Spiderman spinnt Fahrradtankstellen-Netz für E-Biker am Bodensee

E-Bikes brauchen Akku-Ladestationen – Region setzt einseitig auf „movelo“

Konstanz/Bodenseekreis. Der Zweirad-Industrie-Verband rechnet laut Eurobike allein in diesem Jahr mit etwa 300.000 verkauften E-Bikes  in Deutschland. Wer ein Fahrrad mit Elektro-Zusatzmotor und Akku besitzt, braucht auch eine Radtankstelle. Noch passt nicht jeder Akku in jedes Ladegerät. Die Internationale Bodensee Tourismus GmbH in Konstanz setzt aktuell auf „movelo“ und Leihfahrräder der Marke Flyer mit Tauschakkus. Stefan Kuhn von MET solutions GmbH Kreuzlingen findet das „etwas einseitig“. Wie Spiderman will er am Bodensee ein Netz von Radtankstellen spinnen. Er sagt: „Es gibt mehrere Hersteller und Antriebssysteme.“ Nicht jeder Akku passe in jede Ladestation. Wer sein eigenes Bike fahre, könne den Akku nicht einfach tauschen so wie die Radler mit „movelo“-Leihrad. Zusammen mit dem Fahrradhändler Josef Trübenbacher will der Marketing-Mann Ladestationen für alle E-Bikes rund um den See aufstellen. 

Spidermen spinnen Radtankstellennetz

Räder mit Elektromotor kosten etwa zwischen 3700 und 4700 Euro. Wer sich ein E-Bike gönnt, möchte es auch im Urlaub nutzen. Das sagt Stefan Kuhn. Dass sich Radurlauber am Bodensee lieber Fahrräder von „movelo“ oder einem anderen Fahrradverleih leihen und ihr eigenes E-Bike zu Hause lassen, glaubt er nicht. Deswegen brauche es Radtankstellen zum Aufladen aller gängigen Akkus, sagt er. Immerhin 47 „movelo“-Stationen zwischen dem Hegau und Wasserburg gibt es bereits. Dort werden laut Kuhn keine Akkus aufgeladen, sondern getauscht. Soweit wie „movelo“ mit den 47 Stationen sind Kuhn und Trübenbacher mit ihren aktuell 20 Fahrradtankstellen, reinen Aufladestationen, noch nicht. Es werden aber immer mehr. Die Spidermans vom Bodensee, MET solutions GmbH Kreuzlingen in Kooperation mit Radtankstelle.de  Zweirad Trübenbacher spinnen kräftig weiter.

Akkus verschwinden im Rahmendesign

Der Trend zum E-Bike ist gewaltig und das Design der Bikes wird immer schöner. Die Akkus sind so klein geworden, dass sie nicht mehr wie ein störender Klotz am Rahmen wirken. Manche Akkus stecken in der vorderen oder hinteren Radnabe, andere verschwinden optisch im stylischen, futuristisch anmutenden Fahrradrahmen oder am Gepäckträger. Der Lithium-Ionen-Akku (Li-Ion) ist aktuell die modernste Akkutechnik. Biketec hat sie als erster Hersteller in Europa serienmässig eingesetzt. Mittlerweile gibt es allein elf verschiedene Modellreihen des Elektrovelos Flyer von Biketec. Die modernen Akkus wiegen nur noch zwei bis zweieinhalb Kilo und halten mindestens 50 Kilometer. Moderne Akkus haben bis zu 1000 Ladezyklen.

E-Bike und Pedelec

Streng genommen meinen die meisten Fahrradfahrer, die von einem E-Bike sprechen, ein Pedelec, so Kuhn. Ein E-Bike fährt mit reiner Motorkraft und ganz ohne Tretleistung. Der Name „Pedelec“ dagegen steht für Pedal Electric Cycle. Eine Sensorik misst bei Pedelecs die Tretleistung des Fahrers und unterstützt das Treten durch einen Elektromotor. Ein Pedelec ist somit eine Art Fahrrad mit Tretunterstützung, es ist bis zu 25 km/h schnell – und wer nicht tritt, bekommt auch keine Motorenleistung.

Akku laden statt Akku tauschen

Verwirrung gibt es aber nicht nur, wenn es um E-Bikes oder Pedelecs geht, sondern eben auch bei den Akkus und Akku-Ladestationen. Radtankstellen, die alle Fahrradfahrer – und nicht nur die Besitzer eines Flyers nutzen können – gibt es zum Beispiel beim Wirtshof in Markdorf, im Berggasthof auf dem Höchsten oder beim Meersburger Winzerverein in der Meersburger Unterstadt. Die Ladeboxen enthalten sechs Fächer, in die E-Biker ihre Akkus unterschiedlicher Hersteller stecken können, sowie zwei Steckdosen, an die Fahrradfahrer ihre eigenen Ladegeräte hängen können. Für eine solche Ladebox, an der auch eine ganze Gruppe Radler Akkus gleichzeitig laden kann, und das Marketing berechnet Stefan Kuhn Hotels, Gaststätten und Campingplätzen einmalig 700 Euro. Für Kuhn ist das eine Investition in die Zukunft. „Wir wollen eine Infrastruktur schaffen, damit alle Biker ihre Akkus unabhängig vom Hersteller aufladen können.“ Kuhn und Trübenbacher stemmen ihr Projekt ohne öffentliches Geld. Wo sich die Radtankstellen befinden, sehen Biker auf der Website von Kuhn und seinem Partner.

Bodensee-Hinterland profitiert

Spannend seien Fahrradtankstellen vor allem für das topografisch anspruchsvolle Bodensee-Hinterland wie den Hegau oder das Deggenhausertal, das weniger gut trainierte Biker bisher eher gemieden haben. Die Radtankstelle bietet mit Trübenbacher Besitzern von Herbergen auch Leasing-Räder inklusive Reparaturservice an. Radhändler, die mit der Radtankstelle kooperieren möchten, seien willkommen. Los ging es mit der Tanke überhaupt erst im April diesen Jahres.

Kritik an schneller Entscheidung

„In drei bis fünf Jahren wird es eine einheitliche Lösung geben“, glaubt Kuhn. Die IBT in Konstanz zahle für „movelo“, sagt Kuhn. Es dürfte sich um einen Marketingbeitrag handeln. Er hätte sich gewünscht, dass sich die Touristiker zwischen dem Hegau, Obersee und dem Altenthein nicht so schnell festlegen. Kuhn sagt: „,Movelo‘ ist ein closed shop.“ Immerhin 36 Flyer-Mietregionen in Deutschland, Österreich, Spanien und Italien, darunter der Bodensee, gibt es bereits. Die Region brauche aber auch ein Netzwerk mit Ladestationen. „Movelo“ biete das nicht. Die Fahrradfahrer, die mit Leihfahrrädern unterwegs sind, könnten ihre Akkus zwar austauschen – aufladen sei aber nicht vorgesehen. Deswegen könnten selbst Besitzer eines Flyers ihr E-Bike in einer „movelo“-Station – außer mit eigenem Ladegerät – nicht aufladen. Etwa eine bis eineinhalb Stunden dauere es, bis ein Akku teilweise wieder geladen sei. Für Landgasthöfe könnte eine Radtankstelle bald ein Muss sein und die gastronomischen Betriebe profitieren von den Pause machenden Bikern: Rastende Radler müssen schließlich auch ihren eigenen Akku aufladen.

Hier geht es zur Radtankstelle.

Hier geht’s zu movelo.

Hier geht es zur Eurobike Flyer Elektrovelos sind in Halle Freigelände / Standnummer Hauptstand FG-A9/1 und beim Probefahrparcours FGO-406 zu finden.

Foto: Eurobike 2011

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