Strandbar oder besser Zebra-Kino

Max Frisch CitoyenKonstanz. Streng genommen wäre es schöner, am Samstag barfuß durch den Sand zu laufen und in der Strandbar am Seerhein zu chillen. Bei einem Regenrisiko von 85 Prozent könnte das Zebra-Kino aber eine trockene Alternative sein. Das Zebra zeigt morgen Abend eine Doku über Max Frisch. Zuvor gibt es eine Einführung des Literaturwissenschaftlers Prof. Dr. Bachmaier und hinter eine Debatte mit dem Literaturwissenschaftler und Frisch-Kenner.

Max Frisch Citoyen

Max Frisch gehört nicht nur zu den zwei einflussreichsten Schweizer Dichtern der Neuzeit, sondern zu den berühmtesten Vertretern der deutschsprachigen Literatur, so dass seine Werke sogar in den schulischen Kanon Einlass erhalten haben. „Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen“ schrieb Frisch im Zusammenhang mit der Anwerbung von Personal im Ausland für die Schweizer Industrie. Derart treffende Aussagen, die zu geflügelten Worten wurden, zeugen vom Künstler und gleichzeitig politisch engagierten Menschen. Als solcher wird der Schweizer Dichter und Architekt vom Regisseur Matthias von Gunten in seiner Dokumentation portraitiert.

httpv://www.youtube.com/watch?v=TjGM2xfptoY

Literaturwissenschaftler dabei

Am Samstagabend gibt es eine Einführung ins Frischs Biographie und eine Disskussionsrunde mit Prof. Dr. Bachmaier. Im Anschluss an die Filmvorführung leitet der ausgewiesene Max Frisch Experte, der u.a. an der Universität Zürich und auch hier an der Universität Konstanz Neuere Deutsche Literatur lehrt, eine Diskussionsrunde im Kinosaal. Bei regem Interesse wird diese im Zebra-Salon oder in der Bar des Kulturladens fortgesetzt.

MAX FRISCH CITOYEN. Doku, Schweiz 2008, 94 Minuten, Regie: Matthias van Gunten, FSK 6 Spieltermine: 4.5. 20:00 | 6.5. 20:00

Mutter Maske

Als Willi von seiner Reise zurückkehrt muss er beobachten, dass sein Bruder Martin (Helge Schneider) die Herrschaft an sich gerissen hat und die psychisch labile Mutter auf dem Anwesen des Adelsgeschlechtes ein Leben in Tristesse führen lässt.

Latente Bedrohung beherrscht die Stimmung des Familiendramas und der spätgeborene Bruder lässt keinen Zweifel daran, dass Willi der Rückkehrer ihm ein Dorn im Auge ist, der schnell weg muss. Doch die Liebe zu seiner Mutter und zu der jungen Nachbarsdame erweckt Willis Ehrgeiz. Dagegen setzt der unerbittliche Patriarch mit Hilfe eines Arztes alles daran, die Mutter und die Nachbarsdame, die von einer geheimnisvollen Seuche befallen ist, von Willi fernzuhalten. Generell scheint die Familie wie von einem Fluch verseucht und alles scheint, ähnlich einer unheilbaren Krankheit oder einem Virus, seinen Lauf zu nehmen. So sind es nicht nur die toten Tiere, die täglich an den Strand der Familie gespült werden, die einen vermoderten Geruch nach Tod hinterlassen. Aber woher die toten Tiere?

MUTTERS MASKE BRD 1988, 85 Minuten, Regie: Christoph Schlingensief, FSK 18 Spieltermine: Fr, 3.5. 20:00 | Sa, 4.5. 22:15 | So, 5.5. 20:00 | Mo, 6.5. 22:15

Starlet

Pornosternchen Jane schlägt ihre Freizeit mit Video-Games, Potrauchen und ihrem kleinen Chihuahua Starlet tot. Auf einem Flohmarkt kauft sie einer alten Frau eine Thermoskanne ab, in der sie zu Hause 10.000 Dollar entdeckt. Was nun? Das Geld zurückgeben? Oder behalten? Verunsichert lauert sie der 85-jährigen auf. Doch die eigenbrötlerische Sadie wehrt jede Kontaktaufnahme ab. Erst als sich Jane unentbehrlich macht und sogar bei Sadies geliebten Bingo-Abenden auftaucht, fasst sie allmählich Vertrauen zu der chronisch gutgelaunten Jane. Und auch wenn Sadie ein verdammt harter Knochen ist, und Jane das Leben der Seniorin mächtig durcheinander wirbelt, kommen sich ihre einsamen Seelen näher.

STARLET ist eine Geschichte über Bingo und Porno, Einsamkeit und Schönheit, Geld und Freundschaft. In dem leisen, wunderschön fotografierten Drama sind in der Hauptrolle Ernest-Hemingway-Urenkelin und Topmodel Dree Hemingway und die weit über 80-jährige und kürzlich verstorbene Debütantin Besedka Johnson zu sehen. Eine sensible Charakterstudie, die ihre zwei Protagonistinnen in ruhigen, traumartigen Bildern auf emotionale Entdeckungsreise schickt.

STARLET Zeitgleich zum Bundesstart USA 2012; 103 min; Regie: Sean Baker; mit Dree Hemingway, Besedka Johnson; FSK 16 Spieltermine: Do, 9.5. 20:00 | Fr, 10.5. 22:15 | Sa, 11.5. 22:30 | Mo, 13.5. 22:15

L’enfant sauvage

Das von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) geförderte Netzwerk „Erfahrungsraum Kino“ besteht aus FilmwissenschaftlerInnen aus Deutschland und der Schweiz, die sich halbjährlich an verschiedenen Kinostandorten zu Workshops treffen. Das Netzwerk untersucht die Umbrüche der Filmerfahrung in Bezug auf den architektonischen und sozialen Ort des Kinos und macht es sich zur Aufgabe, diesen Transformationen von Nutzung und Wahrnehmung des Kinos und des Films nachzuspüren. In diesem Mai findet das Treffen in Konstanz unter dem Titel „Wissenschaft und Film“ in Kooperation mit dem Zebra-Kino statt. Ein öffentliches Publikumsgespräch mit aktiven Zebras und Mitgliedern des Netzwerkes gilt dem Thema „Kuratieren und Programmgestaltung“. Wir wollen so das Forschungsnetzwerk und die kuratorische Arbeit des Zebra-Kinos vorstellen sowie aktuelle Themen wie Digitalisierung besprechen.

Im Anschluss zeigen wir dem Tagungsthema entsprechend François Truffauts Schlüsselwerk L’enfant sauvage (Der Wolfsjunge) mit einer kurzen Einführung durch die Konstanzer Filmwissenschaftlicherin Ursula von Keitz. Truffaut selbst spielt den Mediziner und Wissenschaftler Jean Itard, der sich Ende des 18. Jahrhunderts eines in der Wildnis aufgewachsenen Kindes annimmt und gegen gesellschaftliche Widerstände versucht, dem stummen Jungen Bildung und soziale Interaktion nahezubringen. Häufig jedoch werden seine selbstkritisch-pädagogischen Erziehungsmethoden mit kläglichem Erfolg belohnt.

L’ENFANT SAUVAGE In Kooperation mit dem DFG Netzwerk Erfahrungsraum Kino & mit Einführung von Prof. Dr. Ursula von Keitz FRA 1970, 83 min, Regie: Francois Truffaut, FSK 12 Spieltermin: 11. Mai 18 Uhr: Publikumsgespräch zwischen Mitarbeitern des Zebra-Kinos und FilmwissenschaftlerInnen aus dem DFG-Netzwerk „Erfahrungsraum Kino“ 20 Uhr: L’enfant sauvage (François Truffaut, Frankreich 1970) mit einer Einführung durch Prof. Dr. Ursula von Keitz

Terror 2000

httpv://www.youtube.com/watch?v=I44TrRQozoE

 

Sie suchten Liebe und fanden nur Hass – der noch ekligere, noch gemeinere, noch perversere Gipfel der Deutschland-Trilogie. In Anlehnung an das Gladbecker Geiseldrama geht es um zwei flüchtige Gangster, die in einer ostdeutschen Kleinstadt Asylanten peinigen, hofiert von einer sensationsgeilen Medienschar und verfolgt von zwei erfolglosen Kriminalbeamten. Westdeutsche Neonazis versuchen ebenso wie Lokalpolitiker, ihren Nutzen aus den Übergriffen zu ziehen. Nach ‚Das deutsche Kettensägenmassaker‘ und ‚100 Jahre Adolf Hitler‘ der letzte Teil der Deutschlandtrilogie. ‚Terror 2000‘ zeigt die adäquate Trash-Ästhetik für den ultrarechten Sumpf!

Terror 2000

TERROR 2000 DEU 1992, 75 min, Regie: Christoph Schlingensief, FSK 18 Spieltermine: Fr, 10.5. 20:00 | So, 12.5. 20:00 | Mo, 13.5. 20:00

Außerdem im Programm: PIPPI IM TAKKA TUKKA LAND – So, 12.5. 17:00

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