Stadtführung: Spuren der jüdischen Geschichte in Konstanz

Erinnerung an das erste Pogrom gegen jüdische Bürger vor 700 Jahren – Besichtigung von Synagoge und Mikwe

Konstanz. Morgen Donnerstag, 10. Mai, lädt die Stadt um 18 Uhr zu einer kostenlosen Stadtführung zum Thema „Spuren der jüdischen Geschichte in Konstanz“ ein. Treffpunkt ist der Sitz der Israelitischen Kultusgemeinde in der Sigismundstraße 19. Hintergrund der Veranstaltung ist das Gedenken der Stadt an das erste Pogrom an jüdischen Bürgern vor 700 Jahren. Bei dem Rundgang durch die Altstadt vermittelt der Historiker Hans-Peter Metzger viel Wissenswertes zum jüdischen Leben in Konstanz und zur Geschichte der jüdischen Gemeinde im Lauf der Jahrhunderte. Oberbürgermeister Horst Frank begrüßt die Interessierten.

Erstes Pogrom 1312

Die ältesten Spuren jüdischer Ansiedlung in Konstanz gehen auf die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Doch bereits 1312, also vor 700 Jahren, war das erste Pogrom zu verzeichnen. Auch in späteren Jahren kam es immer wieder zu Ausschreitungen gegen Juden. Nachdem es ihnen vierhundert Jahre lang untersagt war, sich in Konstanz niederzulassen beschloss der Rat im Jahr 1847 die Wiederaufnahme von Juden in die Stadt. 1866 wurde die Israelitische Gemeinde gegründet, deren Mitgliederzahl bis 1933 beständig wuchs. Viele der zugewanderten Juden waren im Einzelhandel tätig, einige eröffneten Arzt- oder Anwaltspraxen. Vor allem in der Rosgartenstraße, auf der Marktstätte, der Hussenstraße und der Kreuzlingerstraße gründeten die jüdischen Bürger Geschäfte und prägten das Stadtbild mit dem Bau neuer Häuser.

Zerstörung der Synagoge

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten setzte auch in Konstanz die Verfolgung der Juden ein: angefangen vom ersten reichsweiten Boykott von Geschäften über die Reichspogromnacht und die Zerstörung der Synagoge bis hin zur Deportation der jüdischen Bürger nach Gurs und von dort in die Vernichtungslager im Osten. Die ersten Juden, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Konstanz kamen, waren Überlebende aus den süddeutschen Konzentrationslagern. Sie feierten 1945 den ersten jüdischen Gottesdienst nach der Naziherrschaft. Erst Jahre später stand in Konstanz wieder ein fester Raum für religiöse Zusammenkünfte zur Verfügung. Im Jahr 2003 stellte die Stadt der jüdischen Gemeinde ein Grundstück in der Sigismundstraße bereit, auf dem demnächst die neue Synagoge errichtet werden soll.

Besichtigung von Synagoge und Mikwe

Nach der Stadtführung besteht die Möglichkeit, die Synagoge und Mikwe (Ritualbad) der Israelitischen Kultusgemeinde (Sigismundstraße 19) zu besichtigen.

 

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