Streitfall Kneipenöffnungszeiten

Überlinger Oberbürgermeisterin will keine Sperrzeitverkürzung

Überlingen (wak) Am kommenden Mittwoch entscheidet der Überlinger Gemeinderat neu über die Festsetzung der Sperrzeiten. Die Oberbürgermeisterin will offenbar keine verlängerten Kneipenöffnungszeiten. Seit 1. Januar gilt in Baden-Württemberg aber eine neue Gaststättenverordnung. Seither wäre es theoretisch möglich, dass Gaststätten bis um 5 Uhr öffnen. In Überlingen dürften Wirte auf eine so großzügige Regelung aber weiterhin verzichten müssen, zumindest wenn es nach der Verwaltung geht. In der Stadt soll alles bleiben wie es ist und deswegen unter der Woche um 1 Uhr Schluss sein. Nur am Wochenende dürften Gastronomen in Zukunft und wie auch schon bisher bis 2 Uhr – drinnen und draußen – ihre Gäste bewirten. So wenigstens will es die Stadtverwaltung.

Jugend fordert Liberalisierung der Kneipenöffnungszeiten

Dass der Gemeinderat den Vorschlag der Verwaltung durchwinkt, ist aber nicht zu erwarten. Zu Wort gemeldet hatten sich zuletzt zum Beispiel die Jungen Liberalen. Sie forderten längere Kneipenöffnungszeiten. Alexander Hahn, Vorsitzender der Jungliberalen, argumentierte, dass sich die Überlinger Jugend längere Kneipenöffnungszeiten wünsche. Das Ausgehverhalten hast sich verändert. Außerdem, so glaubt der liberale Nachwuchspolitiker, stünde eine kürzere Sperrzeit auch der Tourismusstadt Überlingen gut zu Gesicht.

Unterstützung von FDP-Parteivorstand und Räten

Alleine stehen die jungen Liberalen nicht da. Auch der FDP-Vorsitzende Andreas Schauer unterstützt die Forderung. Und auch im Gemeinderat regt sich Widerstand gegen die lange Sperrzeit. Grundsätzlich für eine Liberalisierung ist auch FDP-Stadtrat Reinhard A. Weigelt. Allerdings habe die FDP-Fraktion das Thema noch nicht besprochen. Weigelt, der folglich nur für sich spricht, glaubt, dass längere Öffnungszeiten sogar im Sinne von Anwohnern wären, die bei einer Verkürzung der Sperrzeit um ihren Schlaf fürchten. Weigelt meint, nicht die Kneipenbesucher in den Gaststätten seien das Problem, sondern die, die nachts auf die Straße geschickt würden. Es könne nicht im Sinne der Anwohner sein, wenn plötzlich einige hundert Gaststättenbesucher die Lokale verlassen. Eine Liberalisierung brächte eine „Entzerrung“, glaubt der FDP-Stadtrat. Zumindest ein weiterer seiner Ratskollegen denke genauso.

Auch Gastronom und CDU-Stadtrat Peter Vögele will Lockerung

Ähnlich sieht das auch Peter Vögele, selbst Gastronom, im Vorstand des Hotel- und Gaststättenverbands in Überlingen und für die CDU im Gemeinderat. Auch er spricht erst einmal nur für sich und vertritt die Meinung, dass das Land Baden-Württemberg die Sperrzeit nicht ohne Grund liberalisiert habe. Er möchte, dass auch Überlingen einen Schritt nach vorn macht. Sollte sich zeigen, dass eine Verkürzung der Sperrzeit unsinnig wäre, könnte der Gemeinderat die Regelung ja wieder korrigieren. Auch Vögele denkt, dass längere Kneipenöffnungszeiten die Situation eher „entkrampfen“. Dass plötzlich alle Gastronomen bis 5 Uhr am Morgen öffnen würden, sei schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen kaum zu erwarten. Es seien auch nicht die Kneipenbesucher, die für nächtlichen Lärm und Unruhe sorgten, sondern eher Jugendliche und junge Erwachsene, die sich an öffentlichen Plätzen aufhalten und dort mitgebrachten Alkohol trinken. Dass sich Kneipenbesucher in Überlinger Gaststätten bewusstlos trinken, hält Vögele für unwahrscheinlich. Die soziale Kontrolle sei in der Kneipe größer als draußen. Außerdem weist er darauf hin, dass längere Kneipenöffnungszeiten nicht gleich Ruhestörung bedeuten – ab 22 Uhr muss es in und vor Kneipen leise zu gehen.

Wirte-Ärgernis kostenpflichtige Sperrzeitverkürzung

In der Vergangenheit gab es auch in Überlingen bereits dauerhaft verkürzte Sperrzeiten und damit längere Öffnungszeiten für Lokale wie die „Unforgettable Lounge“ in Nußdorf oder das „Café Walker“. Als Gastronom stört Peter Vögele daran aber, dass die Betreiber der Lokale monatlich etwa 200 Euro für die Ausnahmeregelung zahlen müssten.

So sieht es in Konstanz aus

In einigen Nachbarstädten Überlingens sind die Kneipenöffnungszeiten allerdings kaum länger als in Überlingen. So ist beispielsweise sogar in der Altstadt und der Niederburg während der Woche um 1 Uhr Schluss. In der Nacht auf Samstag dürfen Kneipen im linksrheinischen Teil 80.000 Einwohner Stadt bis 2 Uhr und in der Nacht auf Sonntag bis 3 Uhr öffnen. Außenbewirtung ist aber nur bis 23 Uhr erlaubt. Im rechtsrheinischen Konstanz gelten fast dieselben Öffnungszeiten wie im Zentrum der Universitätsstadt.

Jede Stadt macht es anders

Auch in anderen Touristenorten geht die Party nicht die ganze Nacht. In Meersburg ist unter der Woche um 1 Uhr Schluss und in der Nacht auf Samstag und Sonntag um 2 Uhr. Außenbewirtung gibt es in allen Nächten nur bis 23 Uhr. In Radolfzell dürfen Gaststätten unter der Woche ein bisschen länger bis 2 Uhr und in den Nächten auf Samstag und Sonntag ebenfalls eine Stunde länger als in Überlingen bis 3 Uhr öffnen. Außenbewirtung ist bis Mitternacht erlaubt, wobei in einzelnen Ortsteilen zum Teil abweichende Regelungen gelten. Ein echter Ausreißer ist dagegen Markdorf. In Markdorf gelten an allen Abenden die gesetzlichen Sperrzeiten. Das heißt bis 3 Uhr unter der Woche und bis 5 Uhr am Wochenende.

Foto: wak

2 Kommentare to “Streitfall Kneipenöffnungszeiten”

  1. n.frassa
    26. Januar 2010 at 12:19 #

    …und in den Sommermonaten wird sich dann wieder gewundert, warum man am Landungsplatz nur Ärger hat.

    Ich erinnere mich noch genau, als Frau Becker bei einer Infoveranstaltung zu den OB-Wahlen an der Constantin-Vanotti-Schule sich mit an die Jugend gerichteten Ambitionen einen relativ guten Eindruck hinterlassen konnte. Das sie nun Kraft ihres Amtes aber das Gegenteil zu verfolgen scheint, nämlich die überlinger Nachtschwärmer an Ausgehzeiten zu gewöhnen, die allenfalls als Rentner-adäquat zu bezeichnen sind, ist Hochverrat an uns, der Jugend. Wie man diese darüber hinaus auch wirtschaftlich destruktive Politik guten Gewissens verfolgen kann, ist mir schleierhaft.
    Und was eine restriktive Sperrzeitenpolitik noch an Wundern bewirken kann, hat ja damals schon das Vereinigte Königreich vorgemacht: Man betrinkt sich, wird zur jähen, gesetztlichen Sperrstunde vor die Tür gesetzt, und prügelt sich dann erstmal. Da freuen sich dann nicht nur die Polizei, sondern auch die Verwaltung, da man nun einen Grund mehr für neue, noch irrsinnigere Verbote hat.

  2. Kessler
    26. Januar 2010 at 14:28 #

    Was erwartet Ihr von Überlingen ?Die ganze Stadt ist das schönste Altersheim in ganz Deutschland! Wieso sollte sich für die Jugend und Junggebliebenen hier etwas verändern? Im Rathaus sprechen sie von leeren Kassen und haben keine vernünftige Alternative, sie wieder sinnvoll zu füllen. Spannen dabei noch die eigenen Bürger vor den Karren „Sparkomission“.Entweder haben die nichts im Hirn oder sind zu faul, IHRE Arbeit zu tun! Sonst fragen die uns Bürger ja auch nicht! Bei dem Gedanken, den Stadtsäckel zu füllen, vergessen sie dabei auch noch, dass eine Haupteinnahmequelle die Gastronomie ist! Wo sind die tollen Veranstaltungen, die uns Überlinger und Auswärtige in die Stadt ziehen? In jedem Kaff ist mehr los, als hier! Früher gab es mal Ritterspiele oder andere schöne Veranstaltungen. Da war Überlingen voller Leben und ALT und JUNG haben Spaß gehabt und tolle Erinnerungen mitgenommen.
    Vielleicht ist aber auch unsere „Geschäftswelt“ gefragt, um Veranstaltungen finanziell mit zu unterstützen, damit diese über die Stadtgrenze beworben werden können. Sie würden doch auch partizipieren! Aber die sind sich ja auch nicht einig! Wenn es um Geld geht, haben die einen Igel VOR dem Geldbeutel! Nehmen ja, geben – vergeblich!

    Die andere Frage ist aber auch: Sind die Gastronomen bereit eine längere Kneipenöffnungszeit zu haben? Und noch eine Frage tut sich hier auf, ob für schöne Veranstaltungen der Verwaltungswasserkopf mit seinen Genehmigungen mitspielt!
    Mal schauen, was sich am Mittwoch im Rathaus tut! Da Frau Becker keine öffentlichen Fragen mehr zulässt, ist die Jugend und alle anderen Angefressenen gefragt, ihr in Briefform
    allen Unmut kund zu tun! Sie versprach öffentlich, auf alle schriftlich gestellten Fragen zu antworten. Mal schauen ob sie Wort hält – probiert es doch mal aus!
    Ich habe keine Erwartungshaltung mehr – deswegen werde ich auch nicht mehr enttäuscht von diesem „Altersheim Überlingen“!

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