Sprech-Nachhilfe für Beamten

Konstanzer Amtsschimmel soll verständlicher wiehern

Konstanz (red) Die Amtssprache in der Stadtverwaltung Konstanz soll bürgerfreundlicher werden. Um dieses „ehrgeizige Ziel“, wie es im Originalton der Pressemitteilung der Stadt heißt, zu erreichen, lernen derzeit Mitarbeiter aus allen Ämtern, wie man in der Verwaltung verständlich formuliert. „Als eine von bundesweit 16 Kommunen nimmt die Stadt Konstanz damit eine Vorreiterrolle bei der Modernisierung der Verwaltungssprache ein“, so ein Pressesprecher der Stadt.

Zu moderner Verwaltung gehöre moderne Sprache

Zu einer modernen Verwaltung gehöre auch eine moderne Sprache. Das sieht auch Hauptamtsleiter Roland Bunten so: „Unser Anspruch an eine bürgerorientierte Verwaltung beinhaltet auch bürgerfreundliche Amtssprache. Diese ständig zu verbessern ist ein Anspruch, dem wir gerecht werden wollen “. In einem ersten Workshop bekamen die städtischen Mitarbeiter bereits eine Einführung und Vertiefung in die „Moderne Amtssprache“.

Aus Pilotprojekt der Ruhr-Universität Bochum entstanden

Geschult werden die Mitarbeiter vom Internetdienst für eine moderne Amtssprache (IDEMA) unter Anleitung von Projektleiterin Michaela Blaha. Das Netzwerk ist aus einem Pilotprojekt der Ruhr-Universität Bochum entstanden. In Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden will IDEMA das Amtsdeutsch aus den Behörden vertreiben.

Reform der Verwaltungssprache notwendiger denn je

„Die Kritik an der Verwaltungssprache generell hat eine lange Tradition – und ist auch noch zum großen Teil berechtigt“, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt Konstanz. Ein anschauliches Beispiel aus Bochum hatte Michaela Blaha mitgebracht: „Hinsichtlich der Abfalltrennung und Entsorgung der bei Ihnen anfallenden Abfälle haben Sie die Möglichkeit, die Getrennthaltung am Entstehungsort besser zu organisieren und umzusetzen.“ Sätze wie diese sind jedem bekannt. Und dennoch: Nicht auf Anhieb versteht jeder Leser oder jeder Leserin was der Verfasser dieses Satzes dem Empfänger eigentlich damit sagen will: „Sie haben unterschiedliche Möglichkeiten, die Abfälle, die bei Ihnen anfallen, zu trennen“ Eine Reform der Verwaltungssprache sei wie dieses Beispiel zeige heute deshalb notwendiger denn je.

Langwieriges Einüben besserer Sprache

Eine unverständliche Sprache löst nicht nur bei den Bürgern und Bürgerinnen Unmut aus, sondern verursache – und das wohl besonders dramatisch – auch mehr Arbeit bei den Mitarbeitern der Verwaltung. Mit Unterstützung von IDEMA soll die Sprache in der Konstanzer Stadtverwaltung nun aberinfacher werden, auch wenn eine solche Reform und eine Umdenken in den Köpfen der (langjährigen) Mitarbeiter nicht von heute auf morgen möglich sei. Mit ersten hör- und lesbaren Erfolgen rechnet Roland Bunten deshalb in etwa „zwei bis drei Jahren“.

Foto: Rolf Plühmer PIXELIO

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