Symposium „Kunstarbeit jenseits des Kunstmarktes“ in Friedrichshafen

Zeppelin Universität initiiert Diskurs über kunstmarktkonforme Arbeitspraktiken und Netzwerke

Friedrichshafen. Die Zeppelin Universität (ZU) veranstaltet gemeinsam mit dem Kunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg am Samstag, 18. Juni, ab 10 Uhr eine eintägige Veranstaltung zum Thema „Kunstarbeit jenseits des Kunstmarktes“. In dem öffentlichen Symposium werden nicht kunstmarktkonforme Arbeitspraktiken und Netzwerke beleuchtet. Parallel zur weltweit wichtigsten Kunstmesse in Basel präsentieren sich in Friedrichshafen Künstlerinnen und Künstler, die in den Bereichen Stadtentwicklung, Forschung, Design und im World Wide Web arbeiten.

Marktdominanz in der Kunstszene

In den letzten Jahren wurde immer häufiger die Marktdominanz im Kunstfeld kritisiert. Nicht mehr Kritik und Kunsttheorie, sondern der Kunsthandel gilt mittlerweile als entscheidende Bewertungsinstanz. Entgegen dieser Tendenz wollen das Kunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg und die ZU gemeinsam mit Wissenschaftlern und Künstlern eine Bestandsaufnahme von künstlerischen Praktiken vornehmen, die auf Kunstmessen und im Kunsthandel kaum vorkommen, sich aber in eigenen Märkten, Ökonomien und Netzwerken dennoch etablieren konnten. Im Rahmen von Kurzvorträgen, Präsentationen, einer Poster-Ausstellung und Diskussionsrunden sollen alternative Arbeitsformen auf ihr jeweiliges Selbstverständnis, ihre Organisationsstrukturen, Netzwerkbildungen und Ökonomien hin befragt werden.

Marktstrategien nicht-konformer Künstler

„Häufig scheuen sich gerade die Künstlerinnen, die neue Produktionsverhältnisse etabliert haben, diese im Hinblick auf ihre Organisationslogik und ihre Ökonomie zu betrachten“, sagt die Kunstwissenschaftlerin und Veranstalterin Prof. Dr. Karen van den Berg. „Hier gibt es durchaus berechtigte Bedenken, dass diese Alternativkonzepte wiederum von der Wertschöpfungslogik der sogenannten Kreativ-Industrie vereinnahmt werden.“ Ihr scheint es aber gerade deshalb notwendig, dass man sich aus dem Kunstfeld und aus seiner Eigenlogik heraus des Themas systematischer annimmt und selbstbewusst auch eigene Marktstrategien formuliert. „Im Moment lässt sich gerade an Kunstakademien eine Tabuisierung des Ökonomiethemas beobachten. Dadurch gerät man aber in die Defensive“, so van den Berg weiter. Zunächst aber bedürfe es hier einer systematischen Bestandsaufnahme, welche Arbeitsformen und Netzwerke sich überhaupt beobachten lassen, betont die Soziologin Dr. Ursula Pasero, die als Senior Research Fellow für soziologische Studien im Kunstfeld an der Zeppelin Universität tätig ist. „Für uns stellt sich natürlich vor allem die Frage nach sinnvollen Förderstrategien in diesem Bereich“, sagt Bernd Milla von der Kunststiftung Baden-Württemberg.

Spannende Gäste bei Symposium

Vortragende des Symposiums sind folgende Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Margot Czenki (Künstlerin und Filmemacherin, Hamburg), Anke Haarmann (Künstlerin und Wissenschaftlerin, Leuphana Universität Lüneburg), Judith Hopf (Künstlerin Städelschule – Staatliche Hochschule für Bildende Künste, Frankfurt), Birte Kleine-Benne (Kunsttheoretikerin, Kunsthochschule Halle, Burg Giebichenstein, Berlin), Andrea Knobloch (Künstlerin, Düsseldorf/Hamburg), Dr. Ursula Pasero (Soziologin, Zeppelin Universität), Oliver Ressler (Künstler und Filmemacher, Wien), Christoph Schäfer (Künstler, Hamburg), Dr. Stephan Schmidt-Wulffen (Rektor der Akademie der Bildenden Künste, Wien), Apolonija Sustersic (Künstlerin und Architektin, Amsterdam/Ljubljana), Jun.-Prof. Dr. Martin Tröndle (Kunstforscher, Zeppelin Universität), Prof. Dr. Karen van den Berg (Kunstwissenschaftlerin, Zeppelin Universität), Prof. Dr. Ulf Wuggenig (Kunstsoziologe, Leuphana Universität Lüneburg).

Foto: Rainer Sturm PIXELIO www.pixelio.de

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