Stadt wehrt sich gegen Lago-Konkurrenz

Konstanz erhebt Einsprache gegen geplantes Outlet-Center in Wigoltingen

Konstanz (red) Die Stadt Konstanz erhebt beim Gemeinderat Wigoltingen Einsprache gegen das in der Thurgauer Gemeinde geplante Fabric-Outlet-Center (FOC). Als Gründe führt die Stadtverwaltung die zunehmende Verkehrsbelastung, eine Schwächung der Innenstädte und des Einzelhandels sowie die Verletzung der geltenden Raumordnung an.

Belastung durch Individualverkehr nimmt zu

Weniger als 20 Kilometer von Konstanz entfernt soll in Wigoltingen an der Autobahn A7 das größte Outlet-Center (Fabrikverkauf) der Schweiz mit einer Verkaufsfläche von bis zu 30.000 Quadratmetern mit etwa 120 Geschäften entstehen. Zum Vergleich: Das Lago-Einkaufszentrum in Konstanz beherbergt etwa 70 Geschäfte auf 15.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Durch den nicht integrierten Standort an der Autobahn bedeutet dies eine Zunahme des Individualverkehrs mit negativen Folgen wie Lärmbelästigung und Luftverschmutzung, fürchtet Konstanz. Dies betrifft auch den Konstanzer Einzugsbereich. Untersuchungen zu den Auswirkungen auf den Verkehr sind bislang indes nur im näheren Umfeld von Wigoltingen vorgesehen. Deshalb fordert die Stadt Konstanz die zu erwartenden Verkehrsströme für die Stadt Konstanz ebenfalls zu untersuchen.

Schutz der Innenstädte

Neben der zusätzlichen Verkehrsbelastung sieht die Stadt Konstanz den Schutz der Innenstädte und des Einzelhandels in der Region in Gefahr. Die Stärkung der Städte ist sowohl im Landesentwicklungsplan Baden Württemberg als auch im kantonalen Richtplan des Kantons Thurgau (KPR TG) vom 16. Dezember 2009 festgeschrieben. So heißt es dort unter anderem: „Die künftige Entwicklung soll primär in den kantonalen Zentren erfolgen“. Der Bau eines riesigen Einkaufszentrums im ländlichen Raum schwächt die Innenstädte und widerspricht den KPR-Richtlinien. So ist die Gemeinde Wigoltingen im kantonalen Richtplan als „zentraler Ort in Entwicklungsräumen“ definiert in dem die Ladenfläche maximal tausend Quadratmeter betragen darf – sprich gerade mal einem Dreißigstel der vorgesehenen Verkaufsfläche.

Verstoß gegen die Grundsätze der Raumordnung

Negative Auswirkungen befürchtet die Verwaltung nicht nur auf die Versorgungsstrukturen der Stadt Konstanz. Das Projekt verstößt auch gegen die Ziele und Grundsätze der bestehenden Raumordnung. Die Agglomeration Kreuzlingen/Konstanz als gemeinsames Zentrum wird durch das Vorhaben am Standort Wigoltingen nachweislich geschwächt. Die Grundsatzziele der Raumordnung sehen vor, dass so genannte großflächige Einzelhandelsbetriebe mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern beidseits der Landesgrenzen an städtebaulich integrierten Standorten errichtet werden sollen. Durch das Großprojekt würden diese Grundsätze verletzt, so die Stadtverwaltung. Die Standortwahl ist aus raumplanerischer Sicht deshalb zu überprüfen.

GMA-Gutachten bestätigt Befürchtungen

Ein aktuelles Gutachten der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) vom 3. Februar 2010 geht für Konstanz und Radolfzell von wirtschaftlichen Auswirkungen bereits bei einer Verkaufsfläche von 20.000 Quadratmetern aus, die eine Genehmigung nach der Raumordnung in Baden-Württemberg als fragwürdig erscheinen lassen. Auch die Auswirkungen auf Schweizer Städte bewegen sich vor allem in den umliegenden Städten Frauenfeld und Kreuzlingen schon bei der Realisierung dieser Größenordnung auf einem kritischen Niveau. Demnach ist zumindest fraglich, ob der Einzelhandel ein Einkaufszentrum in dieser Größenordnung verkraften wird. Das teilte die Stadt Konstanz in einer Pressemitteilung mit.

Ein Kommentar to “Stadt wehrt sich gegen Lago-Konkurrenz”

  1. Fenedig
    4. Februar 2010 at 22:47 #

    Natürlich ist es Unfug, heute noch solche merkantilen Strukturen in eine offene Landschaft zu planen, nicht nur wegen des Verkehrsaufkommens und dessen Folgen für die Allgemeinheit. Man sollte im Zeitverlauf gelernt haben, dass das Beleben der inneren Stadtgebiete, die lange vernachlässigt wurden, mehr oder weniger vor sich hin trödelten, eine Aufgabe der kommenden Zeit ist, sein muss. Die Zukunftsbeispiele sind erfreulicherweise ja gerade in Konstanz – und neuerdings in stadtentsprechend kleinerer Form auch in der Nachbarstadt Kreuzlingen – gemacht oder zumindest weiter auf gutem Weg. Wenn nun das Thurgauer Vorhaben von Stadtoberen kritisch beobachtet wird, so geht es selbstverständlich, wie es sein muss, auch um die eigenen Pfründe, die tangiert werden könnten. Da ist verständliche. Im Fall von Radolfzell ist es allerdings so, dass dort bereits, wenn auch im kleineren Massstab, eine solche „Wareninstitution“ besteht, wie sie im beschaulichen, steuergünstigen thurgauischen Müllheim-Wigoltingen von anscheinend unersättlichen anonymen „Machern“ im Wortsinn „aus dem Boden gestampft“ werden soll. Ich meine, Konstanz im Speziellen hat sich nicht zu fürchten: Das Erlebnis „Einkaufen“ wird für den heutigen Menschen je länger umso mehr mit dem Erlebnis „Stadt“ vergesellschaftet sein, mit dem Unverwechselbaren, das über den Rahmen von simplen Verkaufshallen, Kinderspielräumen, Systemgastronomien, usw. hinaus gehen wird. Die Attraktion Stadt ist gerade in den letzten Jahren sichtbar neu entdeckt worden – lebendig, authentisch, fröhlich, abwechslungsreich, kommunikativ, vielfältig, überraschend, menschenverbindend, sexy gar. Man muss das pflegen und immer weiter entwickeln, dann wird das historisch-wirksame, individuelle Bild „Stadt“ auch von einer „Auslegeware“ im ländlichen Hinterland nicht zu gefährden sein und auch kein weiterer „Schwabenkrieg“ ist anzusagen. Zu den vielen Attraktionen, Kultur, Lebensart, die die Stadt bereits in sich birgt und neben dem rein Kommerziellen den Bewohnern und Besuchern anbietet, kommt nun noch, wenn alles gut läuft, rechtzeitig zum Konzilsjubiläum ein Konzert- und Kongresshaus dazu, das die aufstrebende Universitätsstadt zusätzlich prägen wird. Wichtig ist, dass Konstanz zusammen mit Kreuzlingen – die üblichen Animositäten mal entsorgend – ein unverwechselbares Outfit von veritabler Stadt bis unendliches Grün anbietet und bewirbt, das letztlich unverwechselbar das städtisch Offene, Fröhliche, Geistvolle „Hüben-und Drüben“ präsentiert. Und dann ist da ja noch der grossartige See, die bezaubernde Bucht, der Seerhein – alles zusammen ein absolutes, eifersüchtig machendes Alleinstellungsmerkmal!

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