Studentische Wohnungsnot: Ein Quadratmeter wohnen pro Stunde helfen

studisinternationallo_008-250x1801Konstanz. Der Wohnraum in Konstanz ist knapp. Studierende sollen ihren Vermietern jetzt Hilfsdienste anbieten, um eine Wohnung zu bekommen. Auf diese Idee kamen das Seezeit Studentenwerk Bodensee. Der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt findet die Idee gut. Die Faustregel heißt: Ein Quadratmeter Wohnfläche pro Stunde Hilfe. In anderen Unistädten funktioniert das Modell bereits.

Einkaufen und Babysitten

Soziales Engagement soll sich in Konstanz künftig für Studierende – so wie bereits für Studierende in 20 anderen Hochschulstädten – lohnen. Gemeinsam mit der Stadt Konstanz startet Seezeit Studentenwerk Bodensee das Projekt „Wohnen für Hilfe“. Wer bereit ist, seinen Vermieter beim Einkaufen, im Garten oder bei der Kinderbetreuung zu unterstützen, kann einen großen Teil der Miete sparen. Voraussetzung ist, dass sich Senioren, Familien oder Menschen mit Behinderung finden, die Wohnraum Studierenden anbieten und sich Hilfe bei kleinen Alltagsaufgaben wünschen. Seezeit betreut das Angebot und vermittelt passende Bewerber.

Wohnen für Hilfe

„Bei ‚Wohnen für Hilfe‘ bekommen die Studierenden nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern sie können sich sozial engagieren.“ So positiv schildert es das Studentenwerk. „Wir möchten das mit einem Zertifikat honorieren“, erklärt Helmut Baumgartl, Geschäftsführer von Seezeit. Baumgartl bedankt sich bei der Stadt Konstanz, die diese Idee sofort offen aufgenommen habe und das Studentenwerk bei der Realisierung finanziell unterstützte.

OB spricht von fairem Tausch

Der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt beschreibt die Vorteile des Angebots: „‚Wohnen für Hilfe‘ ist ein fairer Tausch, der beiden Seiten nützt. Zudem fördert das Projekt den Austausch der Generationen und Lebenswelten in unserer Stadt. Gerade für Konstanz ist das Projekt ideal: wir haben viele älteres Bürgerinnen und Bürger, wir haben viele Studierende und wir haben wenig Wohnraum. Wir würden uns freuen, wenn sich viele Vermieter aufgeschlossen zeigen für eine Wohnpartnerschaft mit Studierenden.“

Ein Quadratmeter pro Stunde

Eine Stunde Hilfe pro Monat für einen Quadratmeter Wohnfläche – das ist die Faustregel bei „Wohnen für Hilfe“. Die Aufgaben der studentischen Mieter können fast alles umfassen, angefangen bei klassischen Hausarbeiten wie Fensterputzen oder Einkaufen bis zur Kinderbetreuung oder dem Gassigehen mit dem Vierbeiner. Nicht vorgesehen sind pflegerische Dienste. Die genauen Konditionen halten Vermieter und Mieter in einem Vertrag fest. Julia Eppler und Andrea Hinze von Seezeit helfen dabei, passende Wohnpartner zu finden und den Vertrag zu vereinbaren.

Von der Bewerbung bis zur Wohnpartnerschaft

Interessierte Vermieter können sich zunächst bei Seezeit beraten lassen oder Informationsmaterial einholen, um danach ein Vermieterprofil zu erstellen. Es ist auch möglich, sofort einen Termin in der eigenen Wohnung zu vereinbaren. „Wir sehen uns auf jeden Fall alle Unterkunftsmöglichkeiten im Vorfeld an und klären genau ab, welche Hilfen der jeweilige Vermieter benötigt“, erklärt Julia Eppler. Die Vermieterprofile werden anschließend anonymisiert und interessierten Studierenden vorgelegt. Diese melden sich ebenfalls einfach bei Seezeit, um nach einem persönlichen Gespräch einen Bewerberbogen auszufüllen. Interessiert sich der Studierende für ein bestimmtes Angebot, geben die Seezeit-Mitarbeiterinnen dem Vermieter Bescheid und leiten die Bewerbung des Studierenden weiter. Anschließend vereinbaren beide Parteien ein gemeinsames Kennenlern-Gespräch. Andrea Hinze betont: „Wir achten darauf, dass die Bedürfnisse und Wünsche von beiden Seiten klar ausgesprochen werden. Vermieter und Mieter entscheiden selbst, ob sie das Mietverhältnis eingehen möchten.“ Seezeit gibt schließlich noch Empfehlungen zum Mietvertrag, der unter anderem die genauen Hilfeleistungen und die Vergünstigung enthalten sollte.

Kommunikation mit Seezeit

„Auch während der Wohnpartnerschaft wird der Kontakt zu den Teilnehmern gepflegt, um Konflikten vorzubeugen und bei Fragen oder Unsicherheiten da zu sein“, heißt es in einer Mitteilung des Studentenwerks. Vermieter und Studierende können sich mit Seezeit austauschen, ob das Zusammenleben gut funktioniert oder ob es Reibungspunkte gibt.

„Wohnen für Hilfe“ deutschlandweit und international

„Wohnen für Hilfe“ wird deutschlandweit bereits in 20 Hochschulstädten erfolgreich umgesetzt. Das erste Projekt startete bereits 1992 in Darmstadt. Aber auch in anderen Ländern ist das Konzept unter dem Stichwort „Homeshare International“ geläufig.

Ansprechpartner-/innen und weitere Informationen

Interessenten können sich auf der Website www.wfh-konstanz.com informieren oder sich persönlich an die Beraterinnen Julia Eppler und Andrea Hinze wenden, telefonisch unter +49 7531 – 88 7405 oder per E-Mail an wfh@seezeit.com. Sprechstunden finden montags von 13.00 bis 15.30 Uhr und mittwochs von 9.00 bis 11.30 Uhr sowie nach Vereinbarung im Seezeit Service Center an der Universität Konstanz statt.

Foto: Uni Konstanz

 

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