Swü und TWF gründen „Stadtwerk am See“

Gemeinderäte fassen Gründungsbeschluss – Start noch in diesem Jahr

Friedrichshafen/Überlingen. Historischer Schritt: Die Gemeinderäte Friedrichshafen und Überlingen beschließen die Gründung eines neuen Stadtwerks. Technische Werke Friedrichshafen (TWF) und Stadtwerke Überlingen (Swü) verschmelzen zum neuen „Stadtwerk am See“, das bereits in vier Monaten seine Arbeit aufnehmen soll. Kunden brauchen nichts zu tun, sie werden zukünftig automatisch vom neuen Stadtwerk versorgt.

Zwei starke Partner gründen neues Stadtwerk

„Das ist ein epochaler Schritt“, sind sich die Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzenden der beiden Gründungsunternehmen, Sabine Becker von Überlingen und Andreas Brand von Friedrichshafen, im Klaren. „Zwei erfolgreiche und am Markt bestens etablierte Unternehmen schließen sich zusammen“, so Becker: „Und sie tun dies aus einer Position der Stärke heraus.“

Heute 100-prozentige Töchter der Städte

Die beiden Unternehmen gehören heute zu 100 Prozent ihren jeweiligen Städten. Die TWF erwirtschaftet mit 250 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 159 Mio. Euro, die Swü mit 60 Mitarbeiter einen Umsatz von 26 Mio. Euro. An der neuen Gesellschaft sind die TWF mit 75,6 Prozent, die Stadtwerke Überlingen mit 24,4 Prozent beteiligt. Über den Gesellschaftsvertrag wird jedoch gewährleistet, dass die Aufsichtsräte aus Friedrichshafen und Überlingen alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam treffen müssen.

Verhandlungen auf Augenhöhe

Auch wenn TWF und Swü unterschiedlich groß sind: Alle Verhandlungen seien „auf Augenhöhe“ geführt worden, die Stimmung in den Aufsichtsrats-Gremien sei sehr gut gewesen, berichtet Becker. „Alle wesentlichen Beschlüsse sind in den Aufsichtsräten von Swü und TWF einstimmig gefasst worden – das zeigt, wie viel Rückhalt das Projekt in den Städten hat.“

 Stadtwerk am See soll Bürgerwerk werden

Überlingen und Friedrichshafen seien stolz auf die eigenen Stadtwerke und stehen zu ihrem Engagement, stellt Becker fest: „Kommunale Stadtwerke sind für die Bürger da, sie sind ganz nah bei den Menschen.“ Das neue „Stadtwerk am See“ wolle dies auch noch stärker verankern: Über Beteiligungsmodelle sollen die Menschen in der Region sich aktiv an Projekten beteiligen können. „Das Stadtwerk am See wird wirklich ein ‚Bürgerwerk‘, für Bürger und mit Bürgern“, ist Becker überzeugt.

 Kommunen zum Mitmachen eingeladen

Ein „Wir-Gefühl“ erhofft sich auch OB Brand. „Und das alles über die alte badisch-schwäbische Landesgrenze hinweg“, schmunzelt er. Doch dahinter stecke durchaus Ernst: „Mit diesem Zusammenschluss wächst der Bodenseekreis noch enger zusammen.“ Zumal sich auch weitere Kommunen am neuen Stadtwerk beteiligen können. „Wir laden ausdrücklich alle Kommunen im Bodenseekreis ein, sich an dem neuen gemeinschaftlichen Unternehmen zu beteiligen“, so Brand.

 Signal für Energiewirtschaft im Land

Denn die Bedeutung des neuen Unternehmens reicht weit über die beiden Stadtgrenzen hinaus. „Wenn die beiden größten Städte im Bodenseekreis mit ihren Stadtwerken einen gemeinsamen Weg gehen, dann ist das auch ein Signal für die baden-württembergische Energielandschaft“, so Brand. Schließlich wolle Baden-Württemberg eine Vorreiterrolle in der Energiewende einnehmen, Ökologie und Energieeffizienz fördern: „Das geht nur mit starken, kommunalen Stadtwerken“, ist Brand überzeugt. Schon heute seien TWF und Swü in Sachen Ökologie aktiver und erfolgreicher als die meisten anderen Energieversorger. „Das ‚Stadtwerk am See‘ kann diese Aktivitäten noch stärker vorantreiben, Wissen und Prozesse bündeln.“

 Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten

„Kräfte bündeln“ – ein Stichwort, das TWF-Geschäftsführer Alfred Müllner gerne aufnimmt. TWF und Swü haben die einmalige Chance, gemeinsam Aufgaben besser und effizienter anzugehen – und zusätzlich den Kunden und Bürgern noch mehr Service und Dienstleistungen anzubieten, so Müllner. Dieses ‚Mehr‘ ist Müllner wichtig, ist es doch der Grundstein dafür, dass nicht nur die Bürger, sondern auch die Mitarbeiter profitieren. Denn das „Stadtwerk am See“ will den Weg gemeinsam mit allen bisherigen Mitarbeitern der beiden Stadtwerke gehen. „Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben“, stellt Müllner klar. Das sei auch nie Thema gewesen, denn: „Wir brauchen jeden Mitarbeiter, um weiter zu wachsen und besser zu werden“, so Müllner, der das neue „Stadtwerk am See“ gemeinsam mit seinem Kollegen, dem jetzigen Swü-Geschäftsführer Klaus Eder, führen wird.

Präsenz an beiden Standorten

Beide Standorte bleiben erhalten, und zwar jeweils mit qualifizierten Arbeitsplätzen, stellt Eder fest: „Alle für Kunden und Bürger wichtigen Funktionen werden auf jeden Fall in Friedrichshafen und Überlingen vorhanden sein.“ Denn im Fokus des neuen Unternehmens stehe der Kunde: „Wenn wir das, was wir bisher einzeln tun, nun gemeinsam vorantreiben, dann sind die größten Gewinner unsere Kunden.“ Als Beispiele nennt Eder neue ökologische Wärmeangebote oder auch den Ausbau der Energieberatung an beiden Standorten. So können Kunden zukünftig noch bessere, maßgeschneiderte Angebote für ihren Energiebedarf vom „Stadtwerk am See“ erhalten. Bisherige Angebote wie etwa die Kundenkarte der Swü blieben erhalten und würden ausgebaut, so Eder. Alle bisherigen Produkte und Leistungen der beiden Unternehmen – insbesondere Strom, Gas, Wasser und Wärme, aber auch die Telekommunikations-Services von TeleData – bleiben auch beim neuen Unternehmen im Angebot.

Erfolgsgeschichte versprochen

Die beiden Geschäftsführer sind felsenfest überzeugt, dass das neue „Stadtwerk am See“ ein Erfolg für alle wird. Ein „hoher Anspruch“ sei das, gibt Müllner zu. Aber das „Stadtwerk am See“ habe das Zeug zu einer großen Erfolgsgeschichte: Es biete mehr Service für die Kunden, Beteiligungsmöglichkeiten für die Bürger, stabile und langfristige Wertschöpfung für die Region, Einfluss und Einnahmen für die beteiligten Kommunen, eine starke Partnerschaft für die Stadtwerke der Region, sichere Arbeitsplätze für die Mitarbeiter, und nicht zuletzt: mehr Ökologie für alle.

Foto/wak: Am Mittwochabend stimmte auch der Überlinger Gemeinderat zu.  Oberbürgermeisterin Sabine Becker, TWF-Geschäftsführer Alfred Müllner und Swü-Geschäftsführer Klaus Eder sowie Swü-Betriebsrat Helmut de Francisco stehen hinter der Neugründung des Stadtwerks am See.

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