interessenten zu gleichen Konditionen durch die Stadtwerke zur Verfügung gestellt. Der Endkunde kann dann frei wählen, wer ihm welche Dienstleistung erbringt. So kann zum Beispiel das Telefon über Anbieter A, das Internet über Anbieter B oder andere Leistungen wie z.B. Fernsehen etc. über Anbieter C bezogen werden. Dies setzt jedoch voraus, dass der entsprechende Anbieter zuvor einen Vertrag mit den Stadtwerken über die Nutzung der Netze geschlossen hat und bezahlt.

Start im unterversorgten Unterlohn

Seit über 100 Jahren versorgen zum Beispiel die Stadtwerke Lindau die Bevölkerung des Landkreises Lindau mit Strom, seit über 50 Jahren mit sauberem Trinkwasser und seit 90 Jahren mit Gas. In Zukunft kommen Daten hinzu. In Konstanz bieten die Stadtwerke ihre Pakete schon in wenigen Monaten im Energiewürfel an. Wer Fragen hat, kann persönlich fragen und werde nicht mit einem Callcenter in einem anderen Land verbunden, so Kuno Werner. Überall, wo gebuddelt wird, spinnen die Stadtwerke ihr neues Glasfasernetz, das heißt, die Datenautobahn wird überall mit verlegt. Bis sie alle der etwa 10.000 Gebäude in der Stadt erreicht, wird es aber noch dauern. Zuerst ist in Konstanz das mit DSL unterversorgte Industriegebiet Unterlohn an der Reihe. Dort soll das Glasfasernetz 2012 flächendeckend gesponnen sein.

Hier geht es zu den Stadtwerken Lindau

Hier geht es zu den Stadtwerken Konstanz

 

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Ein Kommentar to “Spiderman Kuno Werner spinnt Glasfasernetz durch Konstanz”

  1. Thomas Heidrich
    30. März 2011 at 14:01 #

    „Bei Funklösungen teilen sich alle Teilnehmer die zur Verfügung stehende Übertragungskapazität, d.h. je mehr Teilnehmer, desto langsamer wird das Internet. Diese Einschränkungen gelten für Glas nicht.“

    Nunja, wenn ich ne 10 Gbps Vollduplex-Glasfaserverbindung habe und da drei Wohnungen anschließe, dann kann jeder trotzdem nur jeweils mit garantierten 6,6 Gbps kommunizieren. Alles darüber ist Glück.

    Es ist egal, welches Medium (Glasfaser, Kupfer, Funk,…) man nutzt. Je mehr Nutzer an einem Kommunikationskanal hängen, desto potentiell langsamer wirds für alle.

    Nehmen wir als Kommunikationspartner ein paar Menschen. Bei zweien in einem Raum, ist die Verständigung kein Problem. Wenn der Raum zu groß ist, braucht man einen oder mehrere Vermittler, die die Nachricht weitersagen, bis sie das Ziel erreicht. Soweit ists klar. Wenn sich drei Menschen in einem kleinen Raum befinden, kann immer nur einer reden, damit die Verständlichkeit gesichert ist. Je mehr Leute in dem kleinen Raum, desto weniger kann jeder reden. Das Kommunikationsmedium ist in diesem Beispiel die Luft. Das Beispiel ist imho auf die IT anwendbar.

    Mit Kupfer können hohe Übertragungsraten auch über längere Strecken gefahren werden. Es muss nur öfters ein Repeater (Weitersager) errichtet werden, der den Signalqualitätsverlust wieder ausgleicht.

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