Steht Schweizer Connyland-Delfinarium vor dem Aus?

Freude bei Delfinschützern über Schweizer Parlamentsentscheidung – Zwei Delfine starben an Gehirnschaden durch Antbiotikum

Bern/Lipperswil. In einer bemerkenswerten Entscheidung hat das Schweizer Parlament gestern einem Importverbot für Wale und Delfine zugestimmt. Für das einzige Delfinarium in der Schweiz im Vergnügungspark Connyland des Kantons Thurgau bedeutet das wohl das Aus der Delfinhaltung. Dieser Meinung ist das deutsche Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF).

Tod von Delfinen in Gefangenhaltung

Der politischen Entscheidung ging, wie es in einer Medienmitteilung heißt, „eine intensive öffentliche Diskussion über die Gefangenhaltung von Delfinen in der Schweiz“ voraus. Das deutsche Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) hatte den Tod von sechs Delfinen innerhalb von drei Jahren im Connyland-Delfinarium kritisiert. Zwei Delfine waren im November vergangenen Jahres innerhalb von fünf Tagen gestorben.

Gehirnschaden durch Antibiotikum

Nach einer Obduktion der Delfine in der Uni-Klinik Zürich wurde ein Gehirnschaden durch Antibiotikum ohne weitere äußere Einwirkung diagnostiziert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach Information des deutschen Wal- und Delfinschutz-Forums seit dem gegen zwei Tierärzte des Connyland-Delfinariums. Connyland-Pressesprecher Erich Brandenberger schoss zurück: die Delfine seien möglicherweise von Tierschützern vergiftet worden, ließ er mehrfach verlauten. Ein seit Monaten angekündigtes eigenes Gegengutachten konnte bislang jedoch nicht beigebracht werden. Connyland selbst, das in einer Delfin-Lagune Delfin-Shows zeigt, sieht seine Delfinhaltung als tierwürdig und spricht von einer vorbildlichen Haltung der Säuger.

Aufforderung an Politik zu handeln

Bereits im August letzten Jahres forderte das WDSF zusammen mit der Organisation ProWal die Schweizer Politik auf, zu handeln. Nach ersten vom Bundesrat abgelehnten Eingaben einer einzelnen Abgebordneten beantragte der Nationalrat eine Entscheidung zum Delfin-Importverbot, die nun vom Parlament mit 99 zu 72 Stimmen angenommen wurde.

Richtungsweisende Entscheidung für Zoos

WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller (58): „Dieser begrüßenswerte Schweizer Nationalentscheid kann richtungsweisend für ganz Europa sein. Alleine in Deutschland werden immer noch 20 Delfine unter dem Vorwand der Bildung und Wissenschaft in Zoo-Gefangenschaft gehalten, nachdem weit über 100 Delfine verstorben sind. In ganz Europa sind es noch 36 Delfinarien mit über 230 Meeressäugern in Gefangenschaft. Der japanische Wal- und Delfinfang unter dem Deckmantel der Wissenschaft wird weltweit verurteilt, der Delfin-Import offenbar nicht. Damit muss jetzt Schluss sein.“

Foto: Pressefoto Connyland

3 Kommentare to “Steht Schweizer Connyland-Delfinarium vor dem Aus?”

  1. Norbert Fleck
    30. Mai 2012 at 19:12 #

    Nach mehreren Presseveröffentlichungen von Schweizer Zeitungen liegt inzwischen sehr wohl ein Gutachten des Klinikums St. Gallen vor, das auf eine Vergiftung der Delfine mit starken Schmerz- und Beruhigungsmitteln, die in vor allem in der gefundenen Kombination zu Atemlähmungen führen, hindeutet. Diese Spur wird inzwischen auch von der Staatsanwaltschaft sehr ernsthaft verfolgt.

    Auch muss noch einmal mit allem Nachdruck darauf hingewiesen werden, dass in den letzten 20 Jahren weder nach Deutschland, noch in die Schweiz, noch in die Niederlande Delfine aus Wildfängen importiert wurden. Zudem werden in keinem europäischen Land pazifische Tümmler (wie sie in Japan gefangen werden) gehalten, sondern ausschließlich karibische Große Tümmler, die zudem allesamt schon über 20 Jahre Parks und Tiergärten leben.

    Vielleicht sollte man auch erwähnen, dass inzwischen rund 2/3 der in europäischen Delfinarien lebenden Großen Tümmler bereits in menschlicher Obhut geboren wurden, sehr viele davon schon in zweiter Generation. Für die dritte Generation ist es in Europa leider noch zu früh, da sich die Tiere mit der Geschlechtsreife doch ziemlich Zeit lassen. In den USA sind Nachzuchten in der dritten Generation allerdings schon an der Tagesordnung.

    Dass in den Anfängen der Delfinhaltung in den 70 Jahren viele Fehler gemacht wurden, ist nicht zu bestreiten.
    Es ist aber unredlich, hier mit Zahlen zu arbeiten, die längst nicht mehr aktuell sind. Die noch verbliebenen Delfinarien (einschließlich Connyland) haben in den letzten Jahren ihre Anlagen grundlegend umgebaut, immens erweitert und mit modernen Filteranlagen ausgerüstet. Auch in der Tiermedizin wurden erhebliche Fortschritte gerade im Bezug auf Delfine gemacht.
    In der Folge ist seit dem Jahr 2000 die Überlebensrate der Tiere so weit gestiegen, dass die Lebenserwartung eines Großen Tümmlers in D/CH/NL gut 10 Jahre höher liegt als in freier Wildbahn. Große Tümmler mit über 50 Jahren wurden in freier Wildbahn noch nie gesichtet, sind aber in menschlicher Obhut inzwischen keine Seltenheit mehr.
    Das sind die aktuellen Fakten!

    Leider ist es ebenso Fakt, dass momentan Tag für Tag(!) rund 830(!) Delfine als Beifang und durch andere Eingriffe in ihre Lebensräume ums Leben kommen.
    Nicht einmal abzuschätzen ist, wie viele Tiere verenden, weil die Fischbestände durch Überfischung kollabieren und die Delfine schlicht verhungern.
    Vor diesem Hintergrund sollte man überlegen, ob Delfinarien nicht doch eine wichtige Rolle spielen, indem sie auf diese Problematik aufmerksam machen.

    P.S.: Es hat schon seinen Grund, warum fast ausschließlich Große Tümmler in der karibischen Küstenform (es gibt auch eine Unterart, die sich mehr auf die Freigewässer spezialisiert hat und tatsächlich viel wandert und tief taucht) in Delfinarien gehalten werden: Im Gegensatz zu den meisten anderen Rassen leben diese auch in der Natur gerne in seichten, oft eng begrenzten Revieren und wandern sehr wenig bis gar nicht, wenn sie nicht dazu gezwungen werden. Auch tiefes Tauchen ist bei der Küstenform nicht unbedingt ein Grundbedürfnis, solange es im Flachwasser genug zu Fressen gibt.

  2. Antonietta
    31. Mai 2012 at 10:49 #

    Es ist unverantwortlich, diese hochentwickelten Tiere in Gefangenschaft zu halten, weil ihnen selbst die elementarsten Grundbedürfnisse vorenthalten werden: In freier Wildbahn leben Delfine in Gruppen von bis zu 100 Tieren zusammen, erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h, können bis zu 500 Meter tief tauchen und werden 10 Jahre älter als in Gefangenschaft.
    Auch die Nahrung in Gefangenschaft, nämlich toter Fisch, ist für Delfine nicht „natürlich“, denn in freier Wildbahn fressen Delfine nur lebende Fische, tote meiden sie. Delfine sind akustische Tiere; ihre Kommunikation und Orientierung im Raum erfolgt zum grossen Teil akustisch. Der akustische Ortungssinn ist in Gefangenschaft praktisch nutzlos und verkümmert.

  3. Norbert Fleck
    31. Mai 2012 at 15:20 #

    Wer lesen kann, ist klar im Vorteil:

    Ja, es gibt Delfin- und Walarten, die in Gruppen von bis zu 100 Tieren zusammenleben, und bis zu 500 tief tauchen.

    Falsch ist, dass dies dieselben Arten sind, die man in Delfinarien findet!
    Die in Delfinarien gehaltenen Tümmler stammen fast ausschließlich aus den flachen Küstengewässern vor Florida, leben fast ausschließlich in Kleingruppen und tauchen teilweise ihr Leben lang nie tiefer als 10 m (weil vorher der Grund im Weg ist).
    Und von denen stammen (inzwischen schon in 3. Generation) sämtliche Nachzuchten ab.

    Auch ist es ein Fakt, dass Delfine, die erst einmal an tote Fische (Lebendfütterung ist wg. Tierschutzgesetze in Europa verboten) gewöhnt sind, freiwillig keine lebenden Fische mehr anrühren und sich teilweise sogar übergeben, wenn man versucht ihnen lebende Fische zu füttern. In Haderwijk leben zahlreiche Fische mit den Delfinen zusammen, ohne dass sie gefressen werden. Fast Food ist da einfach viel bequemer.

    Und dass die akustische Ortung in menschlicher Obhut verkümmert, ist ebenfalls längst wiederlegt:
    z.B. der Große Tümmler Moby (52 Jahre, Nürnberg, seit 42 Jahren im dortigen Delfinarium) kann immer noch mit verbundenen Augen eine 1 Cent-Münze vom Beckenboden auflesen, gleich große Stahlkugeln von Alukugeln (beide identisch lackiert) unterscheiden und die Größe von Objekten auf 1% genau vergleichen. Mit seinem Sonar!

    Allerdings benutzt auch er sein Sonar nur, wenn er nichts oder zu wenig sieht. Ist viel zu anstrengend. Und da das Wasser in Delfinarien meist sehr klar ist, besteht halt wenig Notwendigkeit tagsüber das Sonar zu benutzen. Nachts ist das anders, aber da sind ja keine Besucher da, die das hören würden.

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